Solidarität mit Berlin: Vor dem Rathaus am Münchner Marienplatz weht eine Regenbogenflagge. © Mirgeler/dpa
München/Wolfratshausen – Nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag auf Besucher des Christopher Street Day (CSD) in Berlin herrschen in München Entsetzen und Trauer. OB Dominik Krause (Grüne) drückte seine Solidarität mit der queeren Community dort und seinem Berliner Amtskollegen Kai Wegner aus. Der CSD sei ein Symbol für Individualität und die Freiheit. Die Konsequenz dürfe nicht sein, dass man sich zurückziehe. „Wenn uns die Feinde der Freiheit den Kampf ansagen, dann müssen wir dagegenhalten. Toleranz mit den Intoleranten darf es nicht geben. Islamismus darf nicht verharmlost werden, er ist keinen Deut besser als der Rechtsextremismus. Beides muss eine wehrhafte Demokratie bekämpfen.“
Am Montagabend kam die Münchner LGBTIQ*-Community zu einer Mahnwache am Marienplatz zusammen. Etwa 4000 Menschen nahmen Polizei und Veranstaltern zufolge teil: Sie legten Blumen und Kerzen nieder, hielten Regenbogenfahnen hoch. Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne) unterbach ihre Rede für einen stillen Moment der Anteilnahme, der gut gefüllte Marienplatz erstummte.
Anschließend lud das schwul-queere Zentrum Sub zu einem Beisammensein ein. „Das große Medienecho und die Anteilnahme in den Sozialen Netzwerken zeigen, wie sehr die Tat die Menschen bewegt“, sagte CSD-Sprecher Conrad Breyer gegenüber unserer Zeitung.
Dabei sollte die Mahnwache bewusst kein politischer Protest werden. „Wir wollen keine großen Reden halten. Es geht darum, gemeinsam zu trauern und den Menschen das Gefühl zu geben, dass sie mit ihrer Trauer nicht allein sind“, betonte Breyer. Nach der Bluttat in Berlin rückt nun vor allem die Sicherheit kommender Veranstaltungen in den Fokus. Müssen auch in München die Schutzmaßnahmen verschärft werden? Breyer verweist auf das bereits bestehende Sicherheitskonzept. Welche zusätzlichen Maßnahmen nach dem Berliner Anschlag nötig werden, müsse mit den Behörden geprüft werden.
Dass der Münchner CSD verkleinert oder gar abgesagt werden könnte, glaubt Breyer allerdings nicht. Seit mehr als 40 Jahren gehen beim Münchner Christopher Street Day Menschen für Gleichberechtigung und Akzeptanz auf die Straße. Zuletzt kamen rund 230.000 Menschen zur Polit-Parade. In Regen ist Ende August ein CSD geplant, in Nürnberg kommendes Wochenende.
Auch in Wolfratshausen steht am Wochenende der CSD an. Der zweite Christopher Street Day in der Flößerstadt südlich von München steht ganz unter dem Eindruck des Terroraktes. „Alles, was Vielfalt und Demokratie angreifen will, dagegen stellen wir uns“, sagt Organisator Raffael Joos unserer Zeitung. Seit Samstagabend seien die Organisatoren im Austausch mit der Polizei. „Die Sicherheit der Teilnehmer liegt uns am Herzen, deshalb haben wir ein Konzept mit der Polizei erarbeitet.“ Eine Absage stand nie zur Debatte. „Der CSD findet statt – definitiv.“GW/DST/JJ