Frankfurt – Wie sehen Investoren den Stellenabbau bei BMW? Wir haben bei der Fondsgesellschaft Deka nachgefragt, die zu den Anteilseignern des Autobauers gehört und insgesamt 431 Milliarden Euro an Kundengeldern verwaltet.
Herr Speich, ist der Stellenabbau bei BMW nötig?
Ja. BMW war lange Zeit gegen die Branchenkrise immun. Das scheint jetzt vorbei zu sein – weshalb man in München zu Recht reagiert. BMW ist sehr gut geführt und andere Unternehmen der Branche sind mitunter stärker betroffen. Dass es jetzt BMW auch erwischt, ist deshalb ein Alarmsignal.
Inwiefern?
Es zeigt: China ist für deutsche Firmen nicht mehr die Goldgrube, die es einmal war. Die Chinesen kaufen lieber chinesische Produkte und lassen auch deutsche Premiumautos links liegen. Das belastet übrigens nicht nur das Geschäft der Autobauer und deutscher Firmen. Auch Sportartikelhersteller wie Adidas oder der US-Konzern Nike leiden darunter, dass in China jetzt heimische Marken bevorzugt werden. Das ist ein großer struktureller Umbruch für westliche Firmen. In der Autobranche kommt noch ein spezieller Fakt dazu.
Welcher denn?
Europäische Hersteller wie BMW tragen einen Verbrenner-Rucksack in die Elektro-Zukunft. Sie müssen sowohl die Elektro-, aber auch die Verbrenner-Antriebe weiterentwickeln. Jetzt stehen sie einer extrem agilen chinesischen Elektro-Konkurrenz gegenüber, die deutlich günstiger ist – auch dank staatlicher Subventionen. Die Entwicklungszyklen sind heute viel schneller als früher. Dazu kommt die Weltlage. Das sind nicht nur die Zölle, die auf das Geschäft drücken. Im Moment bricht wegen des Iran-Krieges zusätzlich noch der Verbrenner-Verkauf in China ein. Wie überall auf der Welt ist dort Sprit viel teurer geworden. Auch in Europa sehen wir, dass E-Autos dadurch plötzlich deutlich attraktiver werden.
Alle deutschen Hersteller bauen Stellen ab. Wie viel davon ist Überlebenskampf? Und wie viel Gewinnmaximierung?
Deutsche Autokonzerne haben aus den guten Jahren noch viel Kapital. Fakt ist aber auch: Porsche hatte vier Gewinnwarnungen in einem Jahr, BMW nun ebenfalls eine. Die Stückzahlen bei den Verkäufen sind zurückgegangen – und damit die Marktanteile. Darauf muss reagiert werden, bevor man in eine Abwärtsspirale kommt und noch tiefere Einschnitte bei der Belegschaft vornehmen muss.
Bei BMW werden Jobs sozialverträglich über Abfindungsprogramme abgebaut. Der richtige Weg?
Bei Freiwilligenprogrammen besteht immer die Gefahr, dass die Besten gehen. Das kommt aber auf die konkrete Ausgestaltung an. Die Frage ist: Was ist die Alternative? Insgesamt wurde das alles sehr professionell gemanagt. Da könnten sich andere in der Branche eine Scheibe davon abschneiden.