Nach 100 Jahren im Rampenlicht

von Redaktion

Schmuckstück wird nun ausgestellt: Katharina Sörgel (l.) bestaunt das Gewand aus dem Jahr 1924. © Josef Hornsteiner

Mittenwald – Es ist nur ein Kleid. Und doch erzählt es die Geschichte des Bozner Marktes. Hellblau schimmert die Seide im Licht, fast irisierend. Goldene Borten ziehen sich über den Stoff, dazu eine reich gemusterte Brokathaube in kräftigem Pink und eine passende Tasche. Es wirkt, als hätte die Trägerin den Raum nur für einen kurzen Moment verlassen. Dabei ist das Gewand über 100 Jahre alt. „Getragen kann es nicht mehr werden – zu zerbrechlich“, erklärt Petra Summer vom Tourismusverband Alpenwelt Karwendel.

Für den ersten Bozner Markt im Jahr 1924 ließ der Mittenwalder Geigenverleger Adolf Baader das kostbare Kleid mit weiteren historischen Gewändern beim Münchner Modehaus Oberpollinger anfertigen. So wie wohlhabende Kaufmannsfrauen sie in der Renaissance trugen – weniger historisch exakt als vielmehr so prachtvoll, wie man sich die Zeit damals vorstellte. Jahrzehntelang verschwand das Kleid im riesigen Kostümfundus des Bozner Marktes. Bis die Gemeindeangestellte Maria Heßler beim Sichten historischer Fotografien stutzte. Auf einem Bild vom Bozner Markt von 1929 erkannte sie plötzlich genau jenes Gewand wieder. Der Rock war schnell gefunden, das passende Oberteil tauchte, sorgsam in Kleiderfolie verpackt, auch wieder auf. Fast eine kleine archäologische Entdeckung.

Jetzt hat das Kleid seinen Platz im Mittenwalder Geigenbaumuseum gefunden. Dort steht es für feinste Handwerkskunst aus Seide, Brokat und Goldborten und erinnert an die Anfänge eines Festes, das Generationen von Mittenwaldern geprägt hat. Manchmal braucht Geschichte keine großen Worte. Manchmal genügt ein Kleid.JOSEF HORNSTEINER

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