Schwebfliegen: Nützlich und bedroht

von Redaktion

Eine Hainschwebfliege sitzt auf Habichtskraut. © archiv

Frankfurt a. M. – Achtung, ich bin gefährlich, wollen die Hornissen-Schwebfliegen ihren Fressfeinden wie Vögeln signalisieren. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Hornissen, sind aber harmlose Fliegen. Bis zu 300 Flügelschläge schaffen sie in der Sekunde. Damit können sie schwirrend auf der Stelle stehen und rückwärts fliegen wie Kolibris und Libellen.

Mimikry nennt man es in der Biologie, wenn ein Organismus einen anderen imitiert. Für die Unterschiede muss man genau hinschauen: Die Schwebfliegen sind dunkler als Hornissen und haben keine Wespentaille. Es sind auch keine Hautflügler mit vier Flügeln wie Wespen und Bienen, sondern nur Zweiflügler. Und das Wichtigste: Sie haben keinen Stachel.

Ihre Tarnung setzen die Hornissen-Schwebfliegen nicht nur ein, um Vögel abzuschrecken, sondern auch, um in die Nester von Wespen und Hornissen einzudringen. Dort legen sie ihre Eier ab. Dennoch sind sie keine Parasiten: Ihre Larven leben von sterbenden und toten Insekten. Sie halten also das Nest sauber und hygienisch.

Weltweit haben Biologen rund 6000 Schwebfliegen-Arten beschrieben. Etwa 460 von ihnen kommen in Deutschland vor. Bei rund einem Drittel ist der Bestand laut Roter Liste gefährdet. Die Gründe sind laut Naturschutzbund Deutschland (Nabu) Klimawandel, intensive Landwirtschaft, Einsatz von Insektenschutzmitteln sowie die intensive wirtschaftliche Nutzung von Wäldern.

„Habitatverluste durch Intensivierung von Land- und Forstwirtschaft haben sehr negative Auswirkungen auf die Schwebfliegen“, bestätigt der Insektenkundler Wolfgang Dorow, der lange Jahre bei der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung arbeitete. Profiteure des Klimawandels seien ihm unter den Schwebfliegen nicht bekannt.

In der Forschungsstation Randecker Maar auf der Schwäbischen Alb werden die Wanderungen der Schwebfliegen seit 1970 dokumentiert. Zuletzt registrierten die Forscher einen sehr starken Rückgang von bis zu 97 Prozent, wie das Stuttgarter Museum für Naturkunde 2020 mitteilte.

Im Ökosystem haben Schwebfliegen wichtige Funktionen. Sie sind sehr aktiv als Bestäuber und zudem Indikatoren für die Biodiversität und die Artenvielfalt. Sie waren schon in den urzeitlichen Wäldern unterwegs, vor 100 Millionen Jahren. Der älteste fossile Beleg stammt aus kreidezeitlichem sibirischem Bernstein. Erst vor Kurzem wurde eine neue Schwebfliegenart entdeckt: Monoceromyia ndidiae. Hobbyforscher hatten sie in der Dominikanischen Republik fotografiert. Bei den kleineren Hainschwebfliegen tendiert das Gelb zum Orange. Sie kommen im Frühling über die Alpen und fliegen meist im Herbst wieder zurück. Manche aber überwintern hier. Daher werden sie auch Winterschwebfliegen genannt.CLAUDIA SCHÜLKE

Artikel 2 von 5