In den 90ern wurden die Karten auf Schulhöfen getauscht. Heute werden sie für tausende Euro versteigert. © imago
München – Es geht um Schätze, um Seltenheit, um die Jagd nach dem einen Stück, das noch fehlt: Pokémon-Karten. Das sind Sammelkarten mit Fantasiefiguren aus einer japanischen Medienreihe, die seit den 1990er-Jahren weltweit über Videospiele, Zeichentrickserien und ein Kartenspiel verbreitet wurde. Was einst vor allem auf Schulhöfen getauscht wurde, entwickelte sich zu einem Millionengeschäft.
So machte der US-Influencer und Wrestler Logan Paul Mitte Februar Schlagzeilen, als er eine der berühmtesten Pokémon-Sammelkarten der Welt versteigerte. Die extrem seltene „Pikachu Illustrator“-Karte erzielte bei einer Auktion des Hauses Goldin Auctions den Rekordpreis von 16,5 Millionen US-Dollar. Paul hatte die Karte 2021 noch für vier Millionen Dollar erworben – und zeitweise als Kette um den Hals getragen. Neuer Besitzer ist AJ Scaramucci, Sohn des Hedgefonds-Managers und kurzzeitigen Trump-Pressesprechers Anthony Scaramucci. Die Auktion hatte gut 40 Tage gedauert. Erst am letzten Tag verdreifachte sich die gebotene Summe.
Die Karte gilt als Heiliger Gral des Pokémon-Marktes. Sie wurde 1998 in Japan als Preis eines Illustrationswettbewerbs vergeben; Schätzungen zufolge existieren nur rund 40 Exemplare weltweit.
Eine besondere Bedeutung kommt der professionellen Bewertung zu. Spezialisierte Prüfdienste wie PSA (Professional Sports Authenticator) untersuchen Zustand, Druckqualität, Kanten, Oberfläche und Zentrierung einer Karte und vergeben eine Note von 1 bis 10. Zwei Karten mit identischem Motiv können sich im Preis dramatisch unterscheiden – je nach Erhaltung und Seltenheit.
Zu den wertvollsten Stücken zählen neben der Pikachu Illustrator auch die Shadowless 1st Edition Charizard (PSA 10) für über 420.000 Dollar, Trophy Pikachu No. 1 Trainer für 300.000 Dollar oder Blastoise Wizards of the Coast Prototype für 360.000 Dollar. Diese Preisentwicklung hat der Sammelszene Aufmerksamkeit verschafft.
So haben sich Pokémon-Karten in den vergangenen Jahren zu einer profitablen Wertanlage entwickelt. Die Preise für seltene Karten steigen stetig. Allerdings gibt es auch Risiken – der Markt schwankt, Fälschungen werden zunehmend zu einem Problem.
Neue Karten werden in Videos präsentiert, Sammlungen digital dokumentiert, besondere Funde online geteilt. Und trotzdem gibt es viele Parallelen zur klassischen Sammelleidenschaft. Auch hier geht es um das gezielte Suchen, das systematische Ordnen und das langfristige Bewahren.MIRLIND GASHI