ZUM 65. GEBURTSTAG VON BARACK OBAMA

Der letzte Fels der US-Demokraten

von Redaktion

Die Familie: Barack und Michelle Obama mit ihren Töchtern Malia (li.) und Sasha und den Hunden Bo und Sunny im Weißen Haus. © Pete Souza/dpa

Einer fehlt: Zur Einweihung seines Presidential Center im Juni 2026 hatte Obama alle noch lebenden US-Präsidenten eingeladen – außer Donald Trump. Von links: Joe Biden, Barack Obama, George W. Bush (Republikaner) und Bill Clinton. © Monsivais/dpa

Als US-Präsidentschaftsbewerber sprach Obama 2008 in Berlin. 200.000 Menschen jubelten ihm zu. © Rainer Jensen/dpa

20. Januar 2009: Der neue US-Präsident Barack Obama und First Lady Michelle Obama auf dem Weg ins Weiße Haus. Rundes Bild: Obama wird 2013 erneut als US-Präsident eingeführt. © P. Alliance (2)

Bilder, die in Erinnerung bleiben: Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama werden im Juni 2015 in Krün (Bayern) kurz vor dem G7-Gipfel in Elmau von einer Gruppe in Trachten begrüßt. Das Foto unten zeigt Merkel und Obama dann beim Gipfel im Gespräch auf einer Wiese bei Schloss Elmau vor der Wettersteinspitze. Als US-Präsident war Obama offiziell sechsmal in Deutschland. © Müller/Kappeler/dpa

Washington – Wenn Barack Obama an diesem Dienstag seinen 65. Geburtstag feiert, dürften sich viele vor allem an seine ungezwungene Lässigkeit und sein Charisma erinnern. Von der Erklärung seiner Kandidatur für das Präsidentenamt in Springfield, Illinois, 2007, bis zum Fallenlassen des Mikros beim letzten Dinner mit der US-Hauptstadtpresse gut neun Jahre später: Obama wusste Menschen in seinen Bann zu ziehen – selbst diejenigen, die seine Arbeit eigentlich kritisch unter die Lupe nehmen sollten.

In einem Alter, in dem manche in Rente gehen, gibt sich Obama weiter tüchtig. In einem Video warf er jüngst mit dem Rollstuhlbasketballer Josh Turek lässig ein paar Bälle und warb nebenbei vor den wichtigen US-Zwischenwahlen für den Demokraten aus Iowa, der sich um einen Senatssitz bewirbt. Auf Sozialen Medien teilt Obama weiter seine Spotify-Playlist und seine Bücherliste mit seinen Anhängern.

Mitte Juni eröffnete Obama sein Präsidentencenter in Chicago, das den Werdegang des auf Hawaii geborenen Politikers zeigt. Obama war der erste afroamerikanische Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Die Ausstellung dokumentiert, wie er zunächst in Chicago sozial benachteiligten Menschen half, später mit seiner Frau Michelle eine Familie gründete und die Töchter Malia und Sasha großzog. Wie er als junger demokratischer Senator in den Kongress in Washington einzog und allen zeigte, dass ein Afroamerikaner zum mächtigsten Mann der Welt aufsteigen kann.

Gern erinnert man sich an Obamas innenpolitische Erfolge, wie etwa die mühsame Neustrukturierung der US-Gesundheitsversorgung 2010, auch „Obamacare“ genannt. Außenpolitisch bleiben die Tötung von Al-Kaida-Terrorchef Osama bin Laden 2011, das Atomabkommen mit dem Iran oder das Pariser Klimaabkommen 2015 im Kopf. Hierzulande dürften auch Obamas Berlin-Besuche Erinnerungen wecken.

Negatives aus Obamas von 2009 bis 2017 dauernder Präsidentschaft gerät da schnell in den Hintergrund. Dass die USA etwa das Telefon von Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) abhörten, dass das US-Militär Terroristen in Pakistan gezielt durch Drohnen tötete, was später als völkerrechtswidrig verurteilt wurde, oder dass Millionen von Menschen aus den USA abgeschoben wurden.

Dennoch: Obama gilt als letzter großer Polit-Star der Demokraten. Sein Charisma und seine mitreißende Rhetorik setzten die Messlatte für Politiker damals schon sehr hoch – vielleicht zu hoch. Mehr als 1000 Sitze verloren die Demokraten Medienberichten zufolge während seiner Präsidentschaft auf Bundesstaatsebene, an Gouverneursposten oder im Kongress. „Wenn Obama das Weiße Haus verlässt, hinterlässt er eine Demokratische Partei, die jahrelang in seinem Schatten stand und nun nach ihrer Identität sucht“, resümierte der Sender PBS 2016.

Bis heute tun sich die Demokraten schwer damit, Politiker mit Profil vorzuweisen. Zwar gelang Joe Biden 2020 der Sieg gegen Donald Trump. Seine Amtszeit war aber zuletzt durch fragwürdige Auftritte und Aussetzer geprägt. Sein später Rückzug aus dem Rennen 2024 schadete der Partei erheblich.

An prominenten Namen mangelt es den Demokraten nicht. Mit den Gouverneuren Gavin Newsom aus Kalifornien und Gretchen Whitmer aus Michigan gibt es potenziell zwei Präsidentschaftskandidaten. Auch bei Ex-Vizepräsidentin Kamala Harris wird über eine erneute Kandidatur spekuliert. So mühelos wie einst Obama wirkt allerdings niemand von ihnen.

Das gelingt einer neuen Generation junger Demokraten mit Außenseiter-Profil besser. Der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani wird häufig mit Obama verglichen. Wegen seines Geburtsortes Kampala in Uganda darf der linke Politiker per Verfassung aber nicht Präsident werden. Zuletzt geriet er auch durch fragwürdige Äußerungen und Kompetenzüberschreitungen in die Schlagzeilen. Abdul El-Sayed, der sich derzeit für einen Senatssitz in Michigan warmläuft, genießt zwar die Unterstützung von Parteigrößen wie Bernie Sanders oder Alexandria Ocasio-Cortez – doch genauso wie bei „AOC“ wird infrage gestellt, ob sein linkes Profil bei Wählern auf Bundesebene zieht.

Für US-Präsident Trump ist diese Orientierungslosigkeit ein Segen. Er hat aus seiner Verachtung für Obama nie einen Hehl gemacht. Ob er ihn wirklich verabscheut oder doch eher beneidet, ist die Frage. Bei den Angriffen auf die iranischen Atomanlagen 2025 inszenierte sich der Republikaner ähnlich wie Obama bei der Tötung bin Ladens. Trump hätte ebenfalls gern einen Friedensnobelpreis.

Obama bleibt seinem Spitznamen „No Drama Obama“ treu: Ohne viel Getöse lud er jüngst bis auf Trump alle noch lebenden US-Präsidenten zur Eröffnung seines Präsidentenmuseums ein. Trump mag der Lauteste sein, das letzte Wort in Sachen Stil behält wohl auch mit 65 Jahren der Mann aus Hawaii.

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