„Jahrhundertsommer werden der Normalzustand“

von Redaktion

Der Deutsche Wetterdienst registriert zwischen München und dem Umland Temperaturunterschiede von bis zu zwölf Grad

Gudrun Mühlbacher vor ihrer Wetterstation. © M. Götzfried

Zwei Orte, zwei Temperaturen: Vor allem nachts ist es an Hitzetagen in Maisach deutlich kühler als in München. © DW/PMS

München – Die Temperaturunterschiede zwischen Stadt und Land sind jetzt schon extrem, in Zukunft könnten sich Metropolen noch stärker aufheizen. „Wir sind jetzt mittendrin im Klimawandel“, sagt Meteorologin Gudrun Mühlbacher, Chefin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in München. Ihre Wetterstation liegt etwa ein Kilometer südlich des Olympiastadions – mitten in der Stadt. Am Hitzesonntag Ende Juni registrierte die Anlage nachts um 3.40 Uhr eine Temperatur von 24,6 Grad. „Das, was wir bisher immer als Jahrhundertsommer bezeichnet haben, wird langsam aber sicher der Normalzustand“, sagt Mühlbacher. 30 Kilometer weiter westlich, im Landkreis Fürstenfeldbruck, liegt die Gemeinde Maisach. Im Weiler Galgen, bestehend aus vier Bauernhöfen, steht am Rande eines Ackers ebenfalls eine Wetterstation. Sie meldete um 3.40 Uhr nur 20,2 Grad – vier Grad weniger als in München (siehe Grafik).

Zwischen den beiden Messstellen liegt der neue Stadtteil München-Freiham, wo die Stadtplaner versuchen, das Mikroklima aus dem Dorf in die Großstadt zu holen. „Am Ende kann man aber begrünen, wie man will – Werte wie im Umland werden wir in einer Stadt niemals sehen“, sagt Mühlbacher. Dennoch könne moderner Städtebau die Temperaturen merklich senken. Das zentrale Problem blieben die Innenstädte. Die Meteorologin spricht von einem „Wärmeinseleffekt“. Asphalt und Beton speichern tagsüber die Wärme und geben sie nach Sonnenuntergang nur langsam ab. Mangelt es an Grünflächen, fehlt die Abkühlung durch Verdunstungskälte. „Die Abluft von Klimaanlagen, U-Bahn-Schächte, Abwärme des Verkehrs – all das heizt Städte zusätzlich auf“, sagt Mühlbacher. Es habe schon Tage gegeben, an denen ihre Station bis zu zwölf Grad höhere Temperaturen gemessen habe als Stationen im Umland.

Entscheidend ist aber auch, wie gemessen wird: Der Wetterdienst misst im Schatten, zwei Meter über dem Boden an einem gut durchlüfteten Ort. In München steht die Station auf einer Rasenfläche. Das strenge Messverfahren macht die Werte der rund 2000 Stationen in Deutschland vergleichbar.

Mit dem Alltag der Menschen in Metropolen hat das aber oft wenig zu tun: „In der Sonne vor einer dunklen Hausfassade kann die Temperatur schnell auf 40 bis 50 Grad hochgehen“, sagt Mühlbacher. Die Temperaturen auf den Wärmeinseln können damit viel höher sein als die amtliche Messung – in solchen Vierteln staut sich nachts die Hitze extrem.SEBASTIAN HÖLZLE

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