Fast Fashion verstopft Altkleidercontainer

von Redaktion

Die Hälfte der eingeworfenen Kleidung ist Müll, beklagt das Rote Kreuz – den dann zu entsorgen, kostet enorm viel Geld

Altkleidersammlung unter Druck: Fast Fashion sorgt für immer mehr Kleidermüll. © Sven Severing/Jan Hübner

München – Ausrangierte Hosen, alte Jacken und längst vergessene T-Shirts landen oft im Altkleidercontainer – in der Hoffnung, damit anderen Menschen etwas Gutes zu tun. Doch was geschieht eigentlich mit den Kleidungsstücken, nachdem sie eingeworfen wurden? Und kommen die Spenden tatsächlich bei Bedürftigen an?

Seit Jahrzehnten gehören Kleidersammlungen zu den Aufgaben des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). „Gut erhaltene Textilien werden für unsere Kleiderkammern und -läden verwendet“, erklärt BRK-Sprecher Sohrab Taheri-Sohi. Diese richten sich dabei aber nicht nur an bedürftige Menschen, sondern an alle, die nachhaltig und günstig einkaufen möchten – ganz ähnlich wie ein Secondhandladen.

Da längst nicht alle Spenden vor Ort benötigt werden, wird der größere Teil an spezialisierte Textilverwertungsunternehmen weitergegeben. Dort werden die gespendeten Kleidungsstücke nach ihrer Qualität sortiert. Noch tragbare Textilien werden als Secondhandware in verschiedene Länder exportiert – vor allem nach Afrika, West- und Osteuropa, in den Nahen Osten sowie nach Asien. Nicht mehr tragfähige Kleidung landet nicht automatisch im Müll. Sie wird weiterverarbeitet, etwa zu Putzlappen, Dämmstoffen oder Recyclingfasern.

Die Einnahmen aus dem Verkauf an die Verwertungsfirmen verwendet das BRK, um die Kosten für Sammlung, Transport und Betrieb zu decken. Verbleibende Erlöse fließen in die sozialen und humanitären Aufgaben der Kreisverbände – etwa in den Katastrophenschutz, das Jugendrotkreuz, soziale Hilfsangebote oder die Altenhilfe.

Verdient das BRK also an den Kleiderspenden? „Nein, ganz im Gegenteil“, betont Taheri-Sohi. „Der Weiterverkauf an Sortierbetriebe ist ein legitimer und notwendiger Schritt“, erklärt Maiken Winter von der Verbraucherzentrale. Die Organisationen könnten die großen Mengen an Altkleidern selbst kaum bewältigen. „Der Markt ist unter einem solch immensen wirtschaftlichen Druck, dass wir in der Altkleidersammlung derzeit draufzahlen“, betont der Sprecher des BRK. Als Gründe nennt der Verband die sinkende Qualität vieler Textilien, immer häufiger falsch befüllte Container sowie hohe Kosten und geringe Erlöse bei den Verwertungsunternehmen. „Wir bringen sogar Geld mit, damit das überhaupt aufrechterhalten werden kann.“

„Die Altkleidersammlung ist in den vergangenen Jahren gekippt“, sagt auch Viola Wohlgemuth, Senior-Expertin für Textil und Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Das Problem: Fast Fashion. Menschen schmeißen Kleidung immer schneller weg, während immer mehr produziert wird. „Wenn man Kritik üben möchte, dann an Verbrauchern, die die Sammelstellen mit Kleidung geringer Qualität immer mehr überlasten“, betont Winter. Der Trend zu billiger Bekleidung nimmt Überhand. Verbraucher könnten gegensteuern, indem sie hochwertigere Kleidung kaufen und diese länger tragen.

Bundesweit sammelt das Deutsche Rote Kreuz jedes Jahr zwischen 70.000 und 80.000 Tonnen Altkleider. Nur rund 4000 bis 5000 Tonnen Kleidung kommen direkt Bedürftigen zugute. „Zur Wahrheit gehört, dass etwa 50 Prozent der eingeworfenen Sachen Müll sind – also wirklich Müll im Sinne von Restmüll, benutzten Windeln, nassen Kleidungsstücken oder kaputten Schuhen –, den wir für viel Geld entsorgen müssen“, erklärt Taheri-Sohi.

Ein großer Teil der Spenden landet in Afrika – grundsätzlich sinnvoll, doch auch dieses System hat seine Grenzen. „Die Menschen dort brauchen diese Menge an Kleidung nicht“, sagt Wohlgemuth. Bei einer Ballenöffnung in Nigeria habe sie selbst erlebt, dass viele Kleidungsstücke weder den Bedürfnissen noch der Kultur vor Ort entsprächen. Was nicht gebraucht wird, bleibt liegen. „Und diese Länder können mit dem Textilmüll leider nicht umgehen.“ Von Recycling könne nicht die Rede sein. Die logische Konsequenz: „Keine Winterjacken nach Afrika“, sagt Wohlgemuth und lacht.ANASTASIA BONDARENKO

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