München – Es ist keine gute Entwicklung für die Ökosysteme. Forscher der Technischen Universität München (TUM) haben Satellitendaten ausgewertet. Ergebnis: Seit 2018 verlieren die Wälder in ganz Europa fortschreitend an Biomasse, also an Bäumen und Pflanzen. Damit einher geht ein hoher Verlust des im Wald gespeicherten Kohlenstoffs. Ein Kubikmeter Holz enthält rund 250 Kilogramm Kohlenstoff – was gebundenem Kohlendioxid (CO₂) von etwa einer Tonne in der Atmosphäre entspricht.
„In Deutschland, dem Land mit dem höchsten Holzvorrat der EU, verlieren gestörte Wälder jährlich im Schnitt rund 125 Tonnen Biomasse pro Hektar“, so die TUM zu der jüngst veröffentlichten Studie. Umgerechnet würden dadurch pro Hektar 230 Tonnen CO₂-Äquivalente freigesetzt. Vor 2018, so die Forscher, habe der Wert noch bei 170 Tonnen gelegen. Nutznießer der Dürreschäden ist der Borkenkäfer. Zwar entfällt laut den Forschern der deutlich größere Anteil des Verlusts an Biomasse auf die Waldbewirtschaftung. Den starken Anstieg schreiben sie aber dem Klimawandel zu. „Die Entwicklung seit 2018 ist ohne den Klimawandel schwer zu erklären“, schreibt Katja Kowalski, Erstautorin der Studie. Das müsse in der forstlichen Planung besser berücksichtigt werden.
Das Thema Wald betrifft die gesamte EU. Vor allem in Mitteleuropa hinterlässt die Dürre Spuren – und läuft dem Ziel der EU entgegen. Denn die hat sich ein Ziel gesetzt: Ab 2030 sollen in Europa jährlich 310 Megatonnen CO₂-Äquivalente insbesondere in Wäldern gebunden werden, um schwer vermeidbare Emissionen aus anderen Bereichen auszugleichen. Eine Megatonne sind eine Million Tonnen. Wälder könnten sich erholen, schreibt TUM-Professor Cornelius Senf. Damit gestörte Flächen wieder als Kohlenstoffspeicher fungieren können, müsse die Speicherfunktion der Wälder wieder erhöht und an zukünftige Bedingungen angepasst werden.WHA