Marias duftender Segen fürs ganze Jahr

von Redaktion

Hildegard Kleinhans und Christine Lang (re.) zeigen zwei der Kräuterbuschen, die sie gebunden haben. © Marcus Schlaf

Weilheim – Vier Wochen lang fuhren Christine Lang und Hildegard Kleinhans mit dem „Kräuterbuschn-Blick“ durch die Landschaft. Die Frauen vom Katholischen Deutschen Frauenbund in Weilheim haben sich früh erkundigt, wo Goldruten, Königskerzen, wilder Thymian oder Wiesenschaumkraut stehen. Denn sie brauchen jede Menge Kräuter und Wildpflanzen für die 250 Kräuterbuschn, die sie für den Feiertag Mariä Himmelfahrt binden.

Schutz vor Unheil

An dem Marien-Hochfest am 15. August, das nur im Saarland und in überwiegend katholischen Regionen Bayerns ein gesetzlicher Feiertag ist, werden in vielen Pfarrgemeinden Heil- und Würzkräuter zu traditionellen Kräuterbuschen gebunden. Bei einem Festgottesdienst werden die Sträuße geweiht, um Mensch, Tier, Haus und Hof vor Unheil, Krankheiten und Unwettern zu schützen. Der Legende nach soll wundersamer Kräuterduft das leere Grab Mariens erfüllt haben, nachdem die Gottesmutter nach Lehre der Kirche in den Himmel aufgenommen worden ist. Der Glaube an die leibliche Aufnahme Mariens ist seit dem 6. Jahrhundert bezeugt und wurde 1950 von Papst Pius XII. als Dogma verkündet.

Die Sträuße sind Ausdruck der Achtung vor der Schöpfung und Symbol für die Zuwendung Gottes zu den Menschen. Traditionell werden Getreide-, Heil- und Gewürzpflanzen eingebunden – zwischen sieben und 99 verschiedene Pflanzen können das sein. Christine Lang ist nicht dogmatisch in der Frage, welche Pflanzen in den Buschn gehören. „Wir nehmen immer das, was wir gefunden haben“, sagt sie. „Wo der Mensch wohnt, sind auch die entsprechenden Pflanzen.“ Seit Montag haben die Frauen der Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt Schafgarbe, Kamille, Minze und Liebstöckl gesucht. Das Getreide, das auch in den Strauß gehört, stammt vom Hof der Familie Kleinhans.

In der Mitte der Sträuße thront eine Königskerze. „Sie ist eine Art Zepter der Gottesmutter“, erklärt Lang. Aber sie hat sich auch bewährt gegen Reizhusten und Atemwegsbeschwerden. Ein Muss ist eine Rose als Zeichen für Maria. „Rosen sind die einzigen Blüten, die wir dazukaufen“, sagt Lang. In Gärten findet man sie derzeit kaum. „Eigentlich wäre es besser, den Feiertag auf Mitte Juli vorzuziehen“, sagt Lang mit einem Augenzwinkern. Die Kräuter und Blumen beginnen immer früher zu blühen, „und an Mariä Himmelfahrt ist fast alles verbrannt“.

Sechs bis acht Euro kosten die Sträuße, die von Gottesdienstbesuchern am Vorabend von Mariä Himmelfahrt und am Feiertag zugunsten sozialer Projekte in ihrem Umkreis vor der Kirche gekauft werden können. In den Gottesdiensten werden die Sträuße gesegnet. Hildegard Kleinhans tauscht den neuen Strauß gegen den vom vergangenen Jahr aus, der auf dem Dachboden aufgehängt wird. Der alte wird im Holzofen verbrannt. Ganz wichtig der Rat der Frauen: Den Kräuterbuschn nicht in die Vase stellen. Dann fault der Strauß. Stattdessen kopfüber aufhängen und trocknen lassen. Dann verströmt er seinen Duft und Segen bis zum nächsten Jahr.CM

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