Eine Impfung ist der beste Schutz vor FSME. © dpa
In Ziegenrohmilch kann das FSME-Virus stecken.
Vorsicht, Zecke! Wer gestochen wurde und Symptome wie Fieber, starke Kopf- und Gliederschmerzen entwickelt, könnte mit FSME infiziert sein. © smarterpix (2), Julia Lang/Bundeswehr
Vögel können den Zecken als Transportmittel dienen. So werden die Parasiten eingeschleppt. © dpa
München – Vergangenes Jahr wurden 711 gesicherte Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis-Erkrankungen (FSME) in Deutschland registriert, davon 294 in Bayern. Das ist der zweithöchste Wert seit der staatlichen Meldepflicht 2001. „Heuer sehen wir, dass gerade in den vergangenen Wochen die Fälle massiv gestiegen sind“, sagt Prof. Gerhard Dobler, der Leiter des Nationalen Konsiliarlabors für FSME am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr München. „Deshalb rechnen wir mit ähnlich hohen Fallzahlen wie 2025. Das Risiko einer FSME-Infektion ist derzeit also groß.“
■ Vögel als Taxis
Um die FSME-Ausbreitung zu untersuchen, war der Oberfeldarzt kürzlich in der Oberpfalz. „An einem Südhang konnte ich innerhalb von einer Stunde 350 Zecken sammeln, das ist für diese Jahreszeit schon sehr viel“, sagt er. Der Fund wird jetzt im Labor getestet, um möglicherweise eingeschleppte neue Zeckenarten und veränderte FSME-Virusstämme zu entdecken. „Vögel, die aus Skandinavien, dem Baltikum oder Russland kommen, bringen neue Zecken mit FSME-Virusstämmen nach Deutschland, die eigentlich in anderen Klimazonen leben.“ Früher starben die von den Vogeltaxis abgefallenen Zecken und die enthaltenen FSME-Viren in den kalten Wintermonaten ab. Durch die milderen Winter – verursacht durch den Klimawandel – überleben sie mittlerweile und siedeln sich in Deutschland an. „Deshalb müssen sie auf Krankheitserreger untersucht und überwacht werden, ob das FSME-Virus eines Tages so mutiert, dass unser Impfstoff angepasst werden muss, um weiter zu wirken.“
■ Risiko auf der Alm
Neben dem risikoreichen Vogelzug beobachten Forscher auch, dass Zecken bei Weitem nicht mehr nur in Tälern auftauchen – was gerade beim Wandern gefährlich werden kann. „Zecken sind mittlerweile auch in den Bergen auf etwa 1500 Metern aktiv“, sagt Prof. Dobler. Wald- und Rötelmäuse, die zu den Hauptwirten der Zecken gehören, bringen die Parasiten nach oben. „Werden dann auf einer Alm Ziegen von infizierten Zecken gestochen, breitet sich das FSME-Virus in deren Körper aus und gelangt in die Milch“, erklärt der Experte. „In Rohmilch und daraus hergestelltem Frischkäse bleibt das Virus aktiv und kann sich durch den Verzehr auf den Menschen übertragen. Deshalb raten wir dringend davon ab, Rohmilch an öffentlich zugänglichen Milchtankstellen zu trinken.“ Erst durch das Pasteurisieren oder Kochen der Milch stirbt das hitzeempfindliche Virus ab. Ziegenmilch sei übrigens häufiger infiziert als Kuhmilch.
■ Rückzugsort Wald
Ein neues Terrain erobern sich die Zecken auch in den Wäldern. „Durch die Hitzeperioden wandern die Zecken vom klassischen Wiesengebiet und den Waldrändern immer häufiger in den Wald hinein. Weil es zum einen die Mäuse ins schattige Unterholz zieht – zu Brombeersträuchern und Waldbeeren –, kommen hier auch die Zecken vermehrt vor“, so der Oberfeldarzt. „Zum anderen benötigt der Gemeine Holzbock, unsere häufigste Zeckenart, eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit von 85 Prozent, um nicht auszutrocknen. Dörrt in der Hitze der Boden am Waldrand aus, wandern die Zecken dorthin, wo es noch feucht ist.“
■ Express-Impfung
Prof. Doblers Appell: „Da durch all diese Faktoren feststeht, dass Zecken nicht mehr nur in Risikogebieten auftreten, sollte jeder dringend auf seinen Schutz achten.“ Das beginne mit festen Schuhen, Strümpfen sowie langen Hosen bei Spaziergängen und Wanderungen. Wer Anti-Zeckensprays nutzt, sollte diese häufiger wieder neu aufsprühen.
„Den besten Schutz vor FSME bietet nach wie vor die Impfung, für die es auch jetzt noch nicht zu spät ist“, sagt der Mediziner. Die klassische FSME-Impfung umfasst drei Spritzen für die Grundimmunisierung. Nach sechs Wochen besteht ein weitgehender Schutz, nach einem halben Jahr ist man komplett geschützt.
„Wenn aber möglichst rasch ein Schutz aufgebaut werden soll, kann der Arzt auf das Schnell-Impfschema zurückgreifen“, sagt Prof. Dobler. „Hier bekommt man die zweite Spritze nach sieben, die dritte nach 21 Tagen und hat danach einen 70- bis 90-prozentigen Schutz.“ Dieser muss nach zwölf bis 18 Monaten erneuert werden, bei der klassischen Impfung hält er dagegen drei Jahre lang. In der Regel wird die Express-Impfung ebenfalls von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Und für Prof. Dobler steht fest: „Jedes Schnell-Impfschema ist um ein Vielfaches besser, als ohne Schutz in die Natur zu gehen.“