Wer wirklich von der abschlagsfreien Frührente profitiert

von Redaktion

München – Als Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) im Juni versprachen, die Vorschläge der Rentenkommission 1:1 umzusetzen, ahnten sie vermutlich bereits, um welchen Punkt die heftigste Debatte entbrennen würde: die Abschaffung der „Rente mit 63“. Und so kam es auch: Zunächst stellten sich die drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze, Michael Kretschmer und Mario Voigt gegen den Vorschlag. Mittlerweile lehnen sieben der 16 Bundesländer die Abschaffung ab. Auch die Spitzen der Gewerkschaften laufen dagegen Sturm. Laut „Trendbarometer“ halten rund 74 Prozent der Bevölkerung den Vorstoß für falsch.

Doch was genau ist eigentlich die „Rente mit 63“? Zwar wird sie umgangssprachlich so genannt, offiziell heißt die Leistung jedoch „Altersrente für besonders langjährig Versicherte“. Anspruch darauf haben Menschen, die mindestens 45 Versicherungsjahre vorweisen können. Ursprünglich konnten sie damit bereits mit 63 Jahren abschlagsfrei in den Ruhestand gehen – daher der Name. Doch wie die reguläre Altersgrenze wurde auch diese Altersgrenze schrittweise angehoben. Für den Geburtsjahrgang 1961 liegt sie bei 64 Jahren und sechs Monaten. Ab dem Jahrgang 1964 gibt es die abschlagsfreie Frührente erst mit 65 Jahren.

„Ein großes Paket!“ So nannte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) die „Rente mit 63“ bei ihrer Einführung – das ist inzwischen zwölf Jahre her. Ihre Botschaft damals: Wer jahrzehntelang gearbeitet und Beiträge gezahlt hatte, sollte dafür belohnt werden. „Abschlagsfrei – für Menschen, die jahrzehntelang malocht haben“, sagte Nahles.

Die politische Logik dahinter war einleuchtend: Wer 45 Jahre lang gearbeitet hatte, sollte gegenüber Menschen, die deutlich kürzer im Erwerbsleben standen, einen Vorteil haben. Besonders Menschen in körperlich belastenden Berufen sollten profitieren. Doch die Daten zeichnen ein anderes Bild. Mehrere Untersuchungen, unter anderem vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), zeigen: Die „Rente mit 63“ wird keineswegs überwiegend von Menschen genutzt, die ihr Berufsleben mit körperlich anspruchsvoller Arbeit verbracht haben. Überdurchschnittlich häufig sind es Menschen mit guter Ausbildung und Berufen, die körperlich weniger belastend sind.

Fast jeder Dritte (28,7 Prozent) erfüllte 2025 die Voraussetzungen für die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren – und verabschiedete sich damit vor Erreichen der regulären Altersgrenze aus dem Berufsleben.

Ob das weiterhin möglich bleibt, dürfte sich noch in diesem Jahr entscheiden. Die Bundesregierung will die Rentenreform bis 2027 umsetzen. Doch der Widerstand gegen die Abschaffung der „Rente mit 63“ wächst. Mehrere Ministerpräsidenten fordern, das Reformpaket noch einmal aufzuschnüren und den umstrittenen Punkt zu überarbeiten. Nach Ende der Sommerpause starten die parlamentarischen Beratungen dazu im Bundestag.SBE

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