Niemand will ihm Druck machen

von Redaktion

Schockmoment in Heidenheim: Beim Testspiel am Dienstagabend sackte Jamal Musiala in der 67. Minute plötzlich zusammen. Begleitet von Mannschaftsarzt Prof. Dr. Peter Ueblacker konnte er wenig später aufrecht den Platz verlassen. © IMAGO/MIS

„Ich habe insgesamt ein sehr gutes Gefühl“, schrieb Musiala auf Instagram. Dazu postete er dieses Foto – wohl als Dank an die vielen Fans, die sich Sorgen um ihn machen. © Instagram

München – In der Voith-Arena von Heidenheim herrschte eine bedrückende Stimmung. Es lief die 67. Minute beim Testspiel am Dienstagabend, Jamal Musiala war gerade zusammengesackt, und wie schon drei Tage zuvor wusste niemand im Stadion, wie man nun eigentlich reagieren sollte. Betretene Stille? Aufmunterung? Die Fanlager beider Vereine versuchten es mit einer Mischung, warteten erst ab und stimmten dann Musiala-Gesänge an, bis dieser den Platz eigenständig verlassen konnte.

Nur beim FC Bayern wussten die Verantwortlichen und die Mannschaft bereits seit Monaten, was sich hier zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit abspielte. Nicht umsonst formierten die Spieler zusammen mit den Heidenheimern schnell einen Kreis als Sichtschutz, und passend dazu verkündete Max Eberl anschließend: „Jamal wird sich in absehbarer Zeit melden. Wir wussten und wissen Bescheid.“

Das tat der 23-Jährige dann auch und teilte kurz nach Abpfiff in den sozialen Medien ein Statement, das er kaum in der Umkleide zusammengetippt haben dürfte. Die Aussagen, die seine Fans beruhigen sollten und in denen er erklärt, dass er an einer neurologischen Dysfunktion leide, die zu Absencen (deutsch: Abwesenheiten) wie jene gegen Leipzig oder Heidenheim führe, waren vorbereitet.

Denn Musiala leidet schon länger an diesen Symptomen, die ihn zweimal in Folge haben zusammensacken lassen. Demnach soll er sie bereits während der Weltmeisterschaft im Sommer seinen Teamkollegen in der Nationalelf persönlich mitgeteilt haben.

Denn selbst über ein Jahr nach seinem Wadenbeinbruch betonte man öffentlich stets, dass man ihm Zeit zur Genesung einräume – wohl wissend, dass dabei mehr als nur sein Fuß gemeint war. Diese Rückendeckung kommuniziert der Verein auch aktuell und gab bereits am Mittwoch bekannt, nicht mit einer dauerhaften Einschränkung zu rechnen, die das Fußballspielen auf diesem Niveau verhindere oder gar ein Karriereende bedeute.

„Jetzt mit diesen zwei Vorfällen am Samstag und gestern ist es natürlich schon ein Problem, in erster Linie natürlich für den Menschen Jamal. Wirklich, ich gehe mit dem Gedanken ins Bett und wache mit dem Gedanken an ihn auf“, sagte Uli Hoeneß. Es gebe eine „bedingungslose Unterstützung für Jamal in jeder Hinsicht“, betonte der 74-Jährige. Es sei mittelfristig aber auch für den Verein ein Problem. „Weil wir im Moment ehrlich gesagt ziemlich sprachlos sind. Wir haben uns darauf nicht vorbereiten können und wir müssen erst lernen, mit dieser Situation umzugehen.“ Der Verein habe von den Problemen gewusst, so Hoeneß. „Wir haben mit allem gerechnet, nur nicht mit dieser Häufung.“

Aus allen Aussagen klingt heraus: Niemand will ihm Druck machen – und sich zu „Jetzt-muss-er-liefern“-Statements verleiten lassen, wie sie ansonsten so schnell im Profifußball getätigt werden. Denn Druck könnte in der Frage, wie Musialas Karriere weiter verläuft, eine entscheidende Rolle spielen. Der 23-Jährige gab in seinem Statement an, dass die Abwesenheiten, die von außen „scary“ (gruselig) aussehen können, aktuell Teil seines Alltags seien. Er befinde sich in bestmöglicher medizinischer Behandlung und sei sehr optimistisch. Darüber hinaus bestehe kein gesundheitliches Risiko. Deshalb entschied er sich dazu, am Dienstag zu spielen.

Am Mittwoch meldete sich auch Vorstandschef Jan-Christian Dreesen zu Wort und blickte – wie Musiala – nach vorne. „Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich den Spieler Jamal Musiala – und da hat er mich auch überrascht – nicht am Boden zerstört wahrnehme“, sagte Dreesen: „Er geht ganz klar mit seiner Situation um.“ Der Fußballer sehe die Perspektive, dass die Krankheit behandelbar ist. Bayern hoffe, dass bei Musiala „die Stabilität wieder zurückkehrt und er wieder an das Spiel zurückfindet“. Teamkollege Harry Kane ergänzte: „Wenn man die Szenen von gestern und von Samstag sieht, ist das nicht schön, denn er ist unser Teamkollege und Freund.“ Die Situation sei frustrierend. „Er will einfach so schnell wie möglich wieder normal auf den Platz zurückkehren.“

Lange schien das Musiala, der schon als Teenager ohne erkennbaren Druck durch die gegnerischen Abwehrreihen spazierte, nichts auszumachen. Ob sich daran nun etwas anhand der Ereignisse der vergangenen Monate – schwere Verletzung, Rückschläge, ein Autounfall – geändert hat, lässt sich von außen nicht beurteilen. Fest steht nur, dass er Zeit zur Gesundung braucht.

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