Der Odeonsplatz © imago
München – Mathias Pfeil ist seit 2014 Bayerns oberster Denkmalschützer. Der Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, so die offizielle Amtsbezeichnung, hält wenig von den ambitionierten Umbauplänen.
Gefällt Ihnen der Pariser Entwurf?
Wenn er woanders wäre, dann schon.
Warum ist er nicht für München geeignet?
Die Ludwigstraße ist das städtebaulich-architektonische Rückgrat der Stadt. Es gibt nicht viele prominente Architekturen: die Brienner Straße, die Maximilianstraße, auf jeden Fall aber die Ludwigstraße. Sie ist eine Aussage, sie ist die Repräsentationsstraße von König Ludwig I., und er hat damit München maßgeblich geprägt.
Ludwig I. hätte aber sicher nicht gewollt, dass die Ludwigstraße zu einer teils sechsspurigen Stadtautobahn degeneriert.
Das ist eine andere Fragestellung. Ich bin schon bei Ihnen: Die Ludwigstraße heute ist ein Relikt aus der autogerechten Stadt der 1960er-Jahre. Da kann man auf jeden Fall eine Qualitätsverbesserung erzielen.
Aber nicht so, wie es das Pariser Büro vorschlägt?
Das Pariser Büro will bewusst „Landschaft schaffen“. Aber die Ludwigstraße ist keine Landschaft. Die haben Sie im Hofgarten, Englischen Garten, ja sogar in der Ludwigstraße gibt es Grünzonen wie am Professor-Huber-Platz vor der Uni. Aber in der Ludwigstraße, in der Sichtachse zwischen Feldherrnhalle und Siegestor, stelle ich mir keine hochgewachsenen Bäume vor, die die Sichtachse verändern, ja versperren.
Der Stadtrat wird entscheiden müssen, wie er mit dem Preisträger umgeht. Ihre Empfehlung?
Es gibt noch einen 2. und 3. Preis, die für andere Entwürfe vergeben wurden. Damit hat man einen Werkzeugkasten, aus dem man sich bedienen könnte. Zum Beispiel hat das Pariser Büro für den Odeonsplatz eine Natursteingestaltung vorgeschlagen – ohne Autospuren oder Fußgängerspuren. Das finde ich gelungen, es passt zur Tradition dieses Ortes. Der Odeonsplatz war immer eine Fläche von Gebäude zu Gebäude, das ist schon ein Ansatz, mit dem man arbeiten kann.
Und für die Ludwigstraße?
Die Umgestaltung ist für 2032 angedacht. Bis dahin wird man zu diskutieren haben. Diese Räume sind zu wichtig, als dass man mit ultimativen Positionsbestimmungen und Beschlüssen jede Diskussion abwürgt.