Christine Singer fordert mehr Frauen in landwirtschaftlichen Führungspositionen. Mit ihrer Tochter Theresa hat sie das auf dem eigenen Hof umgesetzt. © P. Alliance
München – Sie melken Kühe, bewirtschaften Felder, organisieren Betriebe – und bleiben doch oft unsichtbar. Obwohl Frauen laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) rund 39 Prozent der weltweiten landwirtschaftlichen Arbeit leisten, erfahren sie bis heute strukturelle Benachteiligung. Das Jahr 2026 wurde von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft (International Year of the Woman Farmer, kurz IYWF) erklärt.
Frauen spielen eine zentrale Rolle in der globalen Landwirtschaft und Ernährungssicherung. Gleichzeitig haben sie weltweit deutlich schlechtere Zugänge zu Land, Finanzierung, Technologie und politischen Entscheidungsprozessen. Das Internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft soll Gelegenheit geben, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen und den globalen Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit in Agrar- und Ernährungssystemen zu stärken.
Kreisbäuerin fordert mehr Unterstützung
Auch in Bayern arbeiten die Bäuerinnen daran, die Lage der Frauen auf den Höfen weiter zu verbessern. „Frauen sichern regionale Wertschöpfungsketten, erhalten Kulturlandschaften und treiben nachhaltige Entwicklungen voran“, hat Bayerns Landesbäuerin Christine Singer bei einer Arbeitstagung der Kreisbäuerinnen betont. Auch in Bayern brauche es eine gezielte Unterstützung, damit künftig noch mehr Frauen bereit seien, Verantwortung in landwirtschaftlichen Betrieben zu übernehmen.
Laut der vom Bundesagrarministerium 2023 in Auftrag gegebenen „Landfrauenstudie“ gaben 72 Prozent der befragten Frauen an, an wichtigen strategischen und unternehmerischen Entscheidungen beteiligt zu sein. Viele sehen sich als (Mit-)Unternehmerinnen, ohne jedoch rechtlich am Betrieb beteiligt zu sein. Ihre Leistungen würden häufig zu wenig wahrgenommen. In Deutschland werden rund 90 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe von Männern geleitet – damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich auf einem der letzten Plätze bei weiblichen Betriebsleitungen. Am 29. Oktober findet in Beilngries der 2. Tag der landwirtschaftlichen Unternehmerin statt. Im Mittelpunkt steht dabei, sich zu vernetzen, weiterzubilden und Impulse für die eigene unternehmerische Zukunft mitzunehmen.CM