Dammbruch: Nepal warnt vor neuer Sturzflut

von Redaktion

Kathmandu – Die Katastrophenmeldungen reißen nicht ab: Im Flutgebiet zwischen Nepal und China sorgt eine Warnung vor einer neuen Flut für Unruhe. „Wir haben Informationen erhalten, dass auf der tibetischen Seite ein Damm gebrochen ist“, erklärte die nepalesische Polizei am Freitag.

Das Sicherheitspersonal, Rettungskräfte und die Bevölkerung in der betroffenen Gegend seien gebeten worden, wachsam zu bleiben und sich unverzüglich an einen sicheren Ort zu begeben, hieß es. Laut Berichten unter Berufung auf die Armee stellten die nepalesischen Rettungskräfte vorübergehend die Arbeit ein.

Gleichzeitig stieg die Zahl der Toten in Nepal am Freitag auf mehr als 500 Menschen. Vermisst wurden in der Gebirgsregion zwischen China und Nepal weiterhin mehr als 1400 Personen, darunter auch hunderte ausländische Touristen. Nach der Sturzflut am Mittwoch war nach mehreren Deutschen in Nepal gesucht worden. In Berlin erklärte das Auswärtige Amt am Freitag, dass nach Erkenntnissen der Bundesregierung eine niedrige zweistellige Zahl deutscher Staatsangehöriger vermisst werde. Das Ministerium bemühe sich unter Hochdruck um Aufklärung, sagte ein Sprecher.

Die Gefahr für Menschen und Rettungskräfte bleibt extrem hoch. Auf chinesischer Seite in Tibet wurden zuletzt fünf Tote gemeldet. Chinas Ministerpräsident Li Qiang, den Staatschef Xi Jinping ins Krisengebiet geschickt hatte, sprach von „vielen Todesopfern“, wie die Staatsnachrichtenagentur Xinhua mitteilte.

Chinas Rettungskräfte, die sich durch Geröll und unwegsames Gelände zu dem schwer verwüsteten Grenzposten vorkämpften, stellten ihre Arbeiten aus Sicherheitsgründen ebenfalls ein. Wasser floss laut chinesischen Angaben wie befürchtet aus dem See ab.

„In der Stadt Bidur wurde um die Mittagszeit eine Sturzflutwarnung ausgegeben“, berichtete ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur (dpa), der sich vor Ort befindet. Bidur liegt in Nepal am Oberlauf des Flusses Trishuli. „Zahlreiche Bewohner verließen ihre Häuser, um höhere Lagen zu erreichen – zu Fuß, mit dem Auto oder Motorrad. Entgegenkommenden Fahrzeugen riefen sie zu, nicht weiterzufahren, es sei zu gefährlich“, berichtete der Reporter.

Anwohner, die direkt am Ufer des Trishuli wohnten, seien aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen. „Das ist eine Paniksituation“, sagte Luv Neupane, Mitarbeiter einer Apotheke. Die Klinik über der Apotheke sei evakuiert worden. Viele Anwohner beobachteten mit Sorge den Fluss, aus Angst vor einer Flutwelle.

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