Obing stoppt Fernwärmeprojekt

von Redaktion

Einstimmiger Beschluss im Gemeinderat nach Machbarkeitsstudie –Konkurrenzfähige Versorgung nicht möglich

Obing – Der Gemeinderat befasste sich wiederholt mit dem Thema „Fernwärmenetz in Obing“. Die Gemeinde Obing hegte den Wunsch, eine mögliche zentrale Wärmeversorgung im Gemeindegebiet zu prüfen. Damit ist die Kommune an das Regionalwerk Chiemgau-Rupertiwinkel, ein gemeinsames Kommunalunternehmen (RCR), herangetreten.

Infolgedessen wurden die Grundlagenermittlung sowie der Förderantrag für die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) Modul II und eine Machbarkeitsstudie durchgeführt. Nun liegen alle wichtigen Informationen vor. Und der Gemeinderat hat eine klare Entscheidung getroffen.

Einstimmige
Ablehnung

Das Gremium hat einstimmig beschlossen, nach der Präsentation der Machbarkeitsstudie die Exit-Option zu wählen und das Projekt zu beenden. Die Lokalpolitiker kamen zu der Erkenntnis: Die konkurrenzfähige und wirtschaftliche Versorgung des gesamten Ortsgebiets inklusive Pfaffing sei derzeit kaum möglich. Eine Versorgung von Teilbereichen sei ebenso schwierig, wie anhand des aussichtsreichsten Bereichs Schule/ Turnhalle bis Rathaus aufgezeigt wurde. Weitere Bereiche wurden nicht betrachtet, da diese weniger Potenzial bieten würden.

In der Machbarkeitsstudie wurden neben verschiedenen Wärmequellen und Standorten auch die Aufteilung in unterschiedliche Versorgungsgebiete sowie die mögliche Trassenführung und deren Längen vorgestellt. Die geschätzten Kosten für den Vollausbau des Ortsgebietes Obing und des Ortsteils Pfaffing belaufen sich auf circa 40 bis 45 Millionen Euro abzüglich der Förderung von maximal 40 Prozent.

Kosten amortisieren sich
nach 20 Jahren

Die Zusage für diese Förderung hatte die Kommune bereits erhalten. Eine Amortisierung der restlichen Summe wäre bei konkurrenzfähiger Preisgestaltung nach circa 20 Jahren erfolgt, jedoch nur unter der Bedingung, dass nach zehn Jahren die Anschlussquote bei mindestens 70 Prozent der Gebäude liegt.

Heizhaus-Neubau sprengt
wirtschaftlichen Rahmen

Als möglicher Standort für die Heizzentrale wäre nur der Heizraum der Schule in Betracht gekommen. Hier wäre voraussichtlich eine Hackschnitzelheizung mit circa 500 Kilowatt unterzubringen. Jedoch hätten weitere Komponenten wie Pufferspeicher, Spitzenlastkessel, Netzpumpen sowie weitere Anlagentechnik in einer Außenaufstellung oder in einem neu zu errichtenden Anbau über der bestehenden Heizzentrale untergebracht werden müssen. Die Nutzung der vorhandenen Strukturen und dieser Synergien hätte die Umsetzbarkeit wesentlich unterstützt. Beispielsweise hätte ein Neubau eines Heizhauses schon den finanziellen Rahmen für einen wirtschaftlichen Betrieb gesprengt.

Schlechte
Voraussetzungen

Des Weiteren war zu beachten, dass der notwendige Anbau beziehungsweise die Außenaufstellung in diesem Bereich aufgrund der Lage nicht ohne Weiteres möglich sei, hieß es im Gemeinderat. Der Brunnerweg im Bereich zwischen der Grund- und Mittelschule wurde erst vor Kurzem neu asphaltiert. Ebenso mussten die Lokalpolitiker beachten, dass die örtlichen Gegebenheiten wie schmale Zufahrtsstraßen, ein verkehrsberuhigter Bereich, Schulwege und ein angrenzendes Wohngebiet keine idealen Voraussetzungen für die Anlieferungen darstellen. Diese wären zudem aufgrund der bedingt vorhandenen Lagermöglichkeiten wahrscheinlich mindestens einmal wöchentlich notwendig gewesen.

Anhand dieser wichtigen Informationen hat der Gemeinderat beim Thema Fernwärme also die Reißleine gezogen. Wichtig war dem Gremium im Entscheidungsprozess, Planungssicherheit für die Neugestaltung der Ortsdurchfahrt sowie der allgemeinen Finanzen zu bekommen.

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