Kleinod aus dem 19. Jahrhundert

Reichenbachpumpe für Salinenpark

von Redaktion

InfraServ Gendorf schenkt Stadt alte Maschine

Traunstein – Fast 60 Jahre war sie im Chemiepark Gendorf aufgebaut, jetzt wechselt die „Reichenbachpumpe“ Standort und Eigentümer: Traunsteins Oberbürgermeister Christian Kegel und der Geschäftsleiter der InfraServ Gendorf Dr. Bernhard Langhammer haben den Schenkungsvertrag für die komplett erhaltene und funktionstüchtige „Reichenbachpumpe“ unterzeichnet. Die Maschine geht in das Eigentum der Stadt Traunstein über und wird rechtzeitig zum 400-jährigen Jubiläum der Soleleitung Reichenhall-Traunstein im neuen Salinenpark aufgestellt. Stadt und Landkreis Traunstein werden dieses Jubiläum mit einer Festwoche im August 2019 begehen.

Sie gilt als geniale Konstruktion ihrer Zeit: Die „Reichenbachpumpe“ oder auch Wassersäulenmaschine, benannt nach dem bayerischen Erfinder und Ingenieur Georg Friedrich von Reichenbach. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte Reichenbach in Diensten des bayerischen Staates die Soleleitungen erneuern und verlängert. Insbesondere verlegte er eine Leitung auch nach Rosenheim, die dann die neue dortige Saline mit Salzwasser aus Berchtesgaden und Reichenhall versorgte. Dabei setzte Reichenbach auf die eigens von ihm entwickelten Solehebemaschinen. Mit ihr gelang es, Höhenunterschiede gut zu überwinden.

Heute sind nur noch wenige der mehrere Tonnen schweren Pumpen zu bestaunen, die bis Mitte des 20. Jahrhunderts im Einsatz waren. Darüber, was 1959 den damaligen Werkleiter Dr. Karl Huttner bewogen haben mag, eine der außer Dienst gestellten „Reichenbachpumpen“ zu erwerben und im damaligen Werk Gendorf zu installieren, gibt es keine Aufzeichnungen. Huttner hat sich auf jeden Fall sehr für die oberbayerische Geschichte, Kultur und wirtschaftliche Entwicklung interessiert – so auch für das Salzwesen. Tatsache ist allerdings auch, dass Salz wichtiger Rohstoff für die PVC-Produktion ist, die zu Huttners Zeiten in Gendorf systematisch ausgebaut wurde. Im Gespräch war damals scheinbar auch eine Soleleitung von Reichenhall nach Gendorf für den Salzbedarf im Werk Gendorf.

Pumpe

stammt aus Bergham

Aufgebaut wurde die „Reichenbachpumpe“ im Werk 1959 in einem eigens dafür angelegten, in Größe und Aussehen den ehemaligen Brunnhäusern gleichenden Gebäude. Die Pumpe selbst stammt von Bergham, einer Pumpstation südlich des Chiemsees an der Leitung zwischen Traunstein und Rosenheim. Eine Renovierung des Pumpengebäudes und der Pumpe selbst fand 1979/1980 unter Verantwortung des damaligen Chefingenieurs und Direktors der Technischen Abteilung, Dr. Johannes Schurig, statt. Die Pumpe selbst war funktionstüchtig und konnte einen Springbrunnen in einem nahegelegenen Feuerlöschteich betreiben. 2007 wurde der Betrieb eingestellt, weil der Löschteich einem Gebäude weichen musste.

Nun wird die „Reichenbachpumpe“ in Traunstein zu neuen Ehren kommen: Denn der Sommer 2019 wird in Traunstein ganz im Zeichen des Gedenkens an die Traunsteiner Saline und den Bau der Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein und deren Inbetriebnahme 1619 stehen. Hierzu plant der Landkreis Traunstein die „Chiemgauer Kulturtage 2019“ auf dem Gelände des Salinenparks zu eröffnen. Schwerpunkt der Kulturtage werden das Thema Salz und seine Bedeutung für die Region sein. Dabei sollen auch historische Solepumpen in Betrieb genommen und vorgeführt werden.

Über die Schenkung der „Reichenbachpumpe“ freute sich Traunsteins Oberbürgermeister Christian Kegel daher besonders: „Wir sind wirklich unglaublich dankbar für dieses industrielle Kleinod. Schon jetzt kann ich zusichern, dass die ‚Reichenbachpumpe‘ in Traunstein einen würdigen und repräsentativen Platz erhält.“ Unterstützt wird er dabei vom Förderverein Alt-Traunstein, dessen Mitglieder sich für die Schenkung in besonderem Maße eingesetzt hatten. Noch in diesem Jahr wird die „Reichenbachpumpe“ nach Traunstein gebracht. re

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