Prien – Die Kardiologie der Irmingardklinik genießt vor allem der Arbeit Hildebrandts bayernweit und darüber hinaus in Fachkreisen und bei Patienten einen sehr guten Ruf. Der ereilte Menzl Ende letzten Jahres in Form einer Stellenanzeige. Und im Auswahlverfahren überzeugte sie schließlich die Verantwortlichen und bekam die Stelle.
Menzls Wurzeln liegen im Süden Ungarns. Sie entstammt einer Ärztefamilie aus Szeged. Geprägt von der Jugendzeit in der Hauptstadt Budapest zog die Familie nach München um, als Andrea Menzl 16 Jahre alt war, erzählte sie im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Ihr Vater wurde leitender Oberarzt am Deutschen Herzzentrum in der Landeshauptstadt, die Mutter leitete die Virologie an einem wissenschaftlichen Institut.
Das Mediziner-Gen ist noch tiefer verwurzelt, auch in Generationen davor gab es Ärzte. Der Weg war vorgezeichnet. Und für Andrea Menzl selbst stand fest, dass sie Ärztin werden will, seit sie sechs Jahre alt war. „Beim Kastaniensammeln im Schulhof kam plötzlich der Moment, da wurde mir das klar“, erinnert sie sich. Nach dem Abitur als Jahrgangsbeste mit 1,3 begann sie ihr Studium in Regensburg und setzte es an der Technischen Universität in ihrer Heimatstadt fort.
Als angehende Ärztin in einer radiologischen Praxis in München zeichnete sich bei ersten Herzuntersuchungen die Fachrichtung ab. Zwei Jahre sammelte Menzl erste Erfahrungen am Deutschen Herzzentrum, später in einer kardiologischen Praxis mit Herzkatheterlabor und im Krankenhaus in Deggendorf.
Den Reha (-bilitations) -Bereich lernte sie mehrere Jahre lang in Höhenried am Starnberger See von Grund auf kennen. 2005 trat Menzl eine Stelle als leitende Oberärztin in Fürstenfeldbruck an. Von dort kam sie jetzt nach Prien. Die Gegend kannte sie von Ausflügen, der Ruf der Klinik war ihr natürlich bekannt. Als die Stelle ausgeschrieben wurde, wusste sie um die „einmalige Chance“.
Besonders herausfordernd und reizvoll empfindet die neue Chefärztin die interdisziplinäre, ganzheitliche Betreuung der Patienten. Die Klinik hat auch onkologische und psychosomatische Fachabteilungen. „Es gibt viele Vernetzungspunkte“, so Menzl, gerade mit dem psychosomatischen Bereich, wenn Herzpatienten ihre Erkrankung nicht nur körperlich, sondern auch seelisch verarbeiten müssen. Eine „ganzheitliche Betreuung ist der Medizinerin wichtig, denn „der Patient besteht ja nicht nur aus dem Herzen“. An der Irmingardklinik wird die interdisziplinäre Zusammenarbeit vor allem durch große, wöchentliche Teamsitzungen gepflegt, in denen die Behandlung der einzelnen Patienten aufeinander abgestimmt wird.
Am Rehabereich schätzt Menzl im Vergleich zum Akutbereich, einen Patienten über einen längeren Zeitraum (ein Aufenthalt dauert in der Regel drei, manchmal vier Wochen) an verschiedene Formen von Bewegung heranzuführen, mit ihm die optimale Medikamentierung zu entwickeln. Ausbauen möchte die Chefärztin nach eigenen Worten die „Gender-Medizin“, weil sie findet, dass die spezifischen Probleme von Frauen mit Herzerkrankungen noch etwas zu kurz kommen.
Auch die „junge Kardiologie“ möchte Menzl mittelfristig ausbauen, wobei jung die Altersgruppe der über 40- und über 50-Jährigen meint, die mit steigender Tendenz von Infarkten betroffen seien. Und schließlich schwebt der neuen Chefärztin vor, Primärprävention zu betreiben, also in Schulen zu gehen, um dort beispielsweise über gesunde Ernährung aufzuklären.
Wichtig ist der Mutter einer erwachsenen Tochter, trotz ihrer leitenden Funktion möglichst nah an den Patienten zu sein.
Sie kann an der neuen Wirkungsstätte auf ein breites und anerkanntes Angebot aufbauen, das ihr Vorgänger Dr. Ulrich Hildebrandt über Jahrzehnte entwickelt hat. Manche Angebote führt er aus dem Unruhestand vorerst noch selbst weiter, zum Beispiel betreut er wöchentliche Herzsportgruppen, organisiert Kardio-Trekking-Touren, Probiertage mit modernen, gesunden Sportarten, wie kürzlich bei der „Chiemsee-Jugend-Olympiade“ sowie Arzt-Patienten-Foren mit informativen Vorträgen.
Menzl will sich auch dort im Laufe der Zeit vermehrt einbringen, auf Hildebrandts „Fünf-Säulen-Prinzip“ für ein gesundes Herz aufbauen, das dieser auch in einem Buch veröffentlicht hat.