Staudach-Egerndach – Vorsitzender Anton Weiß hatte es nicht leicht, die Versammlung zu leiten. Wie ein Damoklesschwert schwebte die drohende Auflösung über der Vorstandschaft. Seit Monaten hatte Weiß einen Nachfolger gesucht – vergeblich.
Nochmals erklärte er in der Versammlung den Vereinszweck, nämlich die Feuerwehr in der Öffentlichkeit positiv darzustellen und Aktive zu werben – zum Beispiel durch Feste und Veranstaltungen. Aus seinen achteinhalb Jahren als Vorsitzender berichtete er vom Waldfest, Weinfest, der „Flash-Over“-Party und dem Stand beim Weihnachtsmarkt. Auch beim Bau des Vereinsstadels sei der Verein maßgeblich beteiligt gewesen.
Das Schöne sei, der Vorsitzende könne gestalterisch wirken und die Entscheidungen seien schnell spürbar. Finde sich kein Nachfolger, dann würde ein wichtiger Verein verschwinden, appellierte er. Feste der Feuerwehr müssten entweder über Privatpersonen oder über die Gemeinde abgewickelt werden. Er sichere jedem, der sein Nachfolger werde, die Zusammenarbeit zu, und die finanzielle Seite des Vereins sei solide. Von Vorteil wäre eine Satzung, die der Gemeinde ermöglicht, Einsätze der Feuerwehr abzurechnen. Das Geld daraus könnte dem Verein zur Verfügung gestellt werden, um die Aktiven zu unterstützen.
Fast schon flehend klang die Rede von Martina Gaukler, die die Wahlleitung übernommen hatte. „Ich würde es schade finden und wäre enttäuscht von der Dorfgemeinschaft, wenn sich niemand findet“, sagte sie. Bürgermeister Hans Pertl erklärte, dass es kein Problem sei, eine Satzung zur Abrechnung der Einsätze zu erlassen. Er informierte zudem, dass die Gemeinde den Arbeitsausfall der Aktiven bei einem Einsatz ohnehin übernehme.
Hermann Neumaier betonte, dass es hier um die Gemeinschaft gehe und es bedauerlich wäre, wenn der Feuerwehrverein stirbt. Schließlich müsse der Vorsitzende nicht alle Aufgaben übernehmen, sondern könne delegieren.
Am Ende meldete sich Andreas Höger mit den Worten: „Ich bin zwar erst 19 Jahre, aber bevor der Verein stirbt, melde ich mich.“ Die Erleichterung im Saal wurde durch lauten Beifall deutlich. Auch für den Stellvertreter – Thomas Just kandidierte nicht mehr – fand sich mit Albert Hogger ein Kandidat, der ebenso wie Höger einstimmig gewählt wurde. „Mir fällt ein Stein vom Herzen“, kommentierte Anton Weiß den Generationswechsel an der Spitze des Vereins.