Valdagno/Prien – Vor einem haben Jahr wurde in Prien gefeiert, nun jenseits der Alpen (wir berichteten bereits kurz). Die stärkste Symbolkraft der Zusammengehörigkeit geht wohl von den zwei steinernen Löwen aus, die nun in den beiden Partnerstädten stehen. Ende April war dank der finanziellen Unterstützung der Lions-Clubs aus beiden Orten und der Priener Rotarier im Pausenhof der Priener Realschulen ein venezianischer Markus-Löwe aufgestellt worden. Sechs Monate später enthüllten die beiden Bürgermeister Giancarlo Acerbi und Jürgen Seifert mit den beiden Lions-Präsidenten auf der Piazzetta Prien vor der Sporthalle der Stadt Valdagno den „Zwilling“. Der Bayerische Löwe wurde ebenfalls vom Steinmetz Renato Celsan aus Vicentiner Stein erschaffen.
Im Festakt in der gut gefüllten Halle versicherten sich die beiden Gemeindeoberhäupter ihrer Freundschaft und der vielfältigen Verbundenheit ihrer Gemeinden. Acerbi nannte das „magische“ Wort „gemeinsam“ als „Fundament unseres Zusammenlebens“. Die Freundschaft habe immer auf einem „Klima der Freude und Heiterkeit basiert“. Die Menschen aus beiden Orten nannte Acerbi sogar „Brüder und Schwestern“. Beispielhaft nannte er die Priener Kolpingsfamilie, die seit vielen Jahren mit ihrem Stand auf dem Herbstfest in Valdagno, das am Jubiläumswochenende stattfand, als „Seele unseres Herbstfestes“ vertreten ist.
Acerbi rief dazu auf, Traditionen immer wieder zu erneuern und neue Partnerschaften zu knüpfen. Sein Appell richtete sich insbesondere an die junge Generation. Das Orchester Tutto d´un fiato di Progetto musica“ aus etwa 50 jungen Leuten schuf mit Stücken aus Carmen, der West Side Story, und mit weiteren bekannten Melodien den sehr gelungenen musikalischen Rahmen des Festaktes.
„Wir werden uns gemeinsam anstrengen für eine bessere Welt.“
Giancarlo Acerbi, Bürgermeister von Valdagno
„Wir werden uns gemeinsam anstrengen für eine bessere Welt, um zusammen sagen zu können: Schluss mit Gewalt und Hass“, schloss Acerbi in Anspielung auf die Greueltaten der beiden Weltkriege.
Mit Applaus wurde der symbolische Akt honoriert, dass Acerbi und Seifert am Morgen als Zeichen der Erinnerung und Versöhnung ein Blumengebinde am Denkmal der sieben Märtyrer niedergelegt hatten. Diese Widerstandskämpfer gegen die faschistischen Machthaber waren im Juli 1944 als Verräter erschossen worden.
Auch Seifert stellte das Wissen um die Bedeutung der Partnerschaft als Beitrag zu Frieden und Völkerverständigung in den Mittelpunkt seiner Rede und schilderte die Vielschichtigkeit der Verbundenheit. Über 1000 junge Leute hätten im Austausch der weiterführenden Schulen Freundschaften geknüpft, „die hoffentlich ein Leben lang halten“. Auch die tiefen Freundschaften aus Verbindungen zwischen Vereinen und Chören seien eine „unerlässliche Basis für das Weiterbestehen eines friedlichen Europa“. Es sei nicht die große Politik, es seien vielmehr „die Menschen, die das Bewusstsein für eine gemeinsame Freundschaft in Europa im Herzen tragen“.
Dr. Peter Hattenkofer dankte als Vertreter des Lionsclubs Prien allen, die dazu beigetragen haben, dass nun ein bayerischer Löwe in Valdagno steht – auch all jenen, die sonst nicht im Rampenlicht stehen. Stellvertretend nannte er Susanna Piva, Sekretärin des amtierenden Bürgermeisters von Valdagno und seiner vier Amtsvorgänger in der Zeit der Partnerschaft.
Hattenkofer, der frühere Leiter der Realschule Prien, gilt als einer der Väter der Städtepartnerschaft, war dafür schon vor langer Zeit zum Ehrenbürger von Valdagno ernannt worden und bekam vor einem halben Jahr bei den Feierlichkeiten in Prien für seine Verdienste die Ehrenmünze der Marktgemeinde verliehen. Seinen Dank richtete er insbesondere an die „Amici dell´ Obante“, die als „Entdecker“ Priens seinerzeit den Weg zur Partnerschaft bereitet hätten.
Der Historiker fand auch eine launige Erklärung dafür, warum der Löwe von San Marco in Prien mit seinen gespreizten Flügeln auf seinen Beinen stehend wie ein Symbol pulsierender Energie wirke, der Bayerische Löwe dagegen mit strengem Gesichtsausdruck auf seiner Säule sitze: der Italiener konsumierte, wie alle Venezianer, als tägliche Ombretta Wein, Prosecco und Ähnliches, das bayerische Wappentier trinke stattdessen Bier, dessen Hopfen beruhige und sediere.
Aber auch das bayerische Wappentier kenne seine Pflicht und verteidige die Seinen gegen alle Gefahren. „So soll auch der Bayerische Löwe in Valdagno unsere Partnerstadt schützen, zumindest für die nächsten 30 Jahre“, schloss Hattenkofer.