Bernau – Es zeige sich, dass für beide Konfessionen Christus das Fundament des Glaubens sei und uns Gottes Gnade sicher sei, mit der wir leben können, sagte Pfarrerin Betina Heckner. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst unter anderem vom Aschauer Kirchenchor unter der Leitung von Sandra de Crescenzo, die mehrere Lutherlieder zu Gehör brachte.
Zu Beginn ihrer gemeinsamen Ansprache beleuchteten von Schroeders und die katholische Pastoralreferentin Edith Heindl die Gottvorstellungen zur Zeit Luthers. Demut vor Gott, wurde eingefordert, was aber nicht mit Demütigung verwechselt werden sollte, bei dem ein anderer klein gemacht und unterworfen wird. Es habe etwas mit Achtung und Respekt zu tun, also eine Demut mit Gott. Man müsse auch mit dem Nächsten – wie mit Gott – demütig umgehen.
Im Römerbrief, der wichtigsten Bibelstelle der reformatorischen Theologie, stehe geschrieben, dass der Mensch nur durch die Gnade Gottes und nicht durch Werke Erlösung finden könne. Luther wollte eigentlich keine neue Religion sondern zurück zu den Wurzeln gehen, das Wort in den Mittelpunkt stellen und nicht seit langem eingefahrene Regeln und Gesetze weiterleben. Im ausgehenden Mittelalter war es den Menschen unvorstellbar, ohne Gott zu leben, heute, 500 Jahre später glaubten viele nicht mehr. Gerade in schwierigen Situationen, wie Krieg, Demütigungen und Tod, falle es auch heute noch schwer, Antworten und schöne Worte zu finden. Nach 500 Jahren der Trennung verbunden mit vielen blutigen Kriegen sei es gut, dass es heute eine Ökumene gäbe.
Ein Agapemahl, bei dem Brot und Weintrauben geteilt wurden, schloss sich der Predigt an. Nach dem feierlichen Schlusssegen und einem festlichen Auszugsstück von Udo Brandes an der Orgel gab es noch einige Grußworte. Pfarrer Hermann Overmeyer aus dem katholischen Pfarrverband Oberes Priental wünschte sich, dass der eingeschlagene ökumenische Weg fortgeführt wird, da man so das beste Zeugnis an die Welt geben könne.
Bernaus Bürgermeister Philipp Bernhofer hatte für sein Grußwort einen Blick in die Gemeindechronik geworfen. Aus dieser gehe hervor, dass Luthers Lehre im Chiemgau bereits sehr früh Anklang gefunden habe. Besonders der Inhaber der beiden Herrschaften Hohenaschau und Wildenwart, der herzogliche Hofmarschall Pankraz von Freyberg (1508-1565) hing der Lehre des Reformators an und war ein eifriger Verfechter.
Für die Zukunft sieht Bernhofer große Chancen, da nur eine gemeinsam auftretende Christenheit mit der Lehre Jesu als Vorbild, eine Gegenbewegung zu Werteverfall, Missachtung der Grundrechte, Rassismus und Intoleranz bilden könne.
Dem geistlichen Fest schloss sich ein Pfarrfest im Pfarrzentrum an, bei dem Martin Luther ebenfalls eine wichtige Rolle spielte.