Aktuelles Interview

„Schule genießt ausgezeichneten Ruf“

von Redaktion

Rektor: „Hervorragende Arbeit“ ist mit Jugendsozialarbeiter fortzusetzen

Unterwössen – „Unsere Mittelschule genießt in der Öffentlichkeit, soweit ich das beurteilen kann, einen ausgezeichneten Ruf“, betonte Rektor Otto Manzenberger gegenüber der Chiemgau-Zeitung. Im Zusammenhang mit der Bewilligung einer sozialpädagogischen Fachkraft durch den Jugendhilfeausschuss des Kreistages standen Äußerungen und Einschätzungen im Raum, die er in aller Entschiedenheit zurückweist. „Durch verschiedene schülerorientierte Projekte machen wir immer wieder auf uns aufmerksam.“

Sie sind der Rektor, Sie bewältigen den Alltag. Wie sehen Sie denn Ihre Schule?

Seit Jahren arbeiten wir auf hohem Niveau und bringen bei den Schulabschlüssen regelmäßige Bestleistungen. Im letzten Schuljahr waren von den elf besten Quali-Schülern aus dem Landkreis Traunstein allein fünf aus Unterwössen, was sicherlich nicht die Regel ist, aber trotzdem die wertvolle Arbeit, die hier geleistet wird, unterstreicht. Die schaffen wir nur durch eine konstruktive Zusammenarbeit im Kollegium und mit Eltern- und Schülerschaft. Trotzdem gibt es aber auch „Störfälle“, die das tägliche Unterrichten erschweren. Dies sind zwar Einzelfälle. Diese nehmen aber in der Gesamtheit zu, da auch andere Faktoren wie die Inobhutnahmestelle in Oberwössen, die im Übrigen eine hervorragende Arbeit leistet, zu Buche schlagen. Da sich Schule weiterentwickelt und gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung getragen werden muss, habe ich mich um Jugendsozialarbeit an Schulen bemüht und hierzu einen Antrag gestellt.

Franz Feil, der Leiter des Jugendamtes in Traunstein, behauptet, dass auch Schüler aus Unterwössen vom aktuellen Drogenproblem im Achental betroffen seien. Was erwidern Sie ihm?

Ich weiß von der Drogenproblematik im Achental. An meiner Schule hatte und habe ich Gott sei Dank keinen einzigen Fall, zumindest nach meinem Kenntnisstand.

Im Jugendamt ist weiter die Rede von „erheblichen Aggressionen“. Kreisrätin Sandra Sonntag sagte im Ausschuss, dass immer wieder der Rettungsdienst vorfahren müsse. Welche Konflikte haben Sie denn an Ihrer Schule?

Es gibt gelegentliche Auseinandersetzungen wie an jeder Schule, die wir zu lösen suchen. Damit zusammenhängende Rettungseinsätze gab es nicht. Der letzte Einsatz mit Rettungsdienst war etwa vor einem halben Jahr durch einen Armbruch beim Sport.

Nach Angaben des Amtes in Traunstein entfernen sich teilweise Schüler unerlaubt aus dem Unterricht. Was sagen Sie dazu?

Durch traumatisierte Kinder kann es zeitweise auch dazu kommen, dass diese überreagieren und sich zum Beispiel im Klo verschanzen.

Dass eine Schule einen Jugendsozialarbeiter benötigt, ist heutzutage alles andere als ungewöhnlich. Warum haben nun auch Sie in Unterwössen eine Fachkraft beantragt?

Um die hervorragende Arbeit, die hier von Lehrern und Erziehern geleistet wird, weiter fortsetzen zu können und um sich abzeichnenden Negativerscheinungen entgegenzutreten.

Welche Maßnahmen hat denn die Schule bereits ihrerseits ergriffen, um die Situation zu verbessern?

Intensive Elternarbeit, zahlreiche Präventionsprogramme zu verschiedensten Themengebieten in der Zusammenarbeit mit der Jugendbeauftragten der Polizei, Selbstbehauptung- und Benimm-Kurse, Streitschlichter-Programme für dieses Schuljahr sind in Planung et cetera.

Wie sehen Sie die Situation an Ihrer Mittelschule im Vergleich zu den anderen in der Region?

Es gibt bereits 24 Schulen, die Jugendsozialarbeit an der Schule haben, wir sind die 25. Schule, die einzige Mittelschule im Landkreis Traunstein, die bisher noch keine Jugendsozialarbeit installiert hatte. Dies unterstreicht unsere bisherige gute Arbeit. Dies soll weiterhin so bleiben. Trotzdem schweben wir nicht auf einer Insel der Glückseligkeit. Daher der Antrag.

Interview: Gernot Pültz

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