Traunstein/Unterwössen – Der Jugendhilfeausschuss des Kreistages hat für die Mittelschule Unterwössen eine sozialpädagogische Fachkraft für 25 Wochenstunden genehmigt. Mit diesem Beschluss hat der Ausschuss in seiner jüngsten Sitzung auf einen Antrag der Schulleitung reagiert, an der Mittelschule Unterwössen die Jugendsozialarbeit, die seit 2004 im Landkreis Traunstein umgesetzt wird, einzuführen. Die Schulleitung hatte beklagt, dass die Lehrkräfte im Rahmen des schulischen Alltags nicht ausreichen, um die zahlreichen Problemlösungen adäquat zu bearbeiten und zu lösen.
Nach Angaben von Kreisrätin Sandra Sonntag (FW) aus Unterwössen sei die Situation inzwischen so weit eskaliert, dass regelmäßig der Rettungsdienst vorfahren müsse. „Ich bin froh, dass der Antrag einstimmig mitgetragen wird.“
Amt: Auffälligkeiten der Schüler nehmen zu
Die Sicht des Jugendamtes erläuterte in der Sitzung dessen Leiter Franz Feil. Aus Sicht des Amtes, das einen Bedarf von 25 Wochenstunden ermittelt habe, sei der Bedarf „deutlich nachvollziehbar“.
Aktuell besuchen über 100 Schüler in zum Teil großen Klassen die Mittelschule Unterwössen mit einem Migrantenanteil von 15 Prozent. Vom aktuellen Drogenproblem im gesamten Achental seien auch Schüler aus Unterwössen betroffen, so Feil in seinen Ausführungen.
Eine besondere Herausforderung für die Schule stelle auch die Inobhutnahmestelle Litzelau dar – diese private sozialpädagogische Einrichtung mit dem Schwerpunkt sofortiger vorläufiger Schutzmaßnahmen nimmt Kinder und Jugendliche im Alter von zwei bis 15 Jahren auf. Die dort untergebrachten Kinder und Jugendlichen besuchen nach Angaben des Leiters des Jugendamtes in aller Regel auch die Mittelschule Unterwössen. Viele Schüler seien traumatisiert und würden im Unterricht ein auffälliges Verhalten zeigen, so dass dieser zum Teil nicht oder nur unter sehr erschwerten Bedingungen fortgesetzt werden könne.
Die Bandbreite der Auffälligkeiten ist laut Feil groß: Sie reiche „vom starken Rückzugsverhalten bis zu erheblichen Aggressionen“. Teilweise entfernen sich die Schüler seinen Angaben zufolge unerlaubt aus dem Unterricht. Wie in vielen anderen Schulen gibt es ihm zufolge natürlich auch Thematiken wie Konflikte in der Familie mit teilweise körperlicher Gewalt, Verwahrlosung, Mobbing oder Cybermobbing und Diebstähle.
Der Jugendhilfeausschuss vertrat die Ansicht, dass die Einführung einer Jugendsozialarbeit, die von der Mitfinanzierung der Gemeinde Unterwössen in Höhe von 20 Prozent der Gesamtkosten abhängig gemacht wird, unabdingbar ist und genehmigte gleichzeitig die Gesamtkosten von 40000 Euro. Die jährlichen Folgekosten werden auf 22000 Euro geschätzt.
Beim Freistaat Bayern soll jetzt die Förderung beantragt werden. Außerdem sollen Angebote der anerkannten Träger der Jugendhilfe im Landkreis Traunstein eingeholt werden.
(siehe auch Interview mit Rektor Otto Manzenberger und Kommentar auf dieser Seite) ga