Wildenwart – Diese Menschen hätten damals entscheidend beim Aufbau des Landes mitgeholfen und begründeten mit ihrem Fleiß den heutigen Wohlstand, so Seifert. „Niemand lässt seine Heimat ohne Grund zurück, niemand geht aufs Geratewohl in das Unsichere eines fernen fremden Landes“, erinnerte der Bürgermeister an die Opfer der Kriege – früher und heute.
„Das Fußball-Länderspiel England gegen Deutschland vergangene Woche war etwas ganz Besonderes“, so der Vorsitzende des Veteranen- und Kriegervereins Wildenwart, Heinrich Rehberg, in seiner Ansprache. Zum ersten Mal seit 100 Jahren hätten beide Mannschaften mit roten Mohnblüten am Oberarm an die Geschehnisse des Ersten Weltkriegs erinnert. 100 Jahre Zeit habe es für dieses Symbol des Friedens zwischen den Völkern gebraucht. Die Kriegergedächtniskapelle im Herzen der alten Gemeinde Wildenwart zwischen Hendenham und Siggenham sei ein starkes Symbol für den Erhalt des Friedens. Am 17. Mai 1928 wurde die von allen Vereinen gemeinsam genutzte Kapelle eingeweiht; im kommenden Jahr feiere man ihren 90. Geburtstag.
„Genau heute vor 75 Jahren, am 19. November 1942, wurde die 6. Armee im Kessel von Stalingrad eingeschlossen. Offizielle deutsche Stellen gehen heute davon aus, dass etwa 200000 Mann im Januar und Februar 1943 in Gefangenschaft geraten sind, rund 6000 kamen nach langen Jahren zurück“, so Rehberg.
Das Dorf habe ein langes Gedächtnis und erinnere sich auch heute noch an sie – deshalb könne keiner sagen „Es ist genug getrauert, es wird kein Gedenken mehr abgehalten, lasst die Toten endlich ruhen.“ Eine Kulturnation ehre die Gefallenen des Gegners ebenso wie die eigenen. An allen Gedenktagen erinnere man auch an die Opfer anderer Völker und die der einstigen Kriegsgegner – über die Gräber hinweg sind im Tode alle gleich. „Wir erinnern an sie – aber wir trauern nicht um sie, denn Trauer erfordert die persönliche Bindung“, so Rehberg.
Beim Gottesdienst in der Wildenwarter Christkönigskirche und beim Libera an der Kriegergedächtniskapelle gedachte Pfarrer Peter Bergmaier der Toten aller Kriege. Am Kriegerdenkmal legten Bürgermeister Jürgen Seifert und Veteranenvereins-Vorsitzender Heinrich Rehberg Kränze für die Opfer der Kriege und Gewalt, von Flucht und Vertreibung nieder. Die Blaskapelle Wildenwart umrahmte unter der Leitung von Sebastian Graf das Gedenken. Es endete mit einem Kanonensalut und dem Lied vom guten Kameraden.