Prien – Der Bau des kleinen Kreisverkehrs ist auch ein Wettlauf mit dem Wetter. Denn wenn es schneit und die Temperaturen dauerhaft deutlich unter den Gefrierpunkt fallen, können bestimmte Arbeiten nicht mehr durchgeführt werden. Deshalb ist jede Verzögerung eigentlich eine zu viel.
Gestern Vormittag gerieten die Arbeiten für mehrere Stunden ins Stocken. Ein Baggerfahrer kam mit der Schaufel seines Fahrzeugs einer Gasleitung an der Südwestecke der Kreuzung zu nahe und beschädigte sie. Es trat so viel Gas aus, dass es in der Umgebung des Lecks deutlich riechbar war.
Die Feuerwehr rückte mit mehreren Fahrzeugen und zwei Dutzend Männern an. Zusammen mit der Polizei wurde die Umgebung vom Marktplatz bis zum Seestraßenkreisel jenseits der Bahnunterführung sicherheitshalber abgesperrt. Auch Mitarbeiter von Energie Südbayern (ESB), die das Leitungsnetz in Prien betreiben, waren schnell vor Ort. An Verbindungspunkten in der Umgebung wurden die Schieber geschlossen, damit das restliche Gas entweichen konnte, bevor die Reparatur des Lecks beginnen konnte. Bis zum frühen Nachmittag dauerte es, bis alle Gaskunden wieder an die Versorgung angeschlossen werden konnten. Etwa zwei Drittel der Priener, die mit Erdgas heizen, waren für Stunden nicht versorgt, darunter zum Beispiel auch die Kliniken in Seenähe.
Dass nicht alle Bürger beim Anblick von Feuerwehrautos mit Blaulicht erstmal vorsichtig erkunden, was passiert ist, demonstrierte ein junger Mann, der plötzlich aus einem Hauseingang trat und sich eine Zigarette anzünden wollte. Die Warnrufe der Feuerwehrmänner hörte er zunächst nicht – er hatte Kopfhörer im Ohr. Erst im direkten Kontakt gelang es, ihn davon zu überzeugen, mit dem Rauchen zu warten, bis er hinter der Sicherheitsabsperrung angekommen war.
Der Zwischenfall war die bereits dritte unliebsame Überraschung, seit der Bau des Minikreisels vor einer Woche begonnen hat. Nach den ersten Erdarbeiten hatten die Verantwortlichen der Gemeinde und der Baufirma feststellen müssen, dass mehrere Gullyabflüsse im Kreuzungsbereich beim Bau der heutigen Seestraßenunterführung vor etwa 20 Jahren nicht an die Kanalisation angeschlossen worden waren, sondern das Regenwasser dort in den Untergrund fließt. Die Zusatzarbeiten an der Kanalisation werden den ohnehin sehr engen Zeitplan wohl für bis zu zwei Tage verzögern.
Alte Pflastersteine nicht befestigt
Inzwischen wurde laut Tobias Kollmannsberger, Tiefbauchef im Rathaus, auch festgestellt, dass die Pflastersteine, die die Grenze zwischen Gehwegen und Fahrbahn bilden, seinerzeit offensichtlich nicht vorschriftsmäßig befestigt worden waren, sondern nur auf den losen Untergrund aufgesetzt. Sie ordnungsgemäß zu befestigen, wird eine weitere Zusatzarbeit. Der anvisierte Fertigstellungstermin Ende nächster Woche soll dadurch aber nach Aussagen von gestern nicht gefährdet werden. Am 1. Dezember sollen der kleine Kreisverkehr und die umgebauten Radwege in der Seestraßenunterführung fertig sein. Dann kann die Vollsperrung wieder aufgehoben werden.