Traunstein – Viele der ehrenamtlichen Sachbeauftragten der Pfarreien in den Dekanaten Traunstein und Baumburg waren zur Herbstversammlung der Arbeitsgemeinschaft Caritas und Sozialarbeit gekommen, um einen Einblick in den Alltag einer Justizvollzugsanstalt zu bekommen.
Jürgen Burghardt, seit zweieinhalb Jahren an der Spitze der Justizvollzugsanstalten Bernau, Bad Reichenhall und Traunstein, informierte über die Eckdaten der Anstalten. Sein Fokus lag auf der 400 Hektar großen Hauptanstalt in Bernau, die in drei Jahren 100 Jahre alt wird und neben einer eigenen Landwirtschaft auch diverse Werkstätten beherbergt, in der die Gefangenen arbeiten oder eine Ausbildung machen können. Er berichtete von einem guten Miteinander zwischen den Bernauern und der Anstalt.
Die Anstalt sei mit ihren 823 Haftplätzen regelmäßig an der Belegungsgrenze. Dies gelte auch für die JVA in Traunstein mit rund 150 Gefangenen. Der früher einmal angedachte Standortwechsel raus aus der Stadtmitte lasse sich wohl, wenn überhaupt, nur langfristig realisieren, machte er einer Verlegung wenig Hoffnung. Bad Reichenhall, ausgelegt für maximal 43 männliche Gefangene in Untersuchungshaft, sei die kleinste Anstalt im südostbayerischen Raum, die nicht zuletzt auch durch die veränderte Grenzsituation stark gebraucht werde. Der Ausländeranteil an den Inhaftierten habe sich von früheren rund 25 Prozent in den letzten Jahren auf bis zu 40 Prozent erhöht. Der Tagessatz pro Gefangenem liege bei circa 110 Euro führte der Anstaltsleiter weiter aus, der in Bernau 327 und in Traunstein 40 Bediensteten vorsteht.
Er schilderte die Behandlungsformen und Therapien, die den Häftlingen angeboten werden, die unter anderem von einer Sozialtherapie, über ein Anti-Gewalt-Training zu Einzeltherapien für Sexualstraftäter reichten.
Hilfsmöglichkeiten gäbe es über verschiedene Gruppen wie beispielsweise die Anonymen Alkoholiker. Vieles laufe dabei organisatorisch über das Diakonische Werk Rosenheim. Aber auch eine Einzelbetreuung durch Ehrenamtliche sei möglich.wz