Gemeinde Bernau kämpft gegen Wildparkerei

Mit Brummifahrern Auge in Auge

von Redaktion

Beobachtungen: Die Lage entspannt sich

Bernau – Grau in grau gibt sich der Himmel über Bernau, typisch eben für den November. Und wieder einmal ist die Parkbucht an diesem tristen Donnerstagvormittag belegt. Allerdings steht kein Bus an der Chiemseestraße, vielmehr drängeln sich zwei Lastwagen, dicht hintereinander abgestellt, auf dem schmalen Streifen neben der Straße. Vorne ragt der ein Lkw ein Stück weit in die Fahrbahn hinein, hinten der andere. Von den Fahrern ist nichts zu sehen. Womöglich sind sie gerade zum Einkaufen gegangen. Über die Straße zum Aldi-Markt.

Brummi-Fahrer, die die Autobahn über die Ausfahrt Felden verlassen und dann an und auf der Chiemsee- und den angrenzenden Straßen regelwidrig stehenbleiben, sind keine Seltenheit. Seitdem Aldi vor einigen Jahren einen riesigen Markt gebaut hat und mit großen Werbe-Lettern auf sich aufmerksam macht, treten nicht nur, aber gerade auch viele Lkw-Fahrer, die auf der angrenzenden Autobahn unterwegs sind, auf die Bremse. Vor allem viele Brummi-Fahrer aus Osteuropa nehmen Kurs auf den Aldi-Markt. Auf ihrer Heimfahrt legen sie einen Stopp ein, sie wollen mal eben einkaufen für zu Hause und unter Umständen dann gleich noch ein Nickerchen machen, ehe sie wieder auf die Piste gehen. Die Crux: Parkplätze gibt‘s keine für sie, also stellen sie ihre schweren Vehikel irgendwo am Straßenrand ab, gegen alle Regeln.

Die Lastwagen, die trotz aller Verbote einfach irgendwo stehenbleiben, sind ein Ärgernis. Die Spuren, die sie hinterlassen sind eindeutig: Mal ist das eine Bankett beschädigt, mal das andere. Und vor allem: Die Brummis, illegal abgestellt, beeinträchtigen die Sicherheit, die Autofahrer sehen die Fußgänger und die Radfahrer nicht mehr so gut.

Schon seit Jahr und Tag führt die Gemeinde Bernau regelrecht einen Kampf gegen die Brummi-Lawine. „Wir haben nichts gegen Lkw-Fahrer“, stellt Bürgermeister Philipp Bernhofer klar. Nicht der eine oder der andere Brummi sei das Problem, sondern die vielen, die von der Autobahn in den Ort kommen.

Auge in Auge steht man sich gegenüber. Mit Verbotsschildern, die die Gemeinde an allen Ecken und Enden der Chiemsee- und der angrenzenden Straßen aufgestellt hat, versucht sie der wilden Schwerlast-Parkerei zu Leibe zu rücken. Und mit Engelszungen redet sie auf den Verursacher der ungewollten Blechlawine ein: Ein ums andere Mal hat sie Aldi schon aufgefordert, etwas zu unternehmen. Und steter Tropfen höhlt allem Anschein nach nun doch den Stein. Aldi hat jetzt reagiert: Seit mehreren Wochen lässt ein vom Konzern engagierter Wachdienst keinen Lkw mehr auf den großen Parkplatz am Einkaufsmarkt fahren – allem Anschein nach mit der für die Gemeinde unterm Strich erfreuliche Folge, dass jetzt nicht mehr so viele Lkw-Lenker aus der Autobahn herausfahren.

Aldi hat Wachdienst engagiert

„Wir stellen fest, dass die Zahl der Abweisungen deutlich abgenommen hat“, zieht Michael Mucke, der Leiter der Filial-Entwicklung Aldi Süd, in einem Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung eine Zwischenbilanz in Sachen Wachdienst. Seinen Angaben zufolge hat sich der gewünschte Dominoeffekt eingestellt: In den Kreisen der Lastwagenfahrer habe sich mittlerweile herumgesprochen, dass sich eine Ausfahrt ganz und gar nicht mehr lohnt, weil ein für alle Male ein Abstellen der Brummis am Aldi-Markt nicht mehr möglich ist. Und damit verringere sich auch der gesamte Lkw-Park-Druck, der in der Umgebung von Aldi auf der Chiemsee- und allen angrenzenden Straßen lastet.

Sechs Tage in der Woche, von Montag bis Samstag, immer dann, wenn der Markt geöffnet hat, sitzt nun ein Wachmann im Häuschen an der Zufahrt zum Aldi-Parkplatz. Falls sich ihm ein Brummi nähert, waltet er seines Amtes: Einfahrt nicht erlaubt, winkt er ab. Und wenn der Markt in den Nächten unter der Woche oder aber am Sonntag geschlossen hat, dann lässt Aldi eine von Hand zu betreibende Schranke herunter, die ebenso wie der Wachmann die Einfahrt versperrt.

Die Maßnahme, allein für die Kontrolle der Parkplatzzufahrt einen Wachdienst zu engagieren, sei, wie Mucke betont, eine ganz besondere, die landauf, landab in und an anderen Aldi-Niederlassungen ihresgleichen suche. Und sie sei vor allem eins: nicht billig. „Einen guten fünfstelligen Betrag“ müsse Aldi im Monat für die Spezialmaßnahme in Felden berappen.

Der Konzern nimmt jetzt dieses Geld nicht nur in die Hand, weil ihn die Gemeinde schon so lange gedrängt hat, etwas zu unternehmen, sondern auch aus eigenem Interesse. Schließlich möchte er auf seinem Grundstück zwei weitere Märkte – im Gespräch waren zuletzt eine Drogerie und ein Biomarkt – bauen. Um eine Genehmigung zu bekommen, braucht er eine Gemeinde, die ihm wohl gesonnen ist. Und das Kalkül geht noch weiter: Wenn Aldi bauen darf, dann ist über die Zufahrt zu den Märkten zu diskutieren: darüber, ob der Konzern sie etwa mit Hindernissen anlegen darf, damit kein Lkw mehr heranfahren kann – womit letztlich der Wachdienst nicht mehr vonnöten ist.

Die Aktivitäten von Aldi kommen im Rathaus gut an: Auch nach Einschätzung von Bernhofer hat sich die Lage entspannt. Der Bürgermeister verfolgt die Entwicklung ganz genau, schaut selbst vorbei, spricht auch mit Leuten vor Ort, wie er berichtet – und er sagt jetzt, dass die Maßnahme von Aldi Wirkung zeige: Die Zahl der Lkw habe abgenommen.

Bernhofer: Jetzt weniger Lastwagen

Auch Anton Schauer, der Verkehrssachbearbeiter der Polizeiinspektion Prien, kennt die Lkw-Problematik. Er macht jedoch kein Hehl daraus, dass er einen anderen Weg favorisiert. Seiner Ansicht nach sollte Aldi vor allem eins machen: Parkplätze, die der Konzern für seine Kunden benötigt, darstellen.

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