Prien – Wer sich als Autofahrer aus Norden oder Westen Prien nähert, kann sich kurzzeitig wie im Hochgebirge fühlen. Dreieckige Warnschilder weisen auf Steinschlag-Gefahr hin. Hintergrund der Beschilderung ist die theoretische Haftungsfrage bei Schäden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich aus der Stützmauer am Hang nordwestlich des Kreisverkehrs einer der großen Steinquader löst, dürfte aber gegen Null gehen.
Dass beim Bau des Kreisverkehrs 2010 für gut eine Million Euro die Entwässerung der Stützmauer nicht ordnungsgemäß eingebaut wurde, hatte die Gemeinde schon früh moniert, das Bauwerk deshalb nicht abgenommen und so seine Vollendung nicht endgültig anerkannt.
Die Kommune leitete ein sogenanntes Beweissicherungsverfahren ein, um sich für einen drohenden Rechtsstreit zu wappnen. Auch ein Anwalt war eingeschaltet worden.
Seitdem wurde hinter den Kulissen dem Vernehmen nach mehrfach mit den Beteiligten über Lösungen beziehungsweise die Beseitigung der Mängel verhandelt.
Zwei der großen Quader hatten sich leicht verschoben. Niederschlagswasser war von oben in die Mauerkonstruktion eingedrungen und hatte bis zu 50 Zentimeter tiefe Hohlräume ausgespült. Als im Winter das Wasser in den Hohlräumen gefror, kam es zu „frostbedingten Aufplatzungen“, zwei Quader verschoben sich dadurch etwas.
Als ein Gutachter dann „Gefahr in Verzug“ attestierte, weil „die Standsicherheit rechnerisch nicht mehr nachweisbar“ war, und er nicht ausschließen konnte, dass noch mehr Bewegung in die Steinquader kommt, hatte der Markt Prien die Notbremse gezogen und die unsicheren Quader mit großen Stahlstützen samt Betonfundament befestigt. Die Mauer wurde daraufhin regelmäßig kontrolliert, es blieb aber ruhig. Weitere Schäden waren augenscheinlich nicht festzustellen. Deshalb wurde der Ansatz, die gesamte Mauer auf einer Länge von 40 Metern mit einem Netz zu überspannen, das verhindern sollte, dass abplatzende Steinteile auf die Fahrbahn fallen und Autos beschädigen oder gar Menschen zu Schaden kommen, schnell wieder verworfen.
Beim Starkbierfest sogar derbleckt
Die Steinschlag-Warnschilder im flachen Voralpenland schafften es bis in die Starkbierrede von Bruder Johannes (Dreikorn) heuer im Frühjahr.
Nun konnte in den Verhandlungen endlich ein Durchbruch erzielt werden. „Der Markt Prien hat mit den am Projekt Beteiligten eine außergerichtliche Lösung gefunden“, teilte Geschäftsleiter Andreas Hell auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung mit.
Laut Gutachten, dass die Gemeinde seinerzeit eigens in Auftrag gegeben hatte, „sind die Schäden an der Mauer in erster Linie der fehlenden Kopfdrainage geschuldet. Die Mauersteine werden durch am Hang abfließendes Niederschlagswasser durchfeuchtet. Dieses Problem wird im Zuge des Neubaus durch eine zusätzliche obere Steinreihe und eine neu zu errichtende Kopfdrainage gelöst werden“, erläuterte Hell die Planung. „Auf diese Variante einigten sich die am Bau beteiligte Firma, das Ingenieurbüro und der Markt Prien außergerichtlich. Über die konkrete Kostenaufteilung wurde Stillschweigen vereinbart.“
Im Frühjahr 2018 soll die Natursteinmauer bis auf die unterste Quaderreihe abgebaut und durch neue Kalksteine aus dem Salzburger Land ersetzt werden. Oben wird eine Reihe aufgestockt.