Chieming – Seit einem Jahr ist die Gemeinschaftsunterkunft für geflüchtete und asylsuchende Menschen in Chieming in Betrieb. Nun zogen in einer Bürger-Informationsveranstaltung im Haus des Gastes die gemeindlichen Asyl- und Migrationsbeauftragten Ingrid Schäffler, Franz Unterreiner und Sebastian Heller Bilanz.
Wie Heller informierte, leben in der Gemeinschaftsunterkunft im Oberdorf Familien aus verschiedenen Krisengebieten friedlich nebeneinander. 82 der aktuell 1637 im Landkreis Traunstein lebenden Personen in Asylunterkünften sind in Chieming untergebracht.
Die Regierung von Oberbayern, so Heller, bezeichne die Gemeinschaftsunterkunft in Chieming als ein „Familienzentrum mit hauptamtlichen Strukturen“. Vor Ort anwesend seien Verwaltungsleiter Sebastian Aschl, Hausmeister Robert Baumüller, Waltraud Huber als Asylsozialberaterin der Diakonie Traunstein sowie ein Mitarbeiter, der den Bundesfreiwilligendienst ableistet.
In seinem Jahresrückblick nannte Heller den Tag der offenen Tür im September vergangenen Jahres, der dazu beigetragen habe, die Ängste der Nachbarn abzubauen, und dazu geführt habe, dass die Chieminger mit deutlicher Mehrheit die Aufnahme und Begleitung der Flüchtlinge positiv sieht. Auch die Öffentlichkeitsarbeit habe viel geholfen.
Eine große Hilfe sei der in Chieming ansässige Abdelkader Bedj-Bedj, der sich als Dolmetscher zur Verfügung stellte und vor allem die arabische Sprache beherrscht. Er nahm sich den Problemen der Flüchtlinge an, wurde zum „Kummerkasten“ und „Krisenhelfer“, half bei der Arbeits- und Wohnungsvermittlung, sprang als Fahrdienst ein und organisierte Veranstaltungen wie das gemeinsame Fastenbrechen zum Ende des Ramadan. Die Integration in der örtlichen Grund- und Mittelschule und in den Kindergärten klappe gut. Besonders würdigte Heller das große Interesse der Asylanten am Deutschunterricht und das Bemühen der Ehrenamtlichen, ihnen die Lebensweise und Kultur der Deutschen nahe zu bringen.
Verwaltungsleiter Sebastian Aschl informierte über den grundsätzlichen Rückgang der Flüchtlingszahl, sagte, dass es keine dezentrale Erstunterbringung mehr gebe. Familien, die anerkannt sind, wollten zwar aus der Gemeinschaftsunterkunft ausziehen, doch mache der chronische Wohnungsmangel dies meist unmöglich; der örtliche Mietmarkt sei sehr angespannt.
Heller ging auf das für Flüchtlinge bereitgestellte Angebot der offenen Ganztagesschule für Grundschulkinder ein und sprach sich für die Intensivierung der schulischen und sozialen Integration aus. Auch hoffe er, dass sich die bisher ehrenamtlich Tätigen weiter engagieren. Lobend erwähnte er Ingrid Schäffler, die im Sommer als Schwimmlehrerin tätig war, und Franz Schrobenhauser vom TSV, der es schaffte, dass junge Flüchtlinge aktiv den Fußballsport in Chieming betreiben können.
Anwesende Ehrenamtliche sicherten die Fortführung des Deutschunterrichts an der Schule zu. Sie wollen auch weiterhin in der Hausaufgabenhilfe tätig sein und sich beim Helferladen einbringen. Ingrid Schäffler kündigte den Nikolausbesuch in der Gemeinschaftsunterkunft für Dienstag. 5. Dezember, an. Sie habe bereits Spendenzusagen zugesichert bekommen.