Gemeinderat Bernau

Pläne rufen geteiltes Echo hervor

von Redaktion

Gremium diskutiert über Vorhaben des Freistaates, 43 Hektar der Damberger Filze zu renaturieren

Bernau – Die Pläne des Freistaates Bayern, rund 43 Hektar der Damberger Filze zu renaturieren, haben im Gemeinderat in Bernau ein geteiltes Echo hervorgerufen. Nachdem Gerd-Michael Krüger vom Ingenieurbüro Dr. Blasy-Dr. Øverland in Eching am Ammersee ein hydrologisches Gutachten über Grundwassermessungen erläutert hatte (wir berichteten), stellten die Räte in der Diskussion Fragen. Unter die Meinungsäußerungen mischten sich Zweifel, ob die vorhandenen Gräben tatsächlich in der Lage sein werden, das überschüssige Wasser abzuführen, das aus dem Planungsgebiet herausläuft – was der Gutachter dann wiederholt bekräftigte.

Vor allem im angrenzenden Ortsteil Neumühle macht die Sorge die Runde, dass das Aufstauen des Grundwassers im alten, im 19. Jahrhundert entwässerten Moor die Anlieger in Mitleidenschaft ziehen und für voll laufende Keller sorgen könnte.

Gutachter: Neumühle ist „nicht betroffen“

Bürgermeister Philipp Bernhofer fragte Krüger, ob Bürger, die möglicherweise Probleme bekommen, auf dieses Gutachten zurückgreifen könnten. Krüger entgegnete ihm, dass die Untersuchung noch kein Beweissicherungsverfahren darstelle. Er versicherte, dass die Bürger von Neumühle von der Renaturierung „nicht betroffen“ sein werden. Der Gutachter sah „keine Wirkungsmöglichkeit“, die die Wiedervernässung auf diesen Ortsteil der Gemeinde entfalten könnte.

Die 43 Hektar, die für eine Renaturierung vorgesehen sind, gehören dem Freistaat Bayern. Vor Ort hat die Justizvollzugsanstalt (JVA) Bernau die Fläche in ihrer Obhut. Im Gemeinderat kam nun die Befürchtung auf, dass die Gräben vom Grundstückseigentümer nicht oder nicht ausreichend geräumt werden – und dass sie das überschüssige Wasser nicht aufnehmen können, das dann möglicherweise doch in die Keller der angrenzenden Häuser fließt.

Peter Steindlmüller (CSU) mahnte an, vor allem den Unterhalt der Gräben ins Visier zu nehmen. Er fragte: „Wie wird er niet- und nagelfest gesichert?“ Und weiter: „Was machen wir mit dem Biber, der mehr als heilig ist?“ Franz Lackerschmid (CSU) stieß in das gleiche Horn und fragte an, ob die Gemeinde die Räumung der Gräben durch die JVA einfordern könne. Er selbst wohne an einem Bach und habe schlechte Erfahrungen gesammelt. Jahrelang habe er selbst den Bach ausgeräumt, ehe der Staat dann doch noch gehandelt habe. Bürgermeister Philipp Bernhofer sagte, dass die Gräben auf jeden Fall freigehalten werden müssten. Wenn sie nicht geräumt würden, „dann haben wir ein Problem“. Bernhofer sagte, dass eine Vereinbarung mit der JVA zu treffen sei.

Pia Ostler (Bündnis 90/Die Grünen) war sich sicher, die JVA werde darauf schauen, dass das Wasser abfließt. Und sie meinte weiter, dass man die Wiedervernässung wegen des Bibers nicht in Frage stellen sollte.

Zweiter Bürgermeister Gerhard Jell (CSU) äußerte „gehörige Bedenken“ und gab seiner Sorge Ausdruck, dass Überschusswasser in den Ortsteil Eichet fließen könnte. Krüger entgegnete ihm, dass die Vorfluter das Überschusswasser „abfangen“. Das Entwässerungssystem sei „sehr effektiv“. Es sei „unmöglich“, dass Wasser ins Eichet fließe.

Jakob Müller (CSU) verwies auf einen Anlieger der Kendlmühlfilze, der berichtet habe, dass dort in Folge einer Wiedervernässung das Rückstauvolumen im Moor abgenommen habe. Krüger sah jedoch auch in einer Abnahme dieser Kapazitäten in der Damberger Filze kein Problem, „weil das Grabensystem funktioniert“.

Irene Biebl-Daiber (CSU) war die Aussage, dass die Gräben funktionieren, wie sie sagte „zu wenig“. Sie forderte ein Beweissicherungsverfahren. Außerdem wollte sie unter anderem wissen, wie lange das Wachstum dauert, bis sich das angestrebte Torfmoor einstellt. Krüger erläuterte, dass das Einstauen des Wassers zunächst eine Verringerung des CO2-Ausstoßes bedeute. Das Moor wachse dann langsam. Laut dem Gutachter werden Jahrzehnte ins Land gehen, bis wieder ein richtiges Torfmoor gegeben ist.

Auf die weitere Frage von Biebl-Daiber, welche Auswirkungen die geplante Wiedervernässung auf den Förchengraben haben werde, meinte der Gutachter, dass nicht mehr Wasser als bisher dorthin fließen werde. Franz Schnaiter (CSU) führte aus, dass er sich unterm Strich mit der Renaturierung anfreunde könne – vorausgesetzt, dass die Gräben geräumt werden. Andernfalls sei Ärger vorprogrammiert. pü

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