Grassau – Katharina Gruber aus Rottau ist mit 102 Jahren die älteste Bürgerin der Gemeinde. Die rüstige Seniorin freute sich über den Besuch von Bürgermeister Rudi Jantke, der nachträglich auch die Glückwünsche des bayerischen Ministerpräsidenten übermittelte. Ihren Geburtstag hatte die Jubilarin am 25. November im Kreise ihrer Familie gefeiert.
1915 wurde Katharina Gruber in Saarbrücken als Tochter eines Metzger- und Gasthausbesitzers geboren. Nach der Schule half sie im elterlichen Betrieb mit. Das junge Mädchen zog es aber in die „weite Welt“, und so kam die Städterin 1936 nach Marquartstein.
Der Liebe wegen im Achental geblieben
Hier verdiente sie bei einem Zahnarzt und einer Wiener Damenschneiderin als Kinder- und Hausmädchen ihren Lebensunterhalt. Der Liebe wegen blieb sie im Achental. In einem Lokal hatte sie ihren späteren Mann Andreas kennengelernt. 1939 wurde geheiratet und im Gruber-Anwesen gefeiert. Auf dem großen Anwesen mit Mühle und Landwirtschaft gab es immer viel Arbeit, denn nach der Hochzeit hatte der Schwiegervater den Hof übergeben – in der Hoffnung, dass der Sohn dann vom Militärdienst befreit wäre. Der dritte Sohn musste zudem eigentlich nicht einrücken. Doch weit gefehlt, denn kurze Zeit später wurde Andreas Gruber einberufen.
So musste die junge Katharina alles ohne ihren Mann alleine mit den Schwiegereltern bewerkstelligen. „Wir hatten 38 Rindviecher, sechs Pferde und viel Land zu bewirtschaften. Dazu kam das Sägewerk. Nur ein alter Pferdeknecht blieb auf dem Anwesen“, erzählt sie.
Einem Sohn und einer Tochter schenkte sie das Leben. Nachdem sie ihren Andreas im Alter von 23 Jahren geheiratet hatte, waren die beiden 68 Jahre ein Ehepaar. Seit elf Jahren ist sie nun Witwe und wird von ihrem Sohn Andreas und dessen Frau Trudi umsorgt.
Ihr Geheimrezept für ein langes Leben verrät sie gerne: gesunde Ernährung. Seit über 60 Jahren gibt es zum Frühstück ein Müsli, das sie selbst zusammenstellt und die Zutaten dafür auspendelt. Nur am Sonntag gönnt sie sich Vollkornbrot mit Quark, Marmelade oder Honig, dazu eine Tasse koffeinfreien Kaffee. Außerdem verzichtet sie vollständig auf Süßes und vermeidet Medikamente. Offensichtlich wirkt das – wohl keiner würde das Geburtstagskind auf 102 Jahre schätzen.