AlDi ändert Pläne

Schranke statt Wachdienst

von Redaktion

Unternehmen lässt keine Lkw auf Parkplatz fahren – Diskussion im Gemeinderat in Bernau

Bernau – Aldi ändert seine Pläne: Um die Lastwägen vom Parkplatz am Markt an der Chiemseestraße fernzuhalten, will der Konzern nun den Wachdienst durch eine Schranke ersetzen. Aldi kann mit Unterstützung im Rathaus rechnen. Mit 11:6 Stimmen hat der Gemeinderat seine Zustimmung in Aussicht gestellt.

Immer wieder verlassen Lastwagenfahrer die Autobahn über die Ausfahrt Felden. Sie wollen im Aldi-Markt einkaufen – und sie lassen ihre Brummis dann irgendwo gegen alle Regeln am Straßenrand stehen. Die Gemeinde Bernau kämpft seit geraumer Zeit gegen das wilde Parken der Lkw (wir berichteten). Und auch Aldi stellt sich gegen die vielen Brummis: Der Konzern lässt keinen Lkw mehr auf den Parkplatz am Markt fahren.

Der Konzern ändert nun seine Taktik: Bislang hat er noch einen Wachdienst im Einsatz, der jeden einzelnen Fahrer abweist. Diese Maßnahme kostet viel Geld. Michael Mucke, der Leiter der Filial-Entwicklung Aldi Süd, hatte von einem „guten fünfstelligen Betrag“ im Monat gesprochen. Den teuren Wachdienst will der Konzern jetzt durch ein – billiges – Schrankensystem an der Einfahrt zum Parkplatz ersetzen: Geplant sind eine lange und ein kurze Schranke. Die Pkw können auch weiterhin ungehindert ein- und ausfahren. Die Kehrtwende kommt überraschend, hatte Aldi doch bis vor kurzem den Eindruck erweckt, noch länger am Wachdienst festhalten zu wollen.

Die neue Lösung, die Aldi nun anstrebt, um sich die Lastwägen vom Leib zu halten, stellte Bürgermeister Philipp Bernhofer im Gemeinderat zur Diskussion. Er wollte ein „Stimmungsbild“ bekommen und abfragen, ob das Gremium das Unternehmen unterstützt.

Herkner: „Aldi soll Lkw-Parkplätze schaffen.“

Dritter Bürgermeister Alexander Herkner (SPD) kritisierte das Vorgehen von Aldi, den Parkplatz für Lkw zu sperren. Mit der Abriegelung habe sich die Lage an der Chiemseestraße keineswegs entspannt. Davon, dass nun viele Lastwagenfahrer generell davon Abstand nehmen, in Felden aus der Autobahn zu fahren, könne keine Rede sein. Durch die Absperrung des Parkplatzes ändere sich am wilden Parken der Brummis an den umliegenden Straßen „gar nichts“. Herkner forderte Aldi auf, den entgegengesetzten Weg einzuschlagen: Er sah das Unternehmen in der Pflicht, Parkplätze für seine Kunden zu schaffen. Schließlich lebe Aldi auch von den Lkw-Fahrern. Herkner sprach von einem „unhaltbaren Zustand“ und appellierte an Aldi, „vier bis fünf Parkplätze für Lkw“ anzubieten.

Bernhofer hingegen stellte sich hinter den eingeschlagenen Kurs, die Lastwagenfahrer zu „vergrämen“: ihnen aufzuzeigen, dass eine Ausfahrt aus der Autobahn alles andere als lohnenswert ist. Ihnen nahezulegen, nicht mehr zum Aldi-Markt zu fahren, weil sie keinen Stellplatz für ihren Brummi in Aussicht haben, ist nach Ansicht des Bürgermeisters viel besser als die Schaffung von Parkmöglichkeiten. Der Rathauschef bekräftigte erneut, dass die Absperrung des Aldi-Parkplatzes Wirkung zeige. Seiner Ansicht nach verlassen nun weniger Lastwagen die Autobahn.

Wie Herkner, meinte auch Irene Biebl-Daiber (CSU), dass der von Aldi eingeschlagene Kurs, den Parkplatz für Lkw dichtzumachen, „gar nichts bringt“. So sei auch eine Schranke „nicht sinnvoll“. „Konsequent“ wäre, so Peter Pertl (CSU), bereits an der Autobahn ein Schild anzubringen und die Lastwagenfahrer darauf hinzuweisen, dass das Parken am Aldi-Markt nicht möglich sei.

Decker: „Vergrämungstaktik ist nicht schlecht.“

Hans-Jörg Decker (Bernauer Liste) berichtete, dass er jüngst wieder Lastwagen gesehen habe, die regelwidrig an der Chiemseestraße abgestellt waren. Die „Vergrämungstaktik“ sei „nicht schlecht“. Decker schlug vor, in drei oder vier Monaten Bilanz zu ziehen. Wenn Aldi drei oder vier Parkplätze schaffen würde, dann würden noch mehr Lastwagen aus der Autobahn fahren.

Pia Ostler (Bündnis 90/Die Grünen) forderte den Gemeinderat auf, sich das nächste Mal vor dem Bau eines Discounters oder Outlets Gedanken zu machen – und nicht danach.

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