Marktgemeinderat

Soziales auf zehn Schultern verteilt

von Redaktion

Die vielschichtige soziale Arbeit der Marktgemeinde wird ab sofort auf zehn Schultern verteilt. Vier Frauen und Zweiter Bürgermeister Hans-Jürgen Schuster teilen sich das Aufgabengebiet von Sozialreferentin Eva Munkler, die dieses Amt Ende September aus persönlichen Gründen niedergelegt hatte.

Prien – Eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger, der Munklers Aufgaben komplett übernimmt, hatte sich aus den Reihen des Marktgemeinderats nicht gefunden. Bürgermeister Jürgen Seifert hatte bei Munklers Verabschiedung an die Fraktionen appelliert, in den eigenen Reihen nach Kandidaten Ausschau zu halten.

Nachdem sich abzeichnete, dass es keinen neuen Sozialreferenten im bisherigen Sinn geben wird, seien „viele und lange“ Gespräche geführt worden mit dem Ziel, die Aufgabenbereiche zu verteilen. Denn mit dem Einsetzen des Flüchtlingsstroms 2015 seien zum ursprünglich definierten Sozialreferat qualitativ und quantitativ völlig neue Aufgaben hinzugekommen. In der öffentlichen Sitzung am Mittwochabend im Rathaus stellte Seifert die Lösung vor.

Um der Geschäftsordnung formal gerecht zu werden, die neben anderen Referaten auch das für Soziales vorsieht, bleibt Zweiter Bürgermeister Hans-Jürgen Schuster kommissarisch Sozialreferent. Er war nach Munklers Ausscheiden schon übergangsweise eingesprungen. Weil Schuster offiziell Referent bleibt, muss das kommunale Regelwerk nicht bürokratisch aufwendig umgeschrieben werden.

Den Seniorenbereich decke ab sofort bis zum Ende der Legislaturperiode, also bis April 2020, Renate Schuderer ab. Die frühere Bürgermeistersekretärin gehört ohnehin seit vielen Jahren zum engen Kreis des Organisationsteams des Seniorenprogramms der Marktgemeinde und arbeitet dafür auch stundenweise im Rathaus. Für die Priener Senioren ändere sich also in der Praxis nichts, freute sich der Bürgermeister.

Der große Bereich Asyl sei am schwersten zu besetzen gewesen, verriet Seifert. Nach Vorgesprächen mit den drei Helferkreisen, die in Prien aktiv sind, wurde aus deren Reihen Grünen-Gemeinderätin Gabriele Rau vorgeschlagen. Sie ist nun die neue Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um den Themenkomplex Asyl, Flüchtlinge und Integration.

Renate Hof hilft in Vorweihnachtszeit

Um die Belange der Behinderten kümmert sich jetzt Marie-Luise Ganter. Dies sei ein „Knochenjob“, würdigte Seifert die Bereitschaft der SPD-Gemeinderätin, sich zum Beispiel mit vielen rechtlichen Fragen auseinanderzusetzen, wenn es um den barrierefreien Umbau von Bushaltestellen geht.

Ein „Comeback auf Zeit“ konnte Seifert für den sensiblen sozialen Bereich verkünden. Die frühere Zweite Bürgermeisterin Renate Hof, die für ihre vielen sozialen Verdienste 2014 zur Ehrenbürgerin ernannt worden war, habe sich bei seinem Besuch spontan bereit erklärt, sich über Weihnachten dieser Aufgabe anzunehmen. Da Hof noch über viele Kontakte vernetzt sei, könne sie diese Arbeit ohne Anlaufzeit übernehmen. In Prien ist es Tradition, dass in der Vorweihnachtszeit arme Bürger von einem Vertreter der Kommune Besuch bekommen und unterstützt werden, „damit sie heizen und sich vielleicht auch mal was leisten können“, wie es Seifert umschrieb. Weil sich diese Menschen oft schämen, ihre Situation preiszugeben, habe gerade diese Aufgabe, die Hof nun für einige Wochen übernimmt, „extrem viel mit Vertrauen zu tun“.

Um solche sozialen Härtefälle, die übers Jahr an die Gemeinde herangetragen werden, sollen sich dann im Verbund Schuster und Yvonne Hoda vom Sozialamt im Rathaus kümmern, ergänzte Seifert auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung die mittelfristige Lösung.

Das Gesamtpaket kommentierte die ausgeschiedene Sozialreferentin sehr positiv: „Es freut mich sehr, dass die Arbeit aufgeteilt wird, weil sie sonst nur schwer zu schaffen ist. Die Aufgaben sind in sehr guten Händen“, sagte Munkler, die ihr Ehrenamt vor allem aus Zeitgründen abgeben musste, nachdem sie wieder voll ins Berufsleben einsteigen will.

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