Prien – Am Ende stand eine Mehrheitsentscheidung für die Umbenennung. Sechs CSU-Räte stimmten dagegen. Sie verbanden mit dem Zusatz „Jugendzentrum“ Erinnerungen an einen berüchtigten Priener Treffpunkt in den 1970er-Jahren, wo reichlich Alkohol geflossen und auch Drogen konsumiert worden sein sollen. Das Gebäude in Stock sei irgendwann abgebrannt, die Ursache für das Feuer wurde nie bekannt, so zumindest erzählte es ein CSU-Rat der Chiemgau-Zeitung.
Die Mehrheit fand indes, dass die 70er-Jahre lange her seien und die heutige Jugend solche Assoziationen deshalb nicht mehr haben wird. Werner Waap (BfP) fand Sasses Vorschlag „kurz und knackig“. Bürgermeister Jürgen Seifert fand zweimal Prien im Namen des Guten etwas viel und plädierte zunächst für den Zusatz „Zentrum der Jugend“.
Sasses spontanen Alternativvorschlag „Jugendhaus“ wiederum brachte Thomas Ganter (SPD) mit Frauenhaus oder gar Freudenhaus in Verbindung. Für ih nsei „Zentrum“ nicht negativ besetzt.
Martin Aufenanger (FWP) Brachte die Variante „Jugendraum“ ins Spiel. „Das drückt aus, dass wir der Jugend Raum geben“, argumentierte er. Sasse indes fand „Raum“ einengend, denn das „PrienaYou“ (Dieser Vorschlag stand übrigens nicht zur Debatte, nur der Namens-Zusatz) wolle sich offen darstellen und die vielfältige inhaltliche Arbeit, die Sasse seit ihrem Dienstantritt vor fast einem Jahr angestoßen hat, würde nach ihrer Auffassung durch den Begriff „Raum“ eingeengt. Die Aktivitäten dem Gremium vorzustellen hatte die Verwaltung bei der Vorbereitung der Sitzung nicht vorgesehen. Die Leiterin bot an, dies zeitnah in 2018 nachzuholen.
Die Alternative „Haus der Jugend“, die Seifert noch in den Raum warf, war schnell vom Tisch, als die Leiterin das mit Einrichtungen in der ehemaligen DDR in Verbindung brachte. Auch die Zusätze „-kreis“ oder „-ring“, die Gabi Rau (Grüne) noch ins Spiel brachte, fanden kein Gehör.
Tobias Ihm fand Sasses Vorschlag „einleuchtend“ und plädierte trotz absehbarer Widerstände dafür, darüber abstimmen zu lassen. Das ließ Seifert dann auch. Gegen sechs CSU-Stimmen wurde die „T-Stube“, die in ihrer Grundzeit im Ludwig-Thoma-Haus ursprünglich „Teestube“ hieß, weil es dieses Heißgetränk dort gab, in „PrienaYou“ umgetauft.
Der Name nehme Bezug auf Prien, knüpft an bestehende Einrichtungen wie das Prienavera an und beziehe sich mit dem „You“ direkt auf die Jugend und „transportiert eine ,Du-orientierte‘, zugewandte, offene Grundhaltung“, hatte Sasse ihren Vorschlag schriftlich begründet.
Das „Zentrum“ im Zusatz wiederum solle das Haus am Kreisel von den kleineren Jugendtreffs der Umgebung abgrenzen, weil das „PrienaYou“ inhaltlich, organisatorisch und zahlenmäßig ein höheres Gewicht habe. Es habe zwei hauptamtlich Beschäftigte (neben Sasse Eva Schönberger), eine Bufdi-Stelle, regelmäßig etwa 50 jugendliche Besucher und durchgehende Öffnungszeiten.
Sasse war zunächst kommissarische Leiterin. Nachdem der Markt Prien den Arbeitsvertrag mit der lange erkrankten Vorgängerin auflösen konnte, übernahm sie am 1. Oktober die Stelle auch offiziell. Kurz danach konnte ein neues Atelier/Werkstatt für Malerei, Zeichnen, Plastisches Gestalten und Töpfern eingeweiht werden. Jeden Donnerstag und Freitag Nachmittag kommt eine Künstlerin und leitet die Jugendlichen an.
Etabliert hat Sasse inzwischen das „Multikultikochen für Frauen und Mädchen aus aller Welt“.
In der Vorweihnachtszeit gibt es mehrere Strick- und Häkelworkshops. Demnächst entsteht laut Sasse im Keller ein Probenraum für eine im Aufbau befindliche Band.
Jahresprojekt „Chiemseemonster“
Bis Sommer 2018 läuft das Jahresprojekt „Chiemseemonster“, wo die Jugendlichen mit professioneller Unterstützung aus verschiedenen Perspektiven dem Thema Seeungeheuer auf den Grund gehen: Schwemmhölzer und andere Uferfundstücke verwandeln sich zum Beispiel durch minimale Eingriffe in Chiemseemonster. Die kreativen Ergebnisse der „Chiemseemonster“-Aktionen sollen 2018 in einer Ausstellung präsentiert werden.
Als ständige Ausstellung soll im PrienaYou ein Aquarium bestückt und darin selbst kreierte Chiemseemonster gezeigt werden. Sasse sucht derzeit einen Spender eines Aquarienbeckens.
Seifert lobte Sasse in der Sitzung für deren bisherige Arbeit. Sie habe in der Zeit ihrer Verantwortung aus dem Haus mit einem „darnieder liegenden Ruf“ wieder einen gut besuchten und beliebten Treffpunkt gemacht. Für die Einrichtung und ihre Angebote wirbt die neue Leiterin auch bei einer „Tournee“ durch die örtlichen Schulen, die Anfang 2018 fortgesetzt wird.