Prien – Mit einer Fragebogenaktion hatte der Markt Prien im Frühjahr 1977 das Interesse abgefragt. Die positive Resonanz war groß. „Eine Musikschule für Prien“ titelte die Chiemgau-Zeitung im Sommer des gleichen Jahres, als der Marktgemeinderat die Gründung beschloss, damals noch als Unterabteilung der Volkshochschule. Im Oktober begann der Unterrichtsbetrieb im Ludwig-Thoma-Haus, das heute zum Gymnasium gehört, mit 170 Schülern.
Heuer sind es 505 fast ausnahmslos junge Menschen, die von 26 ausgebildeten Fachlehrkräften an verschiedenen Instrumenten ausgebildet werden. Nach Schulschluss ab 12.30 zum Teil bis nach 20 Uhr klingt es aus den Fenstern der denkmalgeschützten „Alten Post“ in unterschiedlichsten Tönen nach draußen.
Brigitte Buckl, seit 1995 Leiterin der Musikschule Prien, war schon 1977 bei der Gründung als Schülerin am Akkordeon und auf der Zither dabei. Damals lenkte noch Rudolf von Loeben die Geschicke der Einrichtung. Ihm folgte 1981 Heinz Mühlbauer, als Star mit der Klarinette vielen besser unter seinem Künstlernamen Henry Arland im Gedächtnis. Er schied 1995 auf eigenen Wunsch aus. Zwei Jahre zuvor hatte er mit seinen Söhnen Hansi und Maxi die volkstümliche Hitparade mit der selbstkomponierten „Rosenmelodie“ gewonnen und war seitdem mit Auftritten in Funk und Fernsehen sehr beansprucht. Buckl trat in seine Fußstapfen und leitet die Musikschule bis heute.
Dass diese Einrichtung immer ein Zuschussbetrieb sein wird, war schon 1977 den damals politisch Verantwortlichen bewusst. Bis heute tragen Prien und Nachbargemeinden, aus denen auch Musikschüler kommen, mit Zuschüssen einen Teil der Personalkosten. Das wiederum trägt dazu bei, dass die Unterrichtsgebühren bezahlbar blieben. Alle paar Jahre werden sie moderat angehoben. Das beschließt der Vorstand. Im September 2018 werden die Gebühren nach der jüngsten Entscheidung in der Mitgliederversammlung demnach um durchschnittlich 3,5 Prozent angehoben.
Mit dem Modell unter dem Dach eines Vereins gehört die Priener zur Minderheit der Musikschulen in Deutschland. Die Mehrheit ist in der Hand der jeweiligen Kommune. Das hat Vorteile bei der Bezahlung der Lehrkräfte, die als Angestellte dann in den Genuss von Zusatzleistungen kommen und erleichtert es so, solche Fachkräfte zu finden.
Schwierige Lehrersuche
bis nach Österreich
Buckl muss nicht selten ihre Fühler bis nach Salzburg ausstrecken, um neue Lehrkräfte zu bekommen, die den qualitativen Ansprüchen genügen, also mindestens vier Jahre studiert haben, und bereit sind, für einen Stundensatz zwischen 23 und 26 Euro in Prien zu unterrichten.
Die treueste Seele unter den Musiklehrern ist Gabi Reiserer. Sie ist seit 1977 dabei. Aber auch Buckl und Manfred Mokros wechselten schon bald nach der Gründung hinters Lehrerpult beziehungsweise den Notenständer. Inzwischen gehören auch Musiker zum Kollegium, die in den 1970er-Jahren als Kinder erste Erfahrungen mit Instrumenten machten.
Die Ausstattung der Musikschule war in den Anfangsjahren vergleichsweise bescheiden. Die Schule startete zum Beispiel ohne jegliche Leihinstrumente. Heute sind es Buckl zufolge weit über 200 Instrumente, die Schüler ausleihen können, wenn ihren Familien die Anschaffung zu teuer ist.
Für solcherlei Ausstattung der Schule zeichnet oft der eigene Förderverein verantwortlich, in dessen Mitgliederverzeichnis sich viele ehemalige Schüler finden.
Aus den Reihen der Priener Talentschmiede gingen auch zahlreiche preisgekrönte und erfolgreiche Musiker hervor. Josef Steiner, Florian Aß, die Berger und die Schlosser Dirndl, die Rosenwink Musi oder die „Monsters of Groove“ sind Interpreten, die in der Gegenwart für höchste musikalische Qualität stehen, um nur einige exemplarisch zu nennen, die auch für die große musikalische Bandbreite der Ausbildung in der „Alten Post“ stehen.