chiemgauer im Porträt

Für Prince die Hits gemischt

von Redaktion

Wer persönlicher Toningenieur eines Rockstars ist, hat nicht mehr viel Zeit für anderes. Davon kann Hans-Martin Buff ein Lied singen. Vier Jahre arbeitete er eng mit Prince in dessen Studio in Minneapolis zusammen. Heute ist der 48-Jährige selbstständig und lebt in Rimsting.

Rimsting – Manchmal passieren die Dinge einfach. Wie an dem Tag, als morgens um 8 Uhr Prince ins Studio kam. „Er hat ein bisschen auf der Gitarre rumgespielt und gefragt, ob ich Zeit habe“, erinnert sich Hans-Martin Buff. Er hatte Zeit. Viel Zeit. Fünf Songs nahmen die beiden an diesem Tag auf – teils sind sie auf dem Album „Emancipation“, teils bis heute unveröffentlicht. In Prince‘ Studio „Paisley Park“ hatte Buff damals schon einige Zeit gearbeitet, den berühmten Musiker aber zuvor immer nur kurz gesehen.

Klangliches Rundum-Sorglos-Paket

Am Ende des langen Tages war der Meister zufrieden, und der Deutsche fortan sein persönlicher Toningenieur, zuständig für das „klangliche Rundum-Sorglos-Paket“. Eine Herausforderung bei einem Sänger und Multiinstrumentalisten, der die meisten seiner Songs im Alleingang bestritt, alle Instrumente selber spielte, jede Stimme selber sang und immer genau wusste, was er will.

24 Stunden am Tag war Buff für Prince „on call“ – bei Anruf ging es an die Arbeit. Am Ende jedes Studiotages brannte er eine CD mit den Aufnahmen des Tages und gab sie am Wärterhaus vor Prince‘ Wohnhaus ab. Einmal legte er eine Nachricht bei: Prince solle sich beim anstehenden Konzert in Stuttgart Mühe geben, seine Eltern seien im Publikum. Als Antwort folgte die Einladung, mitzufliegen. Doch dazu kam es nicht. Mangels Zeit.

114 Wochenstunden hatte die längste Arbeitswoche in den „Paisley Park“-Studios. Sie war flankiert von mehreren 90-Stunden-Wochen. „Ich habe mit ihm mehr Zeit verbracht als mit meiner Frau“, erzählt Buff. Dass er tatsächlich einen freien Tag hatte, wusste er immer erst hinterher, wenn dieser schon vorbei war.

Für seinen Job brachte er genau die richtigen Eigenschaften mit. „Er kann was und steht mir nicht im Weg, wenn ich kreativ sein muss“, schildert Buff, was Prince bei seinen engen Mitarbeitern schätzte.

Als „Mischung aus Mozart, Charlie Chaplin und Corleone von ,Der Pate‘“, beschreibt er den exzentrischen Künstler, der tagtäglich so gestylt und geschminkt ins Studio kam, wie man ihn von Fotos kennt – leger bekam er Prince nie zu Gesicht. Er sei keine Kunstfigur gewesen, sondern so, wie er eben war.

Und der Künstler kümmerte sich um seine Leute. Als Buff ihm einmal vor Konzertbeginn seine Frau Patti vorstellte, äußerte er ein paar lobende Worte über den Gatten, spielte die ersten Takte seines folgenden Auftritts speziell für sie und sorgte dafür, dass der Hochschwangeren auch ja ein Stuhl seitlich der Bühne parat gestellt wird.

Eine Begebenheit, von der Buff einige Jahre zuvor als beginnender Radiojournalist im schwäbischen Biberach nicht mal geträumt hätte. Journalismus war der falsche Beruf. Der gebürtige Garmischer zog nach Berlin, studierte kurz, wusste nicht recht, welchen Weg er gehen sollte. Auf Besuch bei Freunden in Minneapolis war es großartig, zu Hause nicht.

Wie es der Zufall wollte, war der Heimflug aus den USA überbucht – dafür, dass er auf seinen Platz im Flieger verzichtete, bekam er ein Gratisticket mit frei wählbarem Ziel. Nach ein paar Monaten zum Geldverdienen in einer Fabrik reiste er damit zurück nach Minneapolis – diesmal, um zu bleiben. Einmal an einer Schule für Toningenieure angenommen, war er angekommen. Vom ersten Tag an fühlte er sich „wie ein Fisch im Wasser“.

An seinem ersten richtigen Arbeitstag 1993 lernte er seine spätere Frau Patti kennen. Eine Zeitlang assistierte er in verschiedenen Studios, dann fing er – schon immer Prince-Fan – in dessen Studio an. Seine Musik gefällt dem 48-Jährigen noch immer. Nur, so erklärt er, sei sie ihm so vertraut, dass er sie inzwischen nicht mehr entspannt hören kann. Nach vier Jahren reichte es. Beiden Seiten. „Ich hab gekündigt, und er hat mich rausgeschmissen“, erzählt Buff. Zu intensiv sei es gewesen, um für immer zu sein.

Die großen Musikzentren der USA – New York, Nashville, Los Angeles – reizten die Familie, die es inzwischen war – ein Kind da, ein zweites unterwegs – nicht als Lebensmittelpunkt. 2001 wagten sie den Schritt nach München, wo Buff sich selbstständig machte und schnell spürte: „Der Nimbus des persönlichen Prince-Mitarbeiters macht jede Tür auf“. Und das ist heute noch so. Davor sei er ein „freundlich beäugtes Tonbüfflein im Studiokosmos von Minneapolis“ gewesen, danach war er wer. Zwei seiner größten Kunden sind seit der Rückkehr aus den USA Musikproduzent Mousse T. und die „Scorpions“.

Nach Rimsting kamen die Buffs, als Freunde von dort nach Berlin zogen und sie deren Wohnung übernehmen konnten. Der Chiemgau ist zwar nicht gerade der Nabel der Musikindustrie, aber viel kann der Toningenieur im technisch bestens ausgerüsteten heimischen Arbeitszimmer erledigen. Dennoch ist er oft unterwegs. Zuletzt im Studio der „Scorpions“ bei Hannover, dann in Minneapolis, dann in Dänemark, dreimal in London – davon zweimal in den berühmten Abbey Road Studios, wo schon die „Beatles“ ihre Platten aufnahmen – nochmal in Hannover und schließlich in Mailand. „Ob ich in München nicht daheim bin oder in Rimsting – das ist doch egal“, findet er. Gerne sei er unterwegs, gerne komme er immer wieder nach Hause.

Tod des Stars machte ihn zum Zeitzeugen

Auch wenn die Zeit der Zusammenarbeit lange her war – als Prince am 21. April 2016 starb, wurde der Rimstinger mit Anrufen, E-Mails und Textnachrichten überschwemmt. Schlagartig war er zu einem Zeitzeugen geworden. Wenn er andere trifft, die mit dem Ausnahmekünstler eng zusammengearbeitet haben, eint alle dasselbe: Die Loyalität und Liebe zu Prince. Und alle sind sich dann einig: „Er war der Geilste von allen.“

In seiner Kolumne „Crosstalk“, die er monatlich für die Fachzeitschrift „Sound and Recording“ schreibt, verabschiedete sich Hans-Martin Buff in einem Nachruf von seinem „Lehrmeister, Spieß, Idol, gelegentlichen Albtraum und manchmal sogar Freund“.

Prince

Der am 21. April 2016 mit 57 Jahren verstorbene Prince Rogers Nelson war US-amerikanischer Sänger, Komponist, Songwriter, Musikproduzent und Multiinstrumentalist. Er war seit 1978 im Musikgeschäft tätig und beeinflusste vor allem in den 80er-Jahren die internationale Musikszene, indem er unterschiedliche Musikgenres miteinander kombinierte. International schaffte er den Durchbruch 1984 mit der Single und dem Album „Purple Rain“ zum gleichnamigen Film, in dem er auch die Hauptrolle spielte. Zu Lebzeiten wurden weltweit mehr als 100 Millionen seiner Tonträger verkauft, und Prince gewann sieben Grammy Awards, 1985 einen Oscar und 2007 einen Golden Globe Award. 2004 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

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