Zum Leserbrief „Willkommener Schuldiger“ von Jürgen Pohl und zum Bericht „Kritischer Kormoranbestand“ im Lokalteil der Chiemgau-Zeitung:
Den Ausführungen des Herrn Pohl muss widersprochen werden. Bei einer Anzahl von angenommen „nur“ 100 Brutpaaren am See sind das 200 Vögel, ohne die noch nicht brütenden Jungvögel. Die wirkliche Zahl ist wesentlich größer. Aber bleiben wir bei mindestens 200 Kormoranen, um die „Tonnen“-Frage zu beantworten. 200 x 500 Gramm pro Tag sind 100 Kilo. Übers Jahr ergeben sich 36,5 Tonnen Entnahme an Fischen, vorwiegend Renken. Den Schaden durch zerrissene Netze und nicht berücksichtigte Jungvögel, plus schwer verletzter Fische durch Schnabelverletzungen nicht eingerechnet.
Wenn die Population konstant bzw. geschrumpft ist, zeigt es doch den Erfolg der letalen Vergrämung. Die Forderung seitens der Fischer nach angepasster Reduzierung des Gänsesägers und mancher Reiher schließt nicht automatisch den Abschuss von Eisvogel, Möwen, Greifvögeln und seltenen Reihern ein.
Die Berufsfischer fingen 2016 nicht 110000 Tonnen Renken, sondern 110 Tonnen. Was den Bodensee betrifft: Hier wird versucht, Phosphateintrag zu verhindern oder zu unterbinden, um Trinkwasser für den Großraum Stuttgart zu gewinnen. Die Fischer zahlen die Zeche.
Ihre Behauptung, die Äsche hätte auch ohne Kormoran keine Chance zum Fortbestand, wird allein durch die Tatsache widerlegt, dass in Vergrämungsstrecken diese Fische wie früher nachgewiesen werden.
Sie zweifeln Zählungen, fachliche und wissenschaftliche Untersuchungen grundsätzlich an und schlagen vor, sich bei „Fachstellen“ ausführlich zu informieren und die „andere“ Seite anzuhören. Wer ist die andere Seite? Etwa verbohrte und selbst ernannte sogenannte Natur- und Vogelschützer?
Die 17 Berufsfischerfamilien versorgen aber auch Millionen von Gästen und Einheimische mit dem wertvollen und unbelasteten Nahrungsmittel Chiemseefische.
Josef Haiker
Vorsitzender des
Anglerbundes Chiemsee
Siegsdorf