Marquartstein – Die Idee für diese Zeitreise stammte vom künstlerischen Leiter Konrad Müller; zusammen mit seiner Kapelle setzte er sie temperamentvoll um. Zuerst aber gehörte die Bühne der Jugendkapelle Marquartstein. Sie wird momentan ebenfalls von Konrad Müller geleitet, der Rupert Kamhuber vertritt.
Mit „Trumpet Voluntary“ von Jeremiah Clarke eröffneten die 19 Musiker pompös – das Werk erklang schon bei der Hochzeit von Charles und Diana. Ähnlich temperamentvoll zeigte sich der Nachwuchs bei der Suite „Fanfare, Canto & Danza“ von Fritz Neuböck und „Pomp and Circumstances“ von Edward Elgar. Ein echtes Schmankerl war „Auf zum Tanz“; diese Polka hatte die Hauptkapelle vor einigen Jahren mit dem Komponisten Franz Watz persönlich einstudiert. Bevor sich die Jugendkapelle mit „Punta Cana“ lateinamerikanisch locker verabschiedete, erhielten die Querflötistin Muriel Claßen und der Posaunisten Veit Bachmann das bronzene Musikerleistungsabzeichen D1.
Dann nahm die Musikkapelle Marquartstein ihre Zuhörer mit in die silberne Operettenära, jene wirtschaftliche Blütezeit der Wiener Operette zwischen 1900 und 1920. Als einer der Begründer dieser Ära gilt Franz Lehár. Mit der Ouvertüre zu Lehárs Welterfolg „Die lustige Witwe“ und seinem Walzer „Gold und Silber“ präsentierte die Kapelle zwei eingängige und mitreißende Werke des Komponisten. Bei dem Stück „Verträumtes Flügelhorn“ nahmen sich die Musiker zurück und gaben dem sanften Klang des Flügelhorns von Solist Maximilian Worch Raum. Der erst 17-Jährige Rottauer schaffte es, mit seinem gefühlvollen Spiel das Publikum zum Träumen zu bringen.
Den zweiten Teil des Abends eröffneten die Musiker klanggewaltig mit Franz von Suppés Ouvertüre zu „Das Pensionat“. Von Suppé hat die „Goldenen Operettenära“, wie die Zeit der Wiener Operette von etwa 1860 bis ungefähr 1900 heißt, maßgeblich geprägt.
Den Zuhörern besonders im Gedächtnis bleiben wird das Werk „Feuerfest“, eine Polka Française, die Josef Strauss speziell für Schmiede und Schlosser geschrieben hat. Schlagzeuger Wolfgang Meingast schlüpfte hier als Solist in die Rolle des Schmieds und gab mit einem echten Amboss und zwei Hämmern den Takt vor.
Nach dieser heiteren Einlage trat Vorsitzender Michael Oberressl mit feierlichem Gesicht auf die Bühne. Heute habe er eine ehrenvolle Aufgabe, verkündete er, denn er dürfe gleich vier Musikanten für sage und schreibe 40 Jahre aktive Mitgliedschaft auszeichnen: Michael Weiser, Christian Dögerl, Stefan Dögerl und Dieter Gehmeier. Oberressl dankte ihnen für ihre Treue und ihr Engagement. Dieter Gehmeier wünschte er gleichzeitig alles Gute für die Zukunft, denn: „Das zu sagen fällt mir jetzt nicht leicht, aber er hat heute nach 40 Jahren seinen letzten Auftritt.“
Die sehr feierliche Stimmung trug die Musikkapelle mit dem stimmungsvollen und etwas wehmütigen „Kaiserin-Sissi-Marsch“ von Timo Dellweg gekonnt in den weiteren Abend.
Sodann ließen sie ihren Zuhörern mit einem Walzer von Ernst Mosch den frischen „Böhmischen Wind“ um die Nase wehen.
Über frischen Wind freute sich auch die Musikkapelle selbst: Seit kurzem wird sie verstärkt durch Elisabeth Egger (Klarinette), Julian Halder (Schlagzeug), Christian Hell (Tuba).
„Wenn ihr mehr wollt, müsst ihr euch schon etwas anstrengen,“ forderte Dirigent Konrad Müller die Konzertbesucher auf, als er mit dem bekannten Marsch „Furchtlos und Treu“ von Militärkapellmeister Julius Fucik das letzte Stück ankündigte.
Kaum war der letzte Ton verhallt, erklang tosender Applaus, für den sich die Blaskapelle bei den Zuhörern mit „Unter Donner und Blitz“ von Johann Strauß und dem „Alt-Starhemberg-Marsch“ von Hermann J. Schneider bedankte.fem