Gstadt – Traumhaft schön ist die „Lienzinger Filze“, ein rund 180 Hektar großes Moor in der Gemeinde Gstadt. Im Rahmen des vom Freistaat aufgelegten „Kulturschutzprogrammes Bayern 2050“ will der Landkreis Rosenheim nun Renaturierungen vornehmen. Das Ziel: Er möchte das Nieder- wieder in ein Hochmoor umwandeln, das früher dort gegeben war. Das Interesse an einer Info-Veranstaltung der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Rosenheim war sehr groß.
Wie andere Moore hatte auch die Lienzinger Filze in früheren Zeiten Schaden genommen: Torfstecher gingen zu Werke. Sie legten Entwässerungsgräben an – womit sie dem Moor die Lebensgrundlage entzogen. Und sie holten sich Torf über Torf aus der Filze. Das Hoch- verwandelte sich in ein Niedermoor. Noch heute sind die Spuren sichtbar. Und der Staat will jetzt den früheren Zustand wieder herstellen: Renaturierungen sind geplant.
Rund 110 Bürger, größtenteils Grundbesitzer in der Lienzinger Filze, besuchten die Aula des Gemeindehauses in Gollenshausen. Die beiden Referentinnen Barbara Gänzle und Veronika Feichtinger zeigten den Weg auf, wie man die Flächen zu einer faszinierenden Moorlandschaft mit nassen Senken umgestalten und die Rückentwicklung zu einem teilweise baumfreien Hochmoor anstoßen kann.
Geplant ist laut Gänzle und Feichtinger eine maßvolle Entfernung von Fichtenbeständen, Laubhölzer wie Kiefern und Latschen bleiben überwiegend bestehen. Beabsichtigt sei der Verschluss der Entwässerungsgräben innerhalb der Renaturierungsmaßnahmen, damit der Wasserstand – und damit das Moor – wieder wachsen kann. Das Hauptgrabensystem bleibe unverändert, bei Hochwasser fließe das Wasser wie bisher ab.
Nach Angaben der Fachleute aus dem Landratsamt erfolgt keine Vernässung angrenzender Wege, Wiesen oder Waldflächen, es entstehen keine großen offenen Wasserflächen im Moor. Der natürliche Wasserhaushalt werde wieder hergestellt. Ziel sei, dass das Moor wächst und eine Höhe erreicht, die es in früheren Zeiten einmal besessen hat. Damit werde der Artenvielfalt, den seltenen Tier- und Pflanzenarten wieder ein größerer Lebensraum zurückgegeben. Klimaschädliche Treibhausgase werden um mehrere Tonnen pro Hektar und Jahr reduziert, erklärten die Referentinnen.
Gänzle sagte auch, dass sich durch die Renaturierungsmaßnahmen auch die „Pufferwirkung“ im Falle von Starkregen verbessere: Es ergebe sich ein verzögerter Regenwasserabfluss aus dem Moor.
Die Kosten für die Renaturierung trägt der Freistaat Bayern. 90 Prozent der Ausgaben für den Flächenkauf und 100 Prozent der Aufwendungen für die ökologischen Aufwertungsmaßnahme übernimmt er laut Gänzle. Sie teilte auch mit, dass der Landkreis in den Jahren 2007 und 2008 bereits Flächen – aber nur einzelne, „kleine Stückerl „ – habe erwerben können. Finanzmittel aus dem Klimaschutzprogramm stünden jetzt bereit, um Moorflächen in der Lienzinger Filze zu kaufen, zu pachten oder durch eine Grunddienstbarkeit für eine künftige ökologische Aufwertung zu sichern.
Von der Möglichkeit zur Diskussion machten die Besucher der Veranstaltung regen Gebrauch. Gstadts Bürgermeister Bernhard Hainz erklärte, dass der Gemeinderat beschlossen habe, keine Flächen zu kaufen.
Gänzle teilte der Chiemgau-Zeitung am nächsten Tag mit, dass zu ihrer Freude gleich zwei Eigentümerinnen angerufen und angeboten hätten, Flächen zu verkaufen.