Traunstein – Der Aufsichtsratsvorsitz ging in der Jahreshauptversammlung im „Poststall“ Teisendorf für die nächsten zwei Jahre vom Traunsteiner Landrat Sigi Walch an seinen Berchtesgadener Amtskollegen Georg Grabner über.
2013 war der Tiefpunkt. Da waren die Kliniken mit einem Jahresergebnis von minus 8,823 Millionen Euro quasi mit dem Rücken zur Wand gestanden. Seither hat sich das Ergebnis kontinuierlich verbessert – 2014 waren es minus 6,777 Millionen, 2016 minus 600000 Euro.
In dem harten, schwierigen Konsolidierungs- und Sanierungsprozess sei „eine Reihe von Baustellen abgearbeitet“ worden. Nun habe man wieder Raum für die Gestaltung der Zukunft. „Wir wollen ja nicht stehen bleiben, sondern unsere Kliniken weiter entwickeln“, so Grabner.
Ein Einbruch wie vor einigen Jahren dürfe nicht mehr passieren, ergänzte Walch. „Wir müssen auf diesem Kurs bleiben und alle sechs Standorte halten, im Sinne der Arbeitsplatzsicherheit für die Mitarbeiter.“ Beide bekannten sich auch zur kommunalen Trägerschaft und versprachen Unterstützung bei anstehenden Investitionen.
Die Landräte und der geschäftsführende Vorstand sind sich einig, dass die Fusion der richtige Schritt war. Unisono zollten sie den Beschäftigten großes Lob und Respekt für ihre engagierte und hervorragende Arbeit und das Mittragen des Konsolidierungsprozesses. Auch die Zahl der Patienten stieg: 1,5 Prozent mehr im stationären und über sieben Projekt mehr im ambulanten Bereich.
Der „Verbundgedanke“ ist für Dr. Gretscher Grundlage für den Erfolg. Zukunftsaufgaben seien die intensive weitere Arbeit an den Strukturen, etwa die Abstimmung zwischen den Berufsgruppen, um die Patienten noch effektiver versorgen zu können, die Digitalisierung und Einbeziehung künstlicher Intelligenz zur Entlastung der Mitarbeiter bei komplexen Prozessen sowie Baumaßnahmen. Sanierungs-, Erweiterungs- und Umbauarbeiten seien in Ruhpolding und Traunstein, später auch in Bad Reichenhall geplant.
Heuer insgesamt 180 neue Mitarbeiter nötig
Eine große Herausforderung wird es, neue Mitarbeiter zu gewinnen. Bereits 2017 wurden etwa 100 Vollkräfte neu eingestellt. Wegen der heuer erwarteten neuen gesetzlichen Regelung der Mindestbesetzung – eine Vollkraft im Nachtdienst darf dann nicht mehr elf, sondern nur noch neun Patienten betreuen, und eine Intensivkraft statt bis zu vier nur noch zwei Patienten – sind laut Vorstand Elisabeth Ulmer allein in Traunstein 90 Vollkräfte zusätzlich nötig, in den restlichen Kliniken weitere 90.
Die niedrige Mitarbeiterfluktuation freut Ulmer. „Wir investieren viel in die Fort- und Weiterbildung“, betont sie. Dies komme gut an und stärke die Mitarbeiterbindung. Auch die Krankenpflegeschule in Bad Reichenhall werde im Oktober wieder eröffnet. „Unsere Arbeitsplätze sind sehr sicher und konjunkturunabhängig“, ergänzt Gretscher. Dass der Kreis Traunstein ein Personalwohnheim mit kostengünstigem Wohnraum schafft, sieht Sigi Walch als Plus bei der Anwerbung von Personal. Ein Problem bleibt, dass die gesetzlich vorgeschriebene Preissteigerung für Krankenhausleistungen hinter den Tariferhöhungen – heuer 3,2 Prozent und bis 2020 über 7,5 Prozent – zurückbleibt.