Infoabend von fünf Fraktionen zur Jugendherberge

Keine Alternative zu Osternacher Straße

von Redaktion

Vertreter von fünf der sechs Gemeinderatsfraktionen haben sich in einer Infoveranstaltung am Donnerstagabend eindeutig zum Neubau einer Jugendherberge an der Osternacher Straße bekannt. Der Standort sei „alternativlos“, hieß es. Den Gegnern wurden unter anderem gezielte Desinformation und mehrfach auch Lügen vorgeworfen.

Prien – Am 13. Mai haben die Priener die Wahl. In zwei Bürgerentscheiden und einer Stichfrage können sie darüber entscheiden, ob auf einem 6500 Quadratmeter großen Grundstück an der Osternacher Straße eine neue Jugendherberge mit 200 Betten gebaut wird oder nicht. Im Marktgemeinderat sind die Fronten klar. 21 Räte unterstützen dieses Vorhaben, die vier Bürger für Prien- (BfP) Räte nicht. Sie haben mit Nachbarn ein Bürgerbegehren initiiert und werben nun mit dem Slogan „Für eine Jugendherberge, aber am richtigen Ort“ um Unterstützung. Hinter diesem Motto steckt ein Entwurf eines namentlich nicht genannten Architekten für einen Neubau im Atrium-Stil am Standort der alten Jugendherberge an der Carl-Braun-Straße.

Vertreter des Marktgemeinderats und des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) haben dieser Darstellung wiederholt und unmissverständlich widersprochen und BfP-Vorsitzendem Christoph Bach der Lüge bezichtigt. Klaus Löhmann (CSU) sagte zum Beispiel: „Es gibt keine Alternative in Prien zum Standort Osternacher Straße, alles andere ist gelogen.“

Eingangs hatte Dr. Helmut Wittmann aus Seeon, der seit über 40 Jahren ehrenamtlich in Gremien des DJH sitzt, den Initiatoren des Bürgerbegehrens eine „massive Desinformationskampagne“ vorgeworfen und dies mit Beispielen untermauert. „Die Gegner wissen sehr genau, dass das DJH am alten Platz aus pädagogischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Gründen nicht bauen kann und definitiv nicht bauen wird“, machte Wittmann deutlich. Das Grundstück ist kleiner, die Wohnbebauung über die Jahrzehnte immer dichter herangerückt.

Wittmann sprach mit Verweis auf eine Broschüre, die unter Bachs Namen seit einigen Tagen im Umlauf ist, von „bösartigen Unterstellungen“. Den dort abgebildeten Atrium-Entwurf für den alten Standort strafte er ab. „Das DJH hat über 100 Jahre Erfahrung, was Jugendliche brauchen, einen Kasernen- oder Gefängnishof sicher nicht.“

Wittmann und später DJH-Vorstand Michael Gößl versicherten zum wiederholten Mal, dass das DJH den Teil des Spazierwegs, der zwischen Carl-Braun- und Osternacher Straße auf dem Grundstück verläuft, die Organisation kaufen will, in einem Vertrag mit der Gemeinde verbindlich als Weg festgeschrieben werde und damit der Bau einer Straße als Verlängerung der Carl-Braun-Straße ausgeschlossen werde. Der Weg verläuft über mehrere Privatgrundstücke, eine vertragliche Regelung gibt es bisher nicht, die öffentliche Nutzung basiert auf dem guten Willen der Eigentümer.

Wittmann warf den Gegnern auch noch eine „Neidstrategie“ vor, weil dem DJH in der Broschüre ein „Millionengeschäft“ unterstellt werde. „Richtig ist: Das DJH ist bereit, als gemeinnützige Organisation rund 13,5 Millionen Euro in die soziale und touristische Infrastruktur der Gemeinde Prien zu investieren – und dies, ohne einen Cent Zuschuss von Seiten der Gemeinde zu erwarten“, erklärte Wittmann.

Sprecher der fünf Fraktionen, die den Abend veranstalteten, lieferten in kurzen Stellungnahmen unterschiedliche Argumente für das Vorhaben. Michael Anner (CSU) erwartet eine langfristige „Stärkung des Tourismus“. Thomas Ganter (SPD) verwies auf die Schaffung von 25 direkten und 50 indirekten Arbeitsplätzen. Peter Fischer (ÜWG) ist für die neue Herberge, „damit Prien weiterlebt. Das muss uns dieses kleine Sondergebiet wert sein“. Angela Kind (Grüne) verwies auf die „Vorbildfunktion“ der ökologischen Bauweise. Die 200 Betten sollen auf vier zweigeschossige Gebäude mit begrünten Flachdächern verteilt, im Außenbereich auch Retentionsflächen geschaffen werden. Martin Aufenanger (Freie Priener), auch Vorstand des Rudervereins, verwies auf die Schaffung günstiger Übernachtungsmöglichkeiten. Die Priener Vereine hätten große Probleme, beispielsweise Regattateilnehmer oder andere Sportler unterzubringen. Der Applaus zeigte, dass er nicht der einzige Vereinsvertreter im Saal war, der das so sieht. Auf einem Faltblatt, das auslag, werben etwa zwei Dutzend Priener Vereine namentlich für die Jugendherberge an der Osternacher Straße.

Anner erläuterte anhand von Plänen die Vorgeschichte des fraglichen Areals. Schon seit 1967 sei im Flächennutzungsplan, der eine Art Willenserklärung der politischen Gemeinde für ihre Entwicklung darstellt, die Option einer Bebauung zwischen Birkenweg und Osternacher Straße enthalten, seit 1995 für eine Nutzung für den Kur- und Tourismusbereich. Sorgen, nach der Jugendherberge könnten dort weitere Bauten folgen, trat er entgegen: „Wir werden mit diesem Bereich äußerst sensibel umgehen.“ Auch Aufenanger hatte darauf hingewiesen, dass Baurecht erst durch einen Bebauungsplan entstehe. Für die Herberge soll ein vorhabenbezogener Plan aufgestellt werden. Das Verfahren liegt wegen der bevorstehenden Bürgerentscheide auf Eis.

Ganter zeichnete den engen Dialog zwischen Gemeinderat und DJH im Vorfeld nach bis zum jetzt vorliegenden Entwurf. „Wir haben das DJH immer als ehrlichen Partner erlebt, der uns zuhört.“ Löhmann nahm den Faden auf und fand es an die Adresse der Gegner gerichtet „schade, dass man dem DJH nach fünf Jahren gemeinsamer Planung Erpressung unterstellt“.

In der Diskussion wurde Bach und seinen Mitstreitern zwei weitere Male vorgeworfen, die Unwahrheit zu sagen beziehungsweise zu verbreiten. DJH-Vorstand Gößl betonte erneut die Alternativlosigkeit des Standorts Osternacher Straße. „Jeder, der etwas anderes behauptet, der lügt.“ Zweiter Bürgermeister Hans-Jürgen Schuster (CSU) war es ein Bedürfnis „öffentlich zu sagen, dass in dieser Broschüre Lügen stehen“.

Der angegriffene Bach nannte es in einer kurzen Stellungnahme lediglich „hart“, als Lügner bezeichnet zu werden und kündigte an, in einer eigenen Veranstaltung Stellung nehmen zu wollen.

Dem Slogan des Bürgerbegehrens „zum Erhalt der freien Landschaft“ hielt unter anderem Aufenanger entgegen, dass das Grundstück, das bisher als Pferdeweide genutzt wurde, sogar vom Bund Naturschutz in einer Stellungnahme im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens nicht als schützenswerte Fläche eingestuft worden sei.

Dies bekräftigte auch der vom DJH beauftragte Priener Architekt Bernd Püschel mit Verweis auf eine artenschutzrechtliche Untersuchung, bei der keine schützenswerten Arten gefunden worden seien.

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