Traunstein – Mit sorgenvollen Mienen schauten die Verantwortlichen der Kammerer Festwoche am Sonntagfrüh nach oben: Dicke Regenwolken verhießen nichts Gutes für diesen Jubiläumssonntag. Als aber die ersten Busse eintrafen und ein Gastverein nach dem anderen zum Festzelt strebte, klarte es auf. Pünktlich zum Kirchenzug hatten sich die letzten Wolken verzogen. Der Arbeiter- und Burschenverein Kammer konnte sein 115. Gründungsfest unter strahlend blauem Himmel feiern.
Das schöne Wetter verleitete weder den Zelebranten, Pfarrer Helmut Bauer, noch die Grußwortredner zu ausschweifenden Betrachtungen. Die Kapelle „Boarisch Blech“ umrahmte die Messfeier auf der Wiese zwischen Kammer und Rettenbach mit der Schubertmesse und spielte wie schon an den ersten beiden Festtagen anschließend auch im Zelt auf, ehe am frühen Nachmittag die „Jung-Ottinger“ für die musikalische Unterhaltung sorgten. Der Altar war gesäumt von rund 40 Fahnen der teilnehmenden Vereine aus fünf Landkreisen.
„Fernweh kann man leichter verkraften als Heimweh.“ Mit diesen Worten eröffnete der Geistliche seine Predigt. Erst in der Ferne erkenne man, wie und wo man verwurzelt sei, wo man Beziehungen und Freundschaften pflege und wo es eine Dorfgemeinschaft gebe. Zu der gehörten auch die Vereine, die wie der heutige Jubelverein auf eine mehr als hundertjährige Tradition zurückblicken können.
Der Schirmherr der Festwoche, Oberbürgermeister Christian Kegel, ging kurz auf die ursprünglichen Aufgaben des Vereins bei dessen Gründung zu Beginn des letzten Jahrhunderts ein und auf dessen große Bedeutung als soziale Einrichtung für Arbeiter. Ebenso wie anschließend der stellvertretende Landrat Andreas Danzer würdigte er die Verantwortlichen für ihren Einsatz. Der symbolische Handschlag im Zentrum des Wappens der Arbeiter- und Burschenvereine sei ein starkes Symbol, sagte Danzer. Namens des Landkreises und auch im Namen von Landrat Siegfried Walch gratulierte er, ehe Pfarrer Bauer mahnte: „Die Pferde scharren schon mit den Hufen. Es wird Zeit für den Segen.“ Den erteilte er den Gläubigen, die sich dann auf den Festzug hinauf nach Kammer und von dort zurück zum Zelt in Rettenbach machten. In gemütlicher Runde klang der Festsonntag dort bei zünftiger Musik aus.
Gemeinsamer Festabend
Tags zuvor hatte der Festabend stattgefunden, den der Arbeiter- und Burschenverein zusammen mit der Feuerwehr Kammer feierte. Diese begeht am Sonntag, 13. Mai, ihr 150. Gründungsfest. Alle Akteure verzichteten bei diesem Festabend auf lange Reden. Die beiden Vereinsvorstände schafften es, in zusammen nur zehn Minuten einen kurzen Abriss über die Geschichte ihrer Vereine zu geben. Etwa genauso lange brauchte Oberbürgermeister Kegel, um die Leistungen der beiden Vereine für die Dorfgemeinschaft und die Allgemeinheit zu würdigen. Neben dem Musikprogramm mit „Boarisch Blech“ und der „Schlenkl-Musi“ ließen die „AlzTrauner Goaßlschnalzer“ ihre Peitschen im Takt knallen und der Rettenbacher Trachtennachwuchs gab Proben seines Könnens.