Kronasthaus

Kleinod wird bald wieder geöffnet

von Redaktion

Kaum ein anderes altes Gebäude in Prien sticht so ins Auge. Das über 400 Jahre alte Kronasthaus am Marktplatz fällt von außen vor allem durch seine Fassadenmalereien auf. Im Innern war es längere Zeit ruhig. Das soll sich ändern. Die Gemeinde hat Pächter für die Gastronomie im Erdgeschoss gefunden und will im ersten Stock noch heuer für eine Gemäldeausstellung umbauen.

Prien – Das über 400 Jahre alte Haus verdankt seinen Namen Kistler (Schreiner) Johann Georg Cronast, der es 1709 kaufte. Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich das Angebot. 1990 schloss die Familie Kronast dann ihren traditionsreichen Laden mit Antiquitäten, Tabakwaren und Spirituosen.

Das Haus stand dann bis Anfang des Jahrtausends leer, bis es der Priener Steuerberater und leidenschaftliche Kunstsammler Hans-Georg Lohr für 300000 Euro erwarb, um es aufwendig, aber angesichts der historischen Bedeutung auch sensibel umzubauen und einen Teil seiner umfangreichen Privatsammlung dort auszustellen.

So weit kam es nicht: Lohr starb noch vor der Fertigstellung in der Neujahrsnacht 2004. Rund eine Million Euro hatte Lohr bis dahin in Umbau und Restaurierung investiert.

Zunächst verpachtete er sein Erbe dann an einen exklusiven Laden für Möbel und Accessoires aus Asien und Afrika, der aber zu wenig Kundschaft anlockte und wieder zu machte.

Ende 2009 übernahm ein Münchener Galerist die Räumlichkeiten als Pächter. Dieser eröffnete als zweites Standbein im Erdgeschoss einen gastronomischen Betrieb mit Feinkostladen. Aber auch der neue Pächter konnte Galerie und Gastronomie offenbar auf Dauer nicht kostendeckend betreiben und verschwand wieder. Wieder stand das Kronasthaus leer.

Fast zwei Jahre bemühte sich der Markt Prien dann, das Gebäude zu erwerben, das zwischenzeitlich den Besitzer wechselte. 2017 klappte es – dank des Vermächtnisses von Gönner und Kunstfreund Eberhard Abé. Seine Witwe Brigitta übernahm im Sinne ihres 2015 verstorbenen Mannes 90 Prozent des Kaufpreises. Über den wurden und werden von Gemeindeseite keine Angaben gemacht.

Abé vermachte dem Markt Prien auch eine umfangreiche Kunstsammlung, genau 109 Arbeiten: 58 Gemälde und 32 Zeichnungen des Chiemseemalers Hugo Kaufmann sowie 19 Gemälde anderer Künstler – mit der Auflage, die Kaufmann-Sammlung im Kronasthaus der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Der Markt Prien machte sich alsdann auf die Suche nach einem Pächter für die Gastronomie. Dieser Tage wurde nun unter den Augen der Chiemgau-Zeitung im Bürgermeisterbüro der Mietvertrag unterzeichnet. Die Brüder Luitpold und Christoph Müller, beide Geschäftsführer der gleichnamigen Priener Familienbäckerei, übernehmen die Räume im Erdgeschoss des Hauses ab 1. Juli. Dann soll zügig der Umbau beginnen, um im August eröffnen zu können, nannten sie als Zeitziel im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Im Kaufvertrag der Gemeinde mit dem Vorbesitzer war vereinbart, dass dieser die Möbel im Haus belassen kann, bis die Gemeinde einen neuen Nutzer präsentiert. Der Voreigentümer muss nach Angaben von Bürgermeister Jürgen Seifert das Haus nun bis Ende Juni leer räumen.

Bei der Formulierung der Ausschreibung habe die Gemeinde Wert darauf gelegt, dass kein drittes Café am Marktplatz entsteht (eines davon betreiben die Müllers direkt gegenüber), sondern ein Lokal, dass Priens gute Stube auch abends belebt. An die 50 Plätze für Gäste bieten die Räume im Erdgeschoss, dazu kommt bei schönem Wetter die Terrasse auf der Ostseite am Haupteingang.

Die Müller-Brüder wollen die Räume heller, filigraner und zeitgemäßer einrichten. Erste Ideen gibt es schon, sie arbeiten mit Spezialisten aus Chieming zusammen. Neben Getränken wollen sie kleine Speisen anbieten, lassen sich aber noch nicht zu tief in die Karten blicken. „Das Thema Brot ist naheliegend, aber vielleicht auf eine besondere Art und Weise“, deutete Luitpold Müller an.

Die neuen Pächter planen mit Öffnungszeiten bis 23 Uhr, am Wochenende auch länger, wenn die Konzession das hergibt. „Wir möchten einen Treffpunkt schaffen, wo man gemütlich was trinken kann.“

Umbau im ersten Stock für die Kaufmann-Ausstellung

Auf Nachfrage kündigte Seifert an, dass die Gemeinde zeitnah mit dem Umbau der Räume im ersten Stock des Kronasthauses beginnen wolle, um noch heuer die Kaufmann-Ausstellung zu eröffnen. Sie wird aber nicht kostenlos zugänglich sein, sagte Seifert mit Verweis auf laufende Kosten, die gedeckt werden müssen.

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