Marquartstein – Kunst im Fluss zu entdecken: Das ist das Motto des Künstlers Jakob Gnadl. Die Ergebnisse dieses Schaffens, Skulpturen aus Fundstücken von der Tiroler Ache, sind derzeit im Marquartsteiner Rathaus ausgestellt. Zu den Geschäftszeiten sind sie bei freiem Eintritt bis zum 21. September zu besichtigen – und zwar Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag von 7.30 bis 12 Uhr, Mittwoch von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 17.30 Uhr. Im Rahmen der Eröffnung der Ausstellung würdigte die Zweite Bürgermeisterin von Marquartstein, Claudia Kraus, die Arbeit des Künstlers und seine gute Idee, Marquartstein als Ausstellungsort zu wählen, fließt hier doch die Tiroler Ache mitten durch die Gemeinde.
Die „Knopf-Sonaten-Blech-Blos‘n“, ein junges und erfolgreiches Ensemble der Musikschule Grassau, Gewinner des Wasserburger Löwen 2018, brachte musikalischen Schwung ins Marquartsteiner Rathaus. Bei der Ausstellungseröffnung waren auch die gemeinsam mit Jakob Gnadl am Jahresprojekt zur Tiroler Ache Beteiligten präsent: Stefan Kattari vom Museum „Salz und Moor“ in Grassau, Martina Mitterer vom Naturpavillon Übersee, Kathrin Schwarz vom Ökomodell Achental und Dr. Hans J. Grabmüller vom Heimat- und Geschichtsverein Achental. Diese Fachleute hatten sich Anfang des Jahres 2018 zu einer gemeinsamen Beschäftigung mit dem Thema „Tiroler Ache“ zusammengeschlossen, auch Jakob Gnadl wurde Teil des Teams. So gelang es, das Thema nicht nur mit den wissenschaftlichen Methoden der Biologie, Ökologie, Geografie und Geschichte zu untersuchen, sondern auch mit den Augen des Künstlers weitere Facetten des eigenwilligen Gebirgsflusses zu entdecken.
Geboren und aufgewachsen in Übersee und dort auch lange Jahre beruflich tätig, fühlt er sich dem Achental besonders eng verbunden. Schon als Bub hat Jakob Gnadl oft am Ufer der Tiroler Ache gespielt, und später war er in seiner Freizeit häufig mit dem Fahrrad entlang des Flusses unterwegs. Nicht ohne Beute kam er heim. Aber es waren keine Fische, die er fing, sondern er brachte Treibgut heim, das die Ache auf ihrem Weg von den Tiroler Bergen zum Chiemsee mit sich führte. Gnadl las Holzstücke, Äste oder Metallstücke auf Kiesbänken und in den Ufersträuchern auf, und sie dienten ihm als Material für seine künstlerischen Arbeiten. Der 64-jährige Überseer Künstler gestaltet Skulpturen aus den gefundenen Stücken, verändert sie, bearbeitet sie.
Jakob Gnadl, von Beruf Bankbetriebswirt, hat sich vor rund zehn Jahren freien künstlerischen Arbeiten zugewandt. Das handwerkliche Gestalten beschäftigte ihn schon als Kind in der gut ausgestatteten Werkstatt seines Vaters. Im Vorruhestand dann kam Gnadl wieder auf die früheren Interessen zurück; als Autodidakt versuchte er sich in der bildhauerischen Gestaltung von Treibgut aus der Ache. Bereits mehrfach konnte er seine Skulpturen in Ausstellungen zeigen. Er ist Mitglied der Künstlergruppe „D’Maler Übersee-Feldwies“ und beteiligt sich an deren Jahresausstellungen. Auch Malerei zählt zu seinen Beschäftigungen, hier hat er sich mit vor allem abstrakten Motiven auf Arbeiten in Acryl spezialisiert.
Im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung umschrieb Jakob Gnadl seine Beschäftigung mit der Tiroler Ache mit folgenden Worten: Er gestalte „Skulpturen und Objekte aus angeschwemmten Fundstücken, die ich mehr oder weniger stark mit Farbe, Spachtel oder anderen Materialien ergänze. Dabei kommen durchaus manchmal seltsame Ergebnisse heraus, die einer gewissen Komik nicht entbehren. Zu jeder Jahreszeit, ja täglich, präsentiert sich der Fluss anders. Die Farbe des Wassers, der Sonnenstand, Regen, Schnee – immer wieder neue Stimmungen. Der Fluss ist Lebensader, Segen und Fluch des Achentals mit seiner wechselhaften Geschichte.“