Übersee – Eine unwirkliche Seenlandschaft so weit das Auge reicht, mit einer überfluteten Autobahn zwischen Grabenstätt und Übersee: Welch zerstörerische Kraft die Wassermassen der Tiroler Ache entfalten können, zeigte sich zuletzt beim Katastrophenhochwasser im Jahr 2013. Inzwischen wurde viel für den Hochwasserschutz am „Schicksalsfluss“ des Achentals getan, der früher regelmäßig über die Ufer getreten ist.
Für manchen stellt sich allerdings die Frage, ob bei den Abholzaktionen und Umbauten entlang der Uferdämme nicht zuviel des Guten getan wurde. „Bei uns im Stimmkreisbüro häufen sich die Beschwerden, dass das Wasserwirtschaftsamt zu massiv in den natürlichen Bewuchs eingegriffen hat und es zu Problemen an der Tiroler Ache kommt“, so CSU-Landtagsabgeordneter Klaus Steiner. Dies war Grundlage für ein Gespräch mit Fachleuten. An der Brücke im Ortsteil Almau erläuterten Vertreter aus Fischerei, Bienenzucht und Landwirtschaft zusammen mit Übersees Bürgermeister Marc Nitschke, wo es derzeit hakt. Auf die „dramatische Gewässererwärmung“ in einem heißen Sommer wie in diesem Jahr verwiesen Josef Haiker vom Fischereiverband Oberbayern und Josef Schiller, Vorsitzender des Anglerbunds Chiemsee. „Wir brauchen mehr Beschattungsflächen an der Tiroler Ache, etwa durch ufernahe Weiden“, fordern beide. Die wärmeempfindliche Bachforelle würde bereits in Seitenbäche ausweichen.
Die beiden Fischer sprechen sich auch für mehr Ruhe- und Rückzugsräume für Fische und Kleinlebewesen in der durch Kanalisierung und Begradigung schnell dahinfließenden Tiroler Achen aus. Vorteilhaft seien ufernahe Steinschüttungen mit tieferen Gumpen, sogenannte Buhnen, Holzverbauungen mit Kehrwasser wie bei Raiten oder Totholzbereiche, in denen die Fische Unterschlupf finden können. Aktuell finde man in der Tiroler Ache neben der Forelle auch Äsche, Huchen und Weißfische im Unterlauf.
Auf eine weitere besorgniserregende Entwicklung wies Josef Schiller hin. „Wir stellen fest, dass die Laichfähigkeit der Fische in der Tiroler Ache beständig abnimmt“. Er habe den Verdacht, dass möglicherweise Medikamentenrückstände im Flusswasser dafür verantwortlich sein könnten und fragte, inwiefern die entsprechenden Werte bei Routine-Untersuchungen des Wasserwirtschaftsamtes zur Wasserqualität berücksichtigt werden. „Studien aus Österreich deuten auf Zusammenhänge hin“, ergänzte Schiller.
Zu wenig Nahrung
für Bienen
Franz Vollmaier, Vorsitzender des Verbands Bayeri-scher Bienenzüchter, kritisierte, dass durch die Beseitigung vieler Weiden mit ihren energiereichen Pollen am Achendamm gerade im Frühjahr das Nahrungsangebot für Bienen und Insekten massiv eingeschränkt worden sei. Die Blühstreifen entlang der Hauptstraßen würden aufgrund des für Bienen ungünstigen Fahrtwindes nur bedingt Ersatz bieten.
Matthäus Michlbauer, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands in Traunstein, erklärte, die Ausweisung von Blühstreifen am Waldrand durch die Landwirte könnte Entlastung bieten. Ebenso Anlass zur Kritik gäben die frühen und häufigen Mäh-Intervalle an den Achendämmen durch das Wasserwirtschaftsamt, die das Absamen von Blühpflanzen verhindern und Bodenbrütern die Deckung nehmen, worauf Josef Haiker verwies.
Die Öffnung beziehungsweise Rückverlegung der Hochwasserschutzdeiche nördlich der Autobahn und am Rothgraben sprach Bürgermeister Marc Nitschke an. Lautete das ursprüngliche Ziel dabei, die Verlandung der Hirschauer Bucht zu verzögern, so gehe es jetzt vornehmlich um die Ausweisung kleinerer Retentionsflächen für Überschwemmungen.
„Mir geht es darum, dass die Interessen der Landwirte mit berücksichtigt werden“, merkte Klaus Steiner dazu an. Es gehe um die bestehenden Weiderechte in diesem Gebiet. Er habe von den zuständigen Behörden die Zusage, dass die Weideberechtigten in die laufenden Verhandlungen mit einbezogen würden. Aufgrund der extensiven Weidenutzung, die auch vor zu schneller Verbuschung schütze, seien weitere Gespräche mit dem Forstbetrieb Ruhpolding und dem Wasserwirtschaftsamt sowie den Weideberechtigten nötig.
Probleme mit Gänsegeier
Der Stimmkreisabgeordnete sagte zu, sich zu den angesprochenen Themen mit der Leitung des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein abzustimmen. Die Forderungen der Imker, den Achendamm naturnäher und bienenfreundlicher zu gestalten, halte er für berechtigt und nachvollziehbar.
Gleiches gelte für die Forderung der Fischer, Rückzugsräume für die verschiedenen Fischarten zu schaffen, die in der Tiroler Ache besonders durch den Gänsesäger gefährdet seien. Steiner versprach, sich diesbezüglich mit der Leitung des Wasserwirtschaftsamtes abzustimmen.