Politischer Stammtisch

Kein tragbarer Vorschlag für Alzbrücke

von Redaktion

Die bisherigen staatlichen Vorschläge für den Neubau einer Alzbrücke in Seebruck stoßen bei Bürgern und Kommunalpolitikern auf Widerstand. Die Gemeinde, respektive der Gemeinderat, fühlt sich vom Staatlichen Bauamt Traunstein als Straßenbaulastträger im Stich gelassen und fordert, wie viele Bürger, politische Unterstützung.

Seeon-Seebruck –Spürbar wurde das jetzt bei einem politischen Stammtisch des CSU-Ortsverbandes Seeon-Seebruck-Truchtlaching im Hafenwirt mit dem CSU-Landtagsabgeordneten Klaus Steiner. Er wollte sich zum geplanten Neubau der Alzbrücke zum jetzigen Zeitpunkt nicht näher äußern. „Ich rede jetzt nicht groß mit. Die Gemeinde muss wissen, was sie will.“ Sicher sei, dass die Behörden genau hinschauen, wo Einigkeit da sei.

Unbestritten ist, dass eine neue Brücke gebaut werden muss. Die alte ist marode, deshalb dürfen seit Juli nur noch Fahrzeuge bis maximal zwölf Tonnen Gewicht über sie fahren (wir berichteten). Rost an den Stahlteilen, Risse und Abplatzungen am Beton hätten die Brücke so weit geschädigt, dass die „statistischen Sicherheitsreserven“ des über 80 Jahre alten Bauwerks fast aufgebraucht seien, hatte die Behörde eingeräumt.

Ein neuer Brückenstandort weiter nördlich, der im Rahmen des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) konzipiert werden sollte, war gescheitert (wir berichteten). Auf dieser Brücke sollten nur Fahrzeuge ohne Tonnagen-Beschränkung die Alz überqueren. Ein Stück weiter Richtung See sollte eine separate Fußgänger- und Fahrradbrücke entstehen.

Zwischenzeitlich hat das Staatliche Bauamt den Entwurf einer Feinplanung mit vier Vorschlägen für eine neue Brücke elf Meter nördlich der alten eingereicht und der Gemeinde als „Hausaufgabe“ mitgegeben, bis Ende September eine Stellungnahme abzugeben. Nach Angaben von Bürgermeister Bernd Ruth, der die vier Varianten vorstellte, hatte das Staatliche Bauamt der Gemeinde die Pläne bereits für Ende April/Anfang Mai zugesichert. „Sie sind aber erst im August gekommen und jetzt soll die Gemeinde bis Ende September eine Stellungnahme abgeben, was wir aber nicht tun werden.“ Die Vertreter des Gemeinderats hätten ein klares Nein signalisiert, sagte Ruth.

Gemeinderat Rudolf Mayer (FW) fasste unmissverständlich zusammen: „Uns hat keine der vier Varianten gefallen“. Auch einige Besucher sprachen sich gegen die geplante Brückenanlage mit einer Gesamtbreite von rund 16 Metern inklusive eines nördlichen Gehweges aus. Eine Planskizze beinhaltet auch den seitens der Gemeinde favorisierten Geh- und Radweg an der See- (Süd-) Seite. Westlich der Brücke, an den Abzweigungen zur Ortsmitte und zum Hafen, auf Höhe des Hotels Wassermann, könnte sich die Baubehörde einen Kreisverkehr vorstellen.

Die Seebrucker befürchten, dass durch das Bauwerk ohne Beschränkung noch mehr Verkehr angezogen wird. Der Bau einer Umgehungsstraße, der im Ort als beste Verkehrslösung angesehen wird, ist auf absehbare Zeit nicht realistisch.

In der Diskussion forderte beispielsweise Gemeinderat Sepp Daxenberger (CSU), dass sich auch die Bürger mit einbringen müssten, um eine gemeinsame Lösung zu erreichen. Auch sein Fraktionskollege Michael Regnauer forderte eine einheitliche Lösung: Jetzt sei die Phase erreicht, in der sich die Gemeinde entscheiden müsse, was sie wolle, so Regnauer.

Viel Zeit bleibt der Gemeinde nicht mehr, sich mit dem Staatlichen Bauamt zu einigen. Nach Angaben des Bürgermeisters soll mit dem Brückenbau in der zweiten Jahreshälfte 2021 begonnen werden. Wie Ruth im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung sagte, soll in Kürze ein „Sechs-Augen-Gespräch“ bei der Regierung von Oberbayern stattfinden. Mit der zuständigen Regierungssprecherin und Landrat Siegfried Walch wolle er als Vertreter der Gemeinde versuchen, einen Kompromiss zu erreichen.

Als unmittelbarer Anlieger übte Dr. Peter Lämmerhirdt massiv Kritik an dem geplanten Bauwerk und hat sich schriftlich unter anderem an das Wirtschaftsministerium gewandt. In dem „Arbeitspapier“ erklärt er, dass sich die Grundeigentümer, deren Häuser entwertet oder gar abgerissen werden sollen, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gegen diese Pläne wehren und freiwillig keinen Quadratmeter Grund abgeben werden. „Eine Enteignung dürfte daran scheitern, dass es mit einer Umgehung eine andere Möglichkeit gäbe, das Verkehrsproblem zu lösen“, ist er überzeugt.

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