Verein zieht Bilanz

123 Flüchtlinge leben derzeit in Bernau

von Redaktion

Bürger stehen nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite – Helfer leisten Beiträge zur Integration

Bernau – In Bernau leben derzeit 123 Flüchtlinge. Im alten Rathaus sind 14 Erwachsene und sieben Kinder untergebracht, im Egartnerhof 14 beziehungsweise 25 sowie in der Baumannstraße 15 beziehungsweise 20. In privaten Wohnungen leben außerdem neun Erwachsene und 17 Kinder. Diese Zahlen nannte Vorsitzender Hermann Feicht dieser Tage in der Jahreshauptversammlung der Flüchtlingshilfe im Gasthof „Kampenwand“ in Bernau.

Daneben gibt es noch zwei Väter, die in einer Umverteilungsaktion nach Bernau zugezogen sind. Insgesamt sind es 69 Kinder. Sie besuchen Kindergärten oder Schulen in Bernau und den Nachbargemeinden.

Die Zahl der Flüchtlinge in festen Beschäftigungsverhältnissen, in Praktikumstellen oder Integrationskursen schwankt. Derzeit haben fünf Männer und eine Frau eine Festanstellung bei verschiedenen Firmen. Die Flüchtlinge kommen aus Ländern wie Afghanistan, Syrien, Eritrea, Südsudan, Pakistan, Nigeria, Gambia und der Türkei. Ihre Religionen sind sunnitisch, schiitisch, koptisch sowie evangelisch und katholisch.

Umzug war

eine sehr große Herausforderung

Als eine sehr große Herausforderung bezeichnete Feicht den Umzug von vier Familien in die Baumannstraße, der alle Beteiligten an ihre Grenzen gebracht habe. Die Regierung von Oberbayern hatte dort Wohnungen für Flüchtlinge gebaut, vier Flüchtlingsfamilien sowie eine einheimische Familie aus Bernau konnten dort einziehen.

Die Wohnungen waren zum Tag des Einzuges laut dem Vorsitzenden leer, Küchen waren nicht eingebaut worden. Von der Benachrichtigung der Familien bis zum Einzugstermin seien gerade einmal zwei Wochen vergangen. Vorausschauend hatte der Verein aber schon vorher laut Feicht für jede Familie „Umzugspaten“ ausgesucht, die alle Bedürfnisse bei der Möblierung der Wohnungen mit den Helferteams des Vereins koordinierten. Innerhalb kürzester Zeit habe man gebrauchte Küchen, Tische, Stühle, Schränke, Betten, Matratzen, Bettzeug und andere Haushaltsgegenstände organisieren müssen. Ein Transport-Team habe alles aufgesammelt, die Möbel in die Baumannstraße gebracht und beim Zusammenbau und Montieren diverser Möbelstücke geholfen, sodass alle Familien zum Termin einziehen konnten.

Nicht besser ergangen sei es den Flüchtlingsfamilien, die aus umliegenden Gemeinden Bernau zugewiesen wurden, so Feicht weiter. Auch ihnen habe man unter die Arme gegriffen. Da die Familien laut Feicht nicht das Geld hatten, sofort einen kompletten Hausstand zu finanzieren, half der Verein den Bernauer Flüchtlingsfamilien mit Darlehen aus dem Spendenfonds des Vereins. Diese Darlehen würden von den Flüchtlingen pünktlich zurückgezahlt.

Seit Beginn der Arbeit der Flüchtlingshilfe gibt es die „Kleiderkammer“ im Haus des Gastes. Flüchtlinge, aber auch Bernauer Bürger mit kleinem Geldbeutel können dort Bekleidung, Spielzeug oder auch Haushaltsgeräte für wenig Geld kaufen. Die Kleiderkammer ist ein Treffpunkt für Bürger, Flüchtlinge und Helfer geworden und allgemein sehr beliebt.

Der Verein versucht, neben den alltäglichen Aufgaben auch durch gemeinsame Aktionen mit den Flüchtlingen etwas zu deren Integration beizutragen. So hatte man im August 2017 eine Wanderung zur Maisalm für Helfer und Flüchtlinge organisiert. Der Zuspruch dafür war groß, sodass der Verein in diesem Herbst einen Ausflug zur Herreninsel organisieren wird. Alle Teilnehmer werden eingeladen zur Schifffahrt und zur Schlossbesichtigung. Dass auf der Herreninsel die Verfassung der Bundesrepublik geschrieben wurde, werden die Teilnehmer ebenfalls erfahren.

Die Homepage des Vereins ist derzeit aus Gründen des Datenschutzes nicht erreichbar. Die katholische Kirche hat im Jahr 2017 Zuschüsse von über 1700 Euro gewährt.

Bürgermeister Philipp Bernhofer lobte die Atmosphäre in der Unterkunft Baumannstraße. Er dankte dem Verein für die Anstrengungen beim Umzug der Familien dorthin. Des Weiteren lobte er die vorbildliche Arbeit seit 2014.

Unterkunft altes Rathaus wird 2019 geschlossen

Bernhofer kündigte an, dass die Unterkunft Altes Rathaus 2019 geschlossen werde, da die Betreuung von drei Einrichtungen für Gemeinde und den Flüchtlingshilfeverein zu viel sei, die Flüchtlingshilfe in Bernau solle institutionalisiert und professionalisiert werden.

Der Bürgermeister warb für neues Engagement, insbesondere im Hinblick auf die Neuwahlen bei der Flüchtlingshilfe im nächsten Jahr, bei der eine neue Führung des Vereins gewählt werden soll. poj

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