Prien – Kann man trotz der Diagnose Gehirntumor lachen, lieben und leben? Die simple Antwort: „Ja“. Melanie Brandl, ehemalige Schülerin des Ludwig-Thoma-Gymnasiums (LTG), Journalistin, Buchhändlerin und Autorin, las auf Einladung des Fördervereins des LTG aus ihrem teilweise autobiografischen Erstlingsroman „Mittendrin ein neuer Anfang“, in dem sie geschickt – teilweise humorvoll, teilweise skurril und teilweise bedrückend – Autobiografisches mit Fiktivem verwob. Und sie machte sowohl den Schülern, als auch den Erwachsenen Mut, trotz einer Krankheit „das Leben anzunehmen, wie es ist, und es zu genießen.“
Brandl stellte sich in der Mensa ihrem Publikum – Q11-Schülern und einem großen Teil der Fachschaft Deutsch – offen und mutig. Sie hatte vor fünf Jahren die Diagnose Gehirntumor bekommen und begann sich zu fragen, was geschehen wäre, hätte sie früher, als sie noch mitten im Studium war, ungebunden und unbekümmert, von ihrer Krankheit erfahren.
Aus der Idee, dieses Gedankenkonstrukt weiterzuspinnen, entstand ein Buch, in dem sie – mit vielen Metaphern gespickt – ihre vielfachen Begegnungen witzig und wortgewandt schildert – mit Menschen, die ihr zuriefen „Positiv bleiben!“, oder solchen, die ihr, anstatt sie zu trösten, von anderen Kranken und Schicksalen berichteten.
Dass die Hauptperson Franka, Mitte 20, gleich nach der Diagnose Leon kennenlernt, würzt die Geschichte noch mit der gewissen Portion Liebe.
Die Schüler lauschten gebannt, als Brandl in einem Kapitel vom ersten Kuss der beiden erzählte und wie Franka davonläuft, weil Leon doch nichts von Frankas Krankheit weiß.
Aber anstatt weiterzuerzählen, ging Brandl darauf ein, wie lange es dauert, bis aus der Idee zu einem Roman schlussendlich ein verkaufsfertiges Buch wird und welche Hindernisse neuen, unbekannten Schriftstellern den Weg zum eigenen Buch erschweren. Es sei schwer, überhaupt einen Verlag zu finden, der das Buch drucke, und einen Literaturagenten vom Roman zu begeistern, sei aufwendig, müsse man dazu doch ein Expose schreiben.
Ein solcher Aufwand sei nicht verwunderlich, gab es doch allein im vergangenen Jahr über 7500 Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt und gut zehnmal so viele Manuskripte seien eingereicht worden.
Auf die Frage, ob man vom Schreiben leben könne, antwortete Brandl mit einem „Jein“, denn bis zum Erscheinen ihres Buchs habe es über zwei Jahre gedauert. Da brauche man schon einen langen Atem, einen guten Job oder viele Nebenjobs.
Nichtsdestotrotz ermunterte sie die Schüler, den Deutschunterricht ernst zu nehmen und zu lesen.
Exposés schreiben zu können sei wichtig fürs ganze Leben und sich zu verkaufen stärke das Selbstvertrauen.
„Es hat mich
geerdet, man
relativiert viel“
Selbstvertrauen braucht es auch, so offen mit seiner Krankheit umzugehen. Da nahm Brandl auch kein Blatt vor den Mund: „Es hat mich geerdet, man relativiert viel.“ Sie wisse, dass es schwer sei, die richtigen Worte zu finden. Beinahe musste man schmunzeln, wenn sie von der Episode in der Bäckerei erzählte, wo die Bäckerin lautstark alle Kunden mit unterhält: „Man sieht ja gar nichts. Das muss man doch merken. Krebs hat man doch nicht von heute auf morgen.“
Als sich Brandl öffentlich bei ihrem Mann und ihrer Familie für die Unterstützung bedankte, mussten die meisten Zuhörer schon schlucken. Aber eigentlich hatte sie Recht: „Das Leben der anderen Menschen geht auch weiter.“ Und: „Man muss das Leben annehmen, wie es ist.“