Schleching – Ein schaurig-schönes Spektakel war die siebte Fackelwanderung, die die „Geigelstoa Pass“ veranstaltete. Rund 300 Kinder und Erwachsene machten sich in der Nacht auf die Suche nach den Krampussen, die umhergingen. Sie suchten sie – und sie fanden sie dann auch.
In freudiger Erwartung standen die Menschen auf dem Dorfplatz. Kinder und Jugendliche hatten selbst gebastelte Ruten bei sich und warteten, dass es endlich los geht. Und dann war es so weit: Mit Mitgliedern der „Geistelstoa Pass“ machten sie sich auf den Weg raus aus dem Dorf, um die Krampusse, die „Krampein“, zu suchen. Es ging das Gerücht herum, dass sie auf dem Weg runter vom Geigelstein Berg seien, um unten im Tal ihr Unwesen zu treiben.
Der lange Zug setzte sich in Bewegung. Die Kinder hielten Ausschau nach Hinweisen auf die Schreckensgestalten. Gleich nach der ersten Biegung des Weges sahen sie ganz in der Ferne zwei Engel in weißen Gewändern mit großen weißen Flügeln. Aber es blieb keine Zeit zu schauen, denn schon nach dem Richtungswechsel nach links in die malerische Schlechinger Au hörten die Kinder wildes Glocken-Gerassel – und am Weidezaun fanden sie Fellfetzen, die nur von den „Krampein“ stammen konnten. Und dann kam auch schon ein Krampus die Wiese heruntergestürzt. Gar schrecklich sah er aus und wild gebärdete er sich. Die Zuschauer wichen zurück, nur ganz mutige Jugendliche blieben stehen und wurden von dem Krampus mit den glühenden Augen fixiert. In der Ferne am Berg sahen die Besucher mehrere Lagerfeuer, dort rauften die „Krampein“ lautstark miteinander.
Inzwischen war es stockdunkel, nur der Mond am Himmel und brennende Kerzen an den Zaunpfählen erhellten wie Irrlichter den Weg. Oberhalb des Knogler Bauernhofes verteilten sich die Besucher auf den Wiesen, die Kühe kamen neugierig an die Zäune, um zu schauen, was auf ihrem Terrain Merkwürdiges passiert.
Am Berg rasselten die „Krampein“, die in Tierfelle gehüllt waren und furchterregende Masken auf dem Kopf trugen, mit ihren großen Glocken, die sie an den Hüften festgemacht hatten. Eine große Rauferei war im Gange. Inzwischen hatten die Erwachsenen brennende Fackeln in der Hand und erhellten die mystische Kulisse.
In der Ferne brannte ein großer Kreis mit den Buchstaben „GP“ lichterloh, bis der heilige Nikolaus mit seinem glänzend goldenen Buch in der Hand dem wilden Treiben Einhalt gebot. Begleitet von zwei wunderschönen Engeln schritt er zwischen die „Krampein“ – und bald herrschte wieder Ruhe in der Natur.
Auch die Besucher machten sich langsam auf den Rückweg, begleitet in einigem Abstand von den „Krampein“ und dem heiligen Nikolaus, der mit seinen Engeln zurück auf den Geigelstein stieg. Erst am Samstag, 1. Dezember, um 15 Uhr wird er zum Dorflauf der „Geigelstoa Pass“ wieder herabsteigen.